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Pressemitteilung vom 13.06.2014

Ein Vordenker und Vormacher der DDR-Opposition

Ringvorlesung „Friedliche Revolution und Demokratie – Perspektiven nach 25 Jahren“: Am 17. Juni 2014 spricht Gerd Poppe, Mitglied des Zentralen Runden Tisches der DDR und später Bundestagsabgeordneter

Gerd Poppe, Mitglied des Zentralen Runden Tisches der DDR 1989/90 und langjähriger Bundestagsabgeordneter für Bündnis 90/Die Grünen, referiert am Dienstag, dem 17. Juni 2014, in der Ringvorlesung „Friedliche Revolution und Demokratie – Perspektiven nach 25 Jahren“. Die Vortragsreihe findet jeweils dienstags um 18 Uhr im Hörsaalgebäude der TU Chemnitz, Reichenhainer Straße 90, im Raum N 112 statt. Der Eintritt ist frei.

Gerd Poppe, 1941 in Rostock geboren, studierte an der dortigen Universität von 1959 bis 1964 Physik und arbeitete zunächst als Physiker in der mikroelektronischen Industrie. Poppe, der seit seinem Umzug nach Ost-Berlin mit Regimekritikern wie Robert Havemann oder Wolf Biermann befreundet war, protestierte 1968 öffentlich gegen die militärische Niederschlagung des „Prager Frühlings“, 1976 gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Aus politischen Gründen seit Mitte der 1970er-Jahre mit einem faktischen Berufsverbot belegt, arbeitete er bis 1984 als Maschinist und war bis 1989 Ingenieur beim Diakonischen Werk in Berlin. Poppe wirkte seit Ende der 1960er-Jahre in diversen Oppositionsgruppen, war Mitherausgeber und Autor von Samisdat-Literatur, organisierte literarische Abende mit kritischen Autoren und pflegte persönliche Kontakte zu den Akteuren der „Charta 77“ sowie zu Abgeordneten der bundesdeutschen Grünen. Im Jahr 1985 gründete er unter anderem mit Bärbel Bohley die Initiative Frieden und Menschenrechte (IFM). Von dieser Basis aus kritisierte er die Menschenrechtsverstöße des SED-Staates. Entsprechend hart ging das Regime gegen ihn und seine Familie vor. Zusammen mit seiner damaligen Frau Ulrike wurde der mit einem Auslandsreiseverbot belegte Poppe von der DDR-Staatssicherheit rundum überwacht und mit allen Mitteln der destruktiven „Kunst“ bekämpft. 1989/90 vertrat er zusammen mit Wolfgang Templin die IFM am Zentralen Runden Tisch der DDR, wo er sich besonders für eine neue DDR-Verfassung engagierte. Von Februar bis März 1990 war Gerd Poppe einer von drei aus den Reihen der Opposition entsandten Ministern ohne Geschäftsbereich in der Regierung Modrow. Hier verstand er sich als „verlängerter Arm des Runden Tisches“ mit der Möglichkeit, „korrigierend“ in die Arbeit der nicht demokratisch legitimierten Modrow-Regierung einzugreifen. 1990 für die Listenverbindung Bündnis 90 in die erste frei gewählte Volkskammer der DDR eingezogen, gehörte er von 1990 bis 1998 für Bündnis 90/Die Grünen dem Deutschen Bundestag an. Poppe – ein ausgewiesener „Realo“ – war dort unter anderem außenpolitischer Sprecher seiner Fraktion. Ende 1998 wurde er Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe. Nach seiner Ablösung durch Claudia Roth im Jahr 2003 ging er bis 2005 einer Beratertätigkeit in der Heinrich-Böll-Stiftung nach. Mit Gerd Poppe ist ein maßgeblicher Vordenker und Vormacher der DDR-Opposition zu Gast an der TU Chemnitz.

Weitere Informationen erteilen Prof. Dr. Eckhard Jesse, Telefon 0371 531-27720, E-Mail eckhard.jesse@..., oder Dr. Thomas Schubert, Telefon 0371 531-36953, E-Mail thomas.schubert@....
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