Springe zum Hauptinhalt
Pressestelle und Crossmedia-Redaktion
Pressemitteilungen
Pressestelle und Crossmedia-Redaktion 

Pressemitteilung vom 10.07.2009

Entgrenzung von Erwerbsarbeit und Familie

Entgrenzung von Erwerbsarbeit und Familie
Soziologen der TU Chemnitz stellen auf einer Fachtagung am 13. Juli 2009 in München ihre Forschungsergebnisse vor

Ein gemeinsamer familialer Alltag ist heute mehr denn je eine Baustelle. Nicht nur die Familien und Lebensmuster von Frauen und Männern werden vielfältiger und bewegter, gleichzeitig wird auch die Erwerbsarbeit deregulierter, flexibler und mobiler. Das bringt neue Freiheiten, aber auch Belastungen mit sich: Viele erwerbstätige Eltern bekommen Job und Familienleben nur schwer unter einen Hut. Die Brisanz dieser "Entgrenzungen" besteht darin, dass sie parallel geschehen, ohne aufeinander abgestimmt zu sein. Daraus resultieren beispielsweise sinkende Geburtenraten, Konflikte in der Partnerschaft und Unzufriedenheit von erwerbstätigen Eltern mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. In einer breit angelegten qualitativen Studie haben Forscher der TU Chemnitz und des Deutschen Jugendinstituts in München untersucht, wie Mütter und Väter, die in der Filmwirtschaft und im Einzelhandel, zwei Branchen mit hoch flexiblen Arbeitsbedingungen, arbeiten, Familien- und Berufsleben organisieren.

Wie schaffen es Familien, ihren Alltag angesichts zeitlich flexibler, räumlich mobiler und unsicher gewordener Arbeits- und Lebensbedingungen zu organisieren? Und welche Chancen liegen in diesen Veränderungen für Beschäftigte, Familien und Betriebe? Einblicke in die schwieriger werdenden Abstimmungsprozesse zwischen entgrenzter Erwerbsarbeit und entgrenzter Familie liefert die Tagung "Wenn nichts mehr zusammenpasst - Entgrenzung von Erwerbsarbeit und Familie. Folgen für Betriebe, Kommungen und Gesellschaft", die am 13. Juli 2009 in München stattfindet. Die Professur für Industrie- und Techniksoziologie der TU Chemnitz wird einen Teil der Ergebnisse vorstellen. Darüber hinaus diskutieren Experten aus Politik und Gewerkschaften, welche Bedeutung die Projektergebnisse für sie als Akteure haben und welche Handlungsfelder sich daraus ergeben.

"Schon die gemeinsame Anwesenheit von Familienmitgliedern will organisiert sein, Zeitlücken für das Familienleben müssen gefunden, Pflichten neu ausgehandelt und Arbeitsteilungsmuster, auch zwischen den Geschlechtern, neu definiert werden", weiß Peggy Szymenderski, Doktorandin der Professur für Industrie- und Techniksoziologie. Eltern müssen zum einen die Flexibilisierung der Arbeitswelt mit ihrer eigenen Lebenswelt unter einen Hut bekommen. Dies bringt Familien oft an ihre Leistungsgrenzen. Es sind viele Anstrengungen und Einfallsreichtum notwendig, um eine gemeinsame familiale Lebensführung zu etablieren. Sollten sich die mehrfachen Entgrenzungen forciert fortsetzen, droht eine "Reproduktionslücke" in den Familien mit massiven Konsequenzen für die Wirtschaft und die gesamte Gesellschaft. Derzeit fangen das die Eltern noch auf, indem sie bewusst eigene Erholungsbedürfnisse zurück stellen. Die erwerbstätigen Mütter und Väter halten das Familienleben trotz ihrer hohen eigenen Erschöpfung am Laufen, weshalb ein gesellschaftlicher und politischer Nachsteuerungsbedarf unabdingbar ist.

Alle Forschungsergebnisse finden sich im Buch zum Projekt: Jurczyk, Karin/ Schier, Michaela/ Szymenderski, Peggy/ Lange, Andreas/ Voß, G. Günter: Entgrenzte Arbeit - entgrenzte Familie. Grenzmanagement im Alltag als neue Herausforderung Berlin: edition sigma 2009, ISBN: 978- 3836087001

Weitere Informationen erteilen Prof. Dr. G. Günter Voß, Telefon 0371 531- 32480, E-Mail guenter.voss@phil.tu-chemnitz.de, und Peggy Szymenderski, Telefon 0371 531-35561, E-Mail peggy.szymenderski@phil.tu-chemnitz.de

Wichtiger Hinweis für die Medien: In der Pressestelle der TU Chemnitz können Sie honorarfrei ein themenbezogenes Foto anfordern. Motiv: Prof. Dr. G. Günter Voß und Peggy Szymenderski von der Professur Industrie- und Techniksoziologie der TU Chemnitz fordern eine flexiblere Kinderbetreuung. Foto: Heiko Kießling. Dieses Foto finden Sie auch im Order "Forschung" des Online-Bildarchivs der TU Chemnitz: http://www.tu-chemnitz.de/tu/presse/bilder


  • Werbedisplay zur Online-Befragung

    TUCpanel 2026 ist gestartet!

    Vom 27. April bis zum 8. Mai 2026 haben Studierende der TU Chemnitz die Möglichkeit, ihre Studienbedingungen im Rahmen einer universitätsweiten Online-Befragung aktiv mitzugestalten …

  • BildbeschDrei Mädchen stehen in einer Reihe vor einem Experiment

    Technik erleben: Girls’Day 2026 an der TU Chemnitz

    Großes Interesse an MINT-Angeboten – Schülerinnen sammelten beim diesjährigen Girls´Day praxisnahe Erfahrungen in Technik und Wissenschaft …

  • Porträt einer Frau

    Im Fokus: Bedroh­liche Veränderungen der politischen Kultur

    Prof. Dr. Susanne Rippl vom Arbeitsbereich Politische Soziologie der TU Chemnitz ist Co-Autorin eines Buches, das aufzeigt, wie rechte Narrative die Demokratie unterwandern …

  • Porträt eines Mannes

    Schichtungen im Moment des Hörens

    Konzertsymposium „Schichtungen: Chemnitz, Berlin, Wien. In memoriam Peter Ablinger“ bringt vom 21. bis zum 22. Mai 2026 internationale Komponisten und Interpreten, Installationen, Konzeptkunst und wissenschaftliche Perspektiven an die TU Chemnitz und in die Kunstsammlungen Chemnitz …