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Pressemitteilung vom 03.04.2002

Chemnitzer Psychologin gibt Tipps für das Vorstellungsgespräch

Wie wirke ich im Vorstellungsgespräch
Chemnitzer Uni-Psychologin sagt, worauf es in einer Bewerbungssituation ankommt

Der erste Eindruck zählt: Besonders bei Bewerbungsgesprächen ist es wichtig, von Beginn an eine gute Figur zu machen. Aber wie anstellen? Sofort in die Offensive gehen oder lieber abwarten? Natürlich bleiben oder notorisch drauflosreden? Die Psychologieprofessorin Astrid Schütz von der TU Chemnitz hat seit vielen Jahren Strategien der Selbstdarstellung unter die Lupe genommen. In verschiedenen Projekten hat sie etwa die Selbstdarstellung im politischen Wahlkampf ebenso untersucht wie in Bewerbungssituationen. Anhand von Fremdbeurteilungen konnte sie so neue wissenschaftliche Erkenntnisse darüber gewinnen, in welcher Situation die Selbstdarstellung eines Menschen auf welche Weise ankommt. Eine neue Erkenntnis aus Chemnitz: Positive Selbstdarstellung hat nicht nur Vorteile. Wer zu dick aufträgt, kann sich schnell selbst ins Aus loben.

Obwohl es das Patentrezept für erfolgreiche Bewerbungsgespräche natürlich nicht gibt, können wichtige Hinweise aus der Selbstdarstellungsforschung abgeleitet werden, die es dem Jobsuchenden vielleicht einfacher machen, am Ende eines Vorstellungsgespräches weder als graue Maus noch als eitler Pfau dazustehen.

1. Tipp: Keine Inszenierungen

Eine Selbstdarstellung, die nicht zur Gesamtpersönlichkeit passt, wirkt aufgesetzt und verfehlt in aller Regel die gewünschte Wirkung. Inszenierungen sind daher äußerst riskant. Sie sammeln viel eher durch spontanes und authentisches Verhalten Pluspunkte.

2. Tipp: Nicht zu dick auftragen!

Wer nur von sich prahlt, wirkt unsympathisch. Deshalb sollten Sie kleinere Schwächen offen eingestehen - wenn sie nicht gerade die eigene Kompetenz in Frage stellen. Empirische Studien haben gezeigt: Selbstlob kommt nur dann besser an als eine eher bescheidene Selbstdarstellung, wenn dem Gegenüber keinerlei Informationen über die tatsächlichen Leistungen des Bewerbers vorliegen.

3. Tipp: Andere loben lassen

Bringen Sie andere dazu, Sie zu loben. Das macht einen besseren Eindruck, als es ständig selbst zu tun. Untersuchungen haben bewiesen, dass positive Beurteilungen von Dritten glaubwürdiger wirken als positive Selbstbeschreibungen

4. Tipp: Aber: Nicht allzu bescheiden sein

Auch wenn zu viel Eigenlob stinkt: Stellen Sie nicht gleich Ihr Licht unter den Scheffel. Wer in einem Bewerbungsgespräch nicht sagt, was er kann, erweckt nicht unbedingt den Eindruck, dass er viel kann.

5. Tipp: Der äußere Eindruck ist wichtig!

So ist das nun mal: Attraktive Bewerber kommen besser an. Achten Sie deshalb auf Ihre Kleidung. Wie empirische Studien belegen, wird eine Frau im Sakko in aller Regel kompetenter beurteilt als in anderer Kleidung.

6. Tipp: Auf die Körpersprache achten!

Verbales und Nonverbales gehören zusammen. Es macht daher einen unglaubwürdigen Eindruck, wenn die Körpersprache dem Gesagten widerspricht. Im Zweifelsfall wird eher dem Nonverbalen geglaubt. Wer also gerade von der eigenen Kompetenz spricht und dabei nervös an der Kleidung herumzupft, wirkt nicht überzeugend.

7. Tipp: Keine Widersprüche!

Verstricken Sie sich nicht in widersprüchlichen Aussagen: Wer in unterschiedlichen Situationen oder gegenüber unterschiedlichen Gesprächspartnern immer etwas anderes behauptet, erweckt den Eindruck, sein Fähnchen nach dem Wind zu drehen.

8. Tipp: Bloß keine Seitenhiebe!

Aggressive Angriffe auf Mitbewerber oder Konkurrenten verfehlen leicht die gewünschte Wirkung und führen stattdessen zu einem negativen Eindruck vom Angreifer. Studien zeigen, dass Kritiker oder Angreifer selbst negativ bewertet werden.

Wer das eigene Auftreten gezielt verbessern möchte, kann dies im Rahmen von Coaching-Programmen tun. An der Technischen Universität Chemnitz steht dafür ein neues Videolabor zur Verfügung, in dem die Psychologin Prof. Dr. Astrid Schütz und ihre Mitarbeiter in Zukunft das Selbstdarstellungsverhalten im Detail beobachten und analysieren können.

Eine Literaturempfehlung zum Weiterlesen: Astrid Schütz (2000): Psychologie des Selbstwertgefühls: Von Selbstakzeptanz bis Arroganz. Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer. ISBN 3-17-016685-9

Wichtiger Hinweis für die Medien: In der Pressestelle der TU Chemnitz können Sie ein themenbezogenes Foto anfordern. Bildtext: Wer im Bewerbungsgespräch eine gute Figur abgibt, hat bessere Chancen auf den Job. Die Psychologieprofessorin Astrid Schütz plant derzeit an der Technischen Universität Chemnitz spezielle Coaching-Programme, in denen das eigene Auftreten im Videolabor gezielt verbessert werden kann. (Foto: Uwe Meinhold/TU Chemnitz)

Weitere Informationen gibt Prof. Dr. Astrid Schütz, Professur für Differentielle Psychologie und Diagnostik der TU Chemnitz, unter Telefon (03 71)5 31-63 66 oder per E-Mail astrid.schuetz@phil.tu-chemnitz.de

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