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Pressemitteilung vom 17.05.2000

Prof. Hermann Lübbe: Der Fortschritt und das Museum

Die Sucht nach der Vergangenheit oder
warum mehr Menschen ins Museum gehen statt zu Fußballspielen

Der angesehene Zürcher Philosoph Prof. Hermann Lübbe spricht am 22. Mai 2000 um 18.15 Uhr an der Chemnitzer Uni über das Thema "Der Fortschritt und das Museum". Die Veranstaltung findet im Hörsaal N 113 des Zentralen Hörsaalgebäudes der Uni an der Reichenhainer Straße 70 statt. Der Vortrag ist Teil einer Vorlesungsreihe zum Thema "Zivilisationsdynamik. Moderne Zeit-Erfahrungen". Alle Chemnitzer Bürger sind dazu willkommen, der Eintritt ist frei.

Hätten Sie gedacht, dass mehr Menschen ins Museum gehen als zu Fußballspielen? Wir Menschen von heute, so Lübbe, sind geradezu besessen nach Vergangenem. Nicht nur unsere Museen sind gut besucht: Populäre Geschichtsbücher finden reißenden Absatz, das Interesse an der Geschichte wächst, der Denkmalschutz wird bis ins Extrem getrieben, viele Unternehmen gründen gar ihr eigenes Firmenmuseum. Früher war das anders: Im Mittelalter etwa war es gang und gäbe, antike Gebäude als Steinbruch für den eigenen Hausbau zu benutzten.

Lübbe vermutet hinter unserem Umgang mit der Vergangenheit den Versuch, die Zeit gleichsam anzuhalten, weil wir mit den immer rascheren Veränderungen in Wissenschaft, Wirtschaft und Kunst nicht zurecht kommen. Seit der Steinzeit habe sich die kulturelle und technische Entwicklung immer mehr beschleunigt. Deshalb, so Lübbe, gewinnen wir den Eindruck, dass die Gegenwart schrumpfe. Gewissermaßen als Ausgleich wende sich der Mensch immer mehr der Geschichte zu und versuche so, die Zeit anzuhalten. Für den zunehmenden Regionalismus gelte das Gleiche: Weil wir in der heutigen Zeit immer mehr kulturelles miteinander teilen, möchten wir um so mehr heraus stellen, was uns von anderen unterscheidet.

Zur Person:

Der aus Deutschland stammende Hermann Lübbe ist einer der bedeutendsten Denker der Gegenwart. Neben seiner Tätigkeit als Professor an den Unis in Bochum, Bielefeld und Zürich war er auch einige Zeit in der Politik aktiv, zunächst als Staatssekretär im nordrhein-westfälischen Kultusministerium, dann in gleicher Funktion sogar in der Staatskanzlei. Er schrieb zahlreiche Bücher und Fachaufsätze. Von 1975 bis 1978 war Prof. Lübbe Präsident der Allgemeinen Gesellschaft für Philosophie in Deutschland.

Weitere Vorträge von Prof. Lübbe sind für den 19. Juni und für den 3. Juli 2000 vorgesehen. Für eine Diskussion am Ende der Vorträge ist jeweils genügend Zeit eingeplant.


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