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Pressemitteilung vom 17.03.2000

Botschafter für Deutschland

Botschafter für Deutschland
Chemnitzer Universität belebt Kontakte zu ihren Absolventen in Vietnam

In Vietnam fehlen sie in kaum einer Hochschule, Behörde oder großen Firma: Akademiker, die an einer ostdeutschen Uni studiert haben und die deutsche Sprache beherrschen. Und häufig sitzen diese hochqualifizierten Fachleute dort ganz oben, sind Professoren, Bosse, Behördenleiter. Mehr als zehntausend junge Vietnamesen besuchten zu DDR-Zeiten die Universitäten des Landes, machten hier ihre Abschlüsse, zumeist in ingenieurwissenschaftlichen Fächern. Vielfältige wirtschaftliche und persönliche Kontakte entstanden damals, doch die schliefen meist nach der Wende und dem Zusammenbruch der DDR ein.

Jetzt freilich entsinnen sich die ostdeutschen Hochschulen wieder ihrer früheren Absolventen. Schließlich bieten sich hier einmalige Chancen für eine Zusammenarbeit - und die nutzen nicht nur den vietnamesischen, sondern auch den deutschen Unis und der Industrie der beiden Länder. Nebenbei will man so auch wieder mehr vietnamesischen Studenten nach Deutschland holen, denn die gelten als fleißig und intelligent. Zudem sind ausländische Absolventen wohl die besten Botschafter für Deutschland in ihren Heimatländern.

Also riefen der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) ein Nachkontaktprogramm ins Leben. Im ALVIDE (Alumniprojekt Vietnam-Deutschland) arbeiten die Technischen Universitäten aus Chemnitz, Berlin, Freiberg und Dresden zusammen, weitere Unis sind willkommen. Das ist ungewöhnlich, denn meist kümmern sich derartige Projekte nur um ihre eigenen ausländischen Absolventen. Ziel des ALVIDE-Programms: ein Netzwerk zwischen Hochschulen und Unternehmen beider Länder.

Vom 21. bis 25 März 2000 werden sich Wissenschaftler aus Deutschland und Vietnam zu einer ersten ALVIDE-Tagung an der Technischen Universität Hanoi treffen. Dabei dreht sich alles um das Thema "Schutz und optimierte Nutzung natürlicher Ressourcen". Von der Chemnitzer Uni mit dabei: Prof. Dr. Michael Hietschold vom Institut für Physik und Dr. Hannes Michael vom Institut für Allgemeinen Maschinenbau und Kunststofftechnik. Anders als sonst bei derartigen Anlässen üblich, ist die Tagungssprache deutsch - das beherrschen die vietnamesischen Wissenschaftler zumeist perfekt.

Prof. Hietschold hält in Hanoi einen Vortrag über die mikroskopische Analytik beim Umweltschutz. Auf diesem Gebiet arbeitet er bereits seit geraumer Zeit erfolgreich mit Prof. Tran Xuan Hoai vom Nationalen Wissenschafts- und Technologie-Zentrum in Hanoi zusammen. Gemeinsam bauten beide an der Chemnitzer Uni zwei neuartige Rastertunnelmikroskope, von denen eines mittlerweile in Vietnam eingesetzt wird. Anschließend besucht Prof. Hietschold die Uni in Hue.

Dort arbeitet man an neuen piezoelektrischen Materialien, die in Chemnitz in Rastersondenmikroskopen eingesetzt werden sollen. Danach geht es weiter nach Ho Chi Minh City, dem ehemaligen Saigon, wo das 3. Deutsch-Vietnamesische Seminar zum Thema "Physik und Ingenieurwesen" stattfindet. Dort stößt auch sein Chemnitzer Physiker-Kollege Prof. Dr. Dietrich R. T. Zahn zu ihm. Das Seminar wird übrigens zu großen Teilen von der Daimler-Benz-Stiftung finanziert, die ebenfalls eine weitergehende Zusammenarbeit mit dem südostasiatischen Land fördert. Die Kontakte zwischen der Chemnitzer Uni und vietnamesischen Hochschulen tragen bereits erste Früchte: So wird der Doktorand Luu Tien Hung von der Uni im mittelvietnamesischen Vinh noch in diesem Jahr im Labor von Prof. Hietschold einen Teil seiner Doktorarbeit schreiben, zudem soll das 4. Deutsch-Vietnamesische Seminar im Jahr 2001 in Chemnitz und Dresden stattfinden.

Dr. Michael spricht auf der ALVIDE-Tagung über das von ihm mitentwickelte Verfahren zur Wiederverwertung von Alt- und Abfallgummi, das seit einiger Zeit unter Fachleuten für Aufsehen sorgt (siehe auch unsere Pressemitteilung vom 23. 2. 98, im Internet zu finden unter http://www.tu-chemnitz.de/tu/presse/1998/02.23-18:34.html). Sein Kollege Dr. Nguyen Quang vom Institut für Tropische Technologie in Hanoi erforscht schon seit 1997, ob der dabei entstehende neuartige gummiähnliche Kunststoff auch unter tropischen Bedingungen seine Eigenschaften beibehält. Dr. Quang hat bis 1989 an der damaligen TU Karl-Marx-Stadt studiert und kommt seit einiger Zeit für sechs Wochen im Jahr an die Chemnitzer Uni, um hier gemeinsam mit Dr. Michael zu forschen - der nächste Termin ist direkt im Anschluss an die ALVIDE-Tagung.

Weitere Informationen: Technische Universität Chemnitz, 09107 Chemnitz, Prof. Michael Hietschold, Tel. 0371/531-3203, Fax 0371/531-3077, E-Mail: hietschold@physik.tu-chemnitz.de oder Dr. Hannes Michael, Tel. (03 71) 5 31-23 82, E-Mail: hannes.michael@mb3.tu-chemnitz.de


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