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Clever investieren am Aktienmarkt

An der Professur für Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre wurden Investmentstrategien untersucht, mit denen man am deutschen Aktienmarkt überdurchschnittlich erfolgreich sein konnte

Geldanlagen in Aktien gelten als riskant und kompliziert. Elisabeth Ude, Friedrich Thießen und Tommy Jehmlich von der Professur für Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre der Technischen Universität Chemnitz haben untersucht, ob man auch mit ganz einfachen Investitionsstrategien erfolgreich sein kann. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass man ohne viel Aufwand überdurchschnittliche Erträge erzielen kann.

Betrachtet wurden die Aktien der DAX-Familie, also die Unternehmen, die sich im DAX 30, MDAX, SDAX und TechDAX befinden. Über mehrere Jahre hinweg verglichen die Forschenden die Entwicklung der Indizes mit dem Erfolg bestimmter Strategien. „Wir haben uns sechs einfache Kennzahlen herausgesucht, anhand derer wir Aktien ausgewählt haben“, erklärt Tommy Jehmlich, „jede Kennzahl steht für eine eigene Strategie. So wurden beispielsweise die zehn Aktien gesucht, die das kleinste Kurs-Buchwert-Verhältnis hatten.“ Die so ausgewählten Aktien wurden in einem festgelegten Jahresrhythmus ausgetauscht. Dabei wurde das Aktienportfolio nur einmal im Jahr angeschaut – das war die Regel – und dann je nach Kennzahlenwert gegebenenfalls umgeschichtet. „Ein geringerer Aufwand ist kaum möglich“, sagt Elisabeth Ude. Bei der Strategie, die in die zehn Aktien mit dem jeweils geringsten Kurs-Buchwert-Verhältnis investiert, musste nur alle drei Jahre umgeschichtet werden. Es konnte eine jährliche Rendite von über 31 Pozent erzielt werden.

Die Strategien wurden nach Wachstum (growth-strategies) und Fundamentalwertorientierung (value-strategies) unterteilt. Beide lieferten ähnliche Ergebnisse. „Bei den Einzelstrategien waren aber nicht alle gleich erfolgreich“, erklärt Professor Thießen, „besonders die Strategien, in denen das oft verwendete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) vorkam, eigneten sich gar nicht zur Aktienauswahl.“

Die Forschenden zeigten, dass vier der sechs Strategien deutliche Überrenditen im Vergleich zum Gesamtmarkt erzielten. Das Risiko der Strategien wich nicht weit vom Risiko des Gesamtmarktes ab. Der Tracking Error, der das Abweichungsrisiko misst, betrug nur 1 bis 3 Prozent, was für aktive Aktienstrategien gute Werte darstellen.

Was kann man aus den Ergebnissen für allgemeine Schlüsse ziehen? "Der wichtigste Schluss ist, dass Strategien, die mit seltenen Anlagerevisionen arbeiten, hier also Umschichtungen nur einmal pro Jahr, im Mittel erfolgreich sein können. Damit konnte das Ziel der Untersuchung erreicht werden, die Vorteilhaftigkeit sehr einfacher Strategien zu belegen", sagt Jehmlich und ergänzt: „Das Risiko der betrachteten Strategien ähnelt dem Risiko des Gesamtmarktes. Größere Wertabweichungen gibt es nicht. Damit ist ein zweites interessantes Ergebnis erzielt, dass einfache Strategien mit seltenen Umschichtungsvorgängen nicht mit unzumutbaren Risiken erkauft werden müssen. Das dritte Ergebnis ist, dass die bekannte Tatsache, dass an Märkten Trends existieren, auch mit ganz einfachen Strategien ausgenutzt werden kann, ohne dass man dabei ungebührliche Risiken eingehen muss. Dadurch, dass man im jährlichen Rhythmus entsprechend einer Regel umschichtet, folgt man automatisch Trends oder arbeitet genau gegen sie. Das vierte Ergebnis ist, dass die bekannten Kennziffern, die wir getestet haben, überwiegend zu Überrenditen führten. Nur die bekannteste Kenngröße, das KGV, eignet sich nicht. Dieses vierte Ergebnis mag Zufall gewesen sein – wenn man nur sechs Strategien testet, erhält man keine validen Ergebnisse." Aber insgesamt deute die Studie darauf hin, dass auch Menschen, die mit wenig Aufwand an Zeit und Kosten ihr Aktienportfolio aktiv verwalten wollen, zum Zuge kommen können. „So schlimm ist der Aktienmarkt nicht", meint Thießen, und rät deshalb zu mehr Mut zur Aktie.

Die Studie von Jehmlich, Thießen, Ude mit dem Titel „Systematische Überrenditen mit Standardstrategien - Eine empirische Untersuchung von Value- und Growth-Investmentstrategien am deutschen Aktienmarkt“ wurde in den Chemnitzer Economic Papers veröffentlicht und kann online kostenfrei heruntergeladen werden: https://www.tu-chemnitz.de/wirtschaft/vwl1/cep/cep013.php

Mario Steinebach
15.04.2018

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