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60 Jahre universitäre Werkzeugmaschinenforschung und Lehre in Chemnitz

Zum Gründungs-Jubiläum des Instituts für Werkzeugmaschinen an der damaligen Hochschule für Maschinenbau Karl-Marx-Stadt fand am 14. Oktober 2016 eine Fachkonferenz mit Abendveranstaltung statt

„Menschen machen Maschinen“ – unter diesem Motto feierte das Maschinenbau-Institut gemeinsam mit rund 500 Partnern aus Wissenschaft, Industrie, Politik und Gesellschaft sowie Absolventen, Promovenden und ehemaligen Mitarbeitern am 14. Oktober 2016 das 60-jährige Gründungs-Jubiläum.

Prof. Dr.-Ing. habil. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft und langjähriger Leiter des Instituts für Werkzeugmaschinen und Produktionssysteme an der TU Chemnitz, übernahm die Eröffnung des Festaktes am Vormittag. Er würdigte in seiner Rede insbesondere die Leistungen der Professoren und Mitarbeitenden über sechs Jahrzehnte hinweg sowie das Engagement von Prof. Dr. Matthias Putz, der seit 2014 die kommissarische Leitung der Professur innehat. In seinem Ausblick auf zukünftige Forschungsschwerpunkte und Entwicklungen am Institut hob Neugebauer vor allem die Bedeutung des Werkzeugmaschinenbaus für Chemnitz, Sachsen und die Bundesrepublik hervor: Im weltweiten Vergleich des Produktionswerts von Werkzeugmaschinen rangiert Deutschland hinter China und Japan auf Platz drei. Diese Position sei eine Chance für den deutschen Werkzeugmaschinenbau, die es anzunehmen gelte, so Neugebauer. Aktuelle Herausforderungen lägen dabei u. a. in den Bereichen Kleinserienfertigung und Hybridmaschinen, Energie- und Ressourceneffizienz, Nachhaltigkeit und Bedienerfreundlichkeit, sowie Digitalisierung und Vernetzung der Produktion.

Neben dem Rektor der TU, Prof. Dr. Gerd Strohmeier, der Oberbürgermeisterin der Stadt Chemnitz, Barbara Ludwig, sowie dem Staatssekretär des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst, Uwe Gaul, überbrachten der VDW-Geschäftsführer, Dr. Wilfried Schäfer, der Präsident des Industrieverein Sachsen 1828 e. V., Prof. Hans J. Naumann, und der Präsident der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Produktionstechnik, Prof. Eberhard Abele, Grußworte zum Jubiläum. Den Festvortrag hielt Prof. Dr. Matthias Putz, Institutsleiter des Fraunhofer IWU Chemnitz, zum Thema „Die Werkzeugmaschine, immer wieder neu - 60 Jahre Lehre und Forschung in Chemnitz“.

Im Programm fanden sich außerdem Fachvorträge namhafter Wissenschaftler zu aktuellen Entwicklungen und Forschungsansätzen für die Produktionstechnik der Zukunft sowie Führungen durch die Versuchsfelder des Instituts und des Forschungscampus. Prof. Dr. Andreas Hirsch, Geschäftsführer am Institut, erklärte: „Wir wollten mit dieser Veranstaltung allen Mitstreitern und Partnern danken und gleichzeitig auch die Innovationskraft des Chemnitzer Maschinenbaus weithin sichtbar machen.“


Eine Bilanz

In rund 60 Jahren absolvierten über 2.100 Studierende ein Hochschulstudium zum Diplomingenieur, Bachelor of Science und Master of Science an der Professur. 175 erfolgreich abgeschlossene Promotionen und Habilitationen konnten in diesem Zeitraum verzeichnet werden. Zudem bestehen seither enge Kooperationen mit der produzierenden Industrie und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, aus der eine Vielzahl an Veröffentlichungen, Fachkonferenzen und Forschungsberichten mit neuen Produktideen und technologischen Innovationen hervorgegangen sind.

Während der vergangenen sechs Jahrzehnte hinterließen gesellschaftliche Umwälzungen, Strukturwandel und technischer Fortschritt im Bereich Produktionstechnik ihre Spuren. Der Wandel zeigt sich heute an zahlreichen Beispielen: Während in den Anfängen des Instituts noch am Reißbrett konstruiert wurde, geschieht dies heute durch die Nutzung von 2D/3D-CAD-Systemen bis hin zur Anwendung von Virtual Reality-Technologien. Wo früher manuell bediente Werkzeugmaschinen in den Forschungshallen standen, befinden sich heute sogenannte Bearbeitungszentren, flexible Fertigungssysteme und kollaborierende Roboter. Vor 60 Jahren nutzte man noch rein mechanische Baugruppen, heute setzen die Wissenschaftler des Instituts auf die Integration von adaptronischen Funktionen sowie auf die Informationserfassung und -auswertung für erste Industrie 4.0-Teillösungen.


Neueste Entwicklungen

Auch das neue große Forschungsthema „FOLLOWme“ – „Folge mir“ basiert auf aktuellen Entwicklungen: In Zusammenarbeit mit mehreren Forschungs- und Industriepartnern analysiert die Professur für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik in vier Forschungsschwerpunkten die Thematik autonomer, fahrerloser Transportsysteme zur Steigerung der Effizienz in der Lagerhaltung. Die Vision des Projekts: Intelligente, fahrerlose Transportfahrzeuge folgen dem Kommissionierer beim Packen selbständig durch das Lager. Sie navigieren sich mit Hilfe von 3D-Kameras und Laserscannern durch die Gänge, weichen Hindernissen aus und bremsen, wenn ein Mitarbeiter ihren Weg kreuzt. Zur Information und Steuerung des gesamten Logistiksystems entwickeln die Wissenschaftler einen virtuellen Leitstand, in dem das Lager als 3D-Modell angezeigt wird. Damit können die fahrerlosen Transportfahrzeuge in Zukunft angezeigt und gesteuert werden. Der strukturierte Datenaustausch zwischen diesem Leitstand, den autonomen Fahrzeugen und Drittsystemen gilt als weiterer Forschungsschwerpunkt und bildet die Zentrale Steuerungsintelligenz. Auch sogenannte AR-Brillen oder -Smartphones, die der Entlastung des Kommissionierers bei der Wegefindung und Artikelentnahme dienen sollen, werden mit Blick auf eine sichere Mensch-Roboter-Kooperation im Lager der Zukunft geprüft.

Durch dieses mit rund 1,5 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt wollen die Forscher vor allem bereits bestehende Versand- und Produktionslogistikzentren von Mittelständlern unterstützen und industrietaugliche Lösungen anbieten. 2019 sollen die Ergebnisse in die industrielle Anwendung überführt werden.

Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier.

Diana Ruder
14.10.2016

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