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Ein gut vernetzter Stratege

Hauke Christian Öynhausen tauchte in Chemnitz ins Investmentbanking ein - Heute ist er Leiter Konzern-Strategie der Deutschen Leasing

  • Dr. Hauke Öynhausen zu Besuch im Atelier von Lucas Fastabend in Frankfurt am Main. Foto: Deutsche Leasing

Auf „Crowd-Intelligenz“ setzte Hauke Öynhausen schon lange, bevor der Begriff aufkam: Im Studium nutzte er, seinen vielseitigen Interessen folgend, gezielt die verschiedensten Wissens- und Erfahrungsquellen und schrieb seine Doktorarbeit über kollektive Intelligenz. Ein optimaler Ausgangspunkt auf dem Weg zu seiner heutigen Position, die einen breit gefächerten Horizont erfordert.

Auf den ersten Blick suchte sich Hauke Christian Öynhausen für sein Betriebswirtschaftsstudium mit Banking-Schwerpunkt einen eher ungewöhnlichen Studienort aus: die Technische Universität Chemnitz. Tatsächlich war es eine wohlüberlegte Wahl. So entschied sich der damals 23-Jährige 2002 „ganz bewusst“, nicht in der Nähe seiner Heimatstadt Dissen am Teutoburger Wald zu studieren, und damit gegen die Uni Münster mit ihrer etablierten wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Dazu kam der Wunsch, die Studiengänge Investmentbanking und Marketing zu kombinieren. „Investmentbanking fand ich wegen des Themas Börse sehr spannend“, sagt Öynhausen. Kein Wunder, hatte er doch zuvor äußerst turbulente Zeiten an den Aktienmärkten – Stichwort: Internet-Hype und Dotcom-Crash – miterlebt, während er seine Bankausbildung bei der Kreissparkasse Halle in Westfalen absolvierte. Sein Interesse an Kommunikation und Marketing entwickelte sich daraus, dass er zwischen 17 und Mitte 20 nebenher eifrig Artikel für das lokale Anzeigenblatt „Teuto Express“ schrieb.

Letztlich blieben drei Studienangebote übrig. „Die TU Chemnitz hat mich am meisten überzeugt, nicht nur mit dem neu aufgebauten Studiengang Investmentbanking, sondern auch weil die übrigen Rahmenbedingungen stimmten.“ Die Stadt am Fuße des Erzgebirges hat übrigens auch kulturell einiges zu bieten: So befindet sich im Stadtteil Kaßberg eines der größten und am besten erhaltenen Gründerzeit- und Jugendstilviertel Europas – mit vielen gemütlichen Kneipen und guten Restaurants. „Und wer sich für bildende Kunst interessiert, findet in Chemnitz als Highlight eine der größten Sammlungen des deutschen Expressionismus“, schwärmt Öynhausen.

Neben dem Studium fand er zudem noch Zeit, sich auf vielfältige Weise zu engagieren. So war er noch bis 2006 im Rat der Stadt Dissen aktiv. Als Kollegiat der Eberle-Butschkau-Stiftung (EBuSti) blieb er weiter in engem Kontakt mit der Sparkassenorganisation. Das Kolleg fördert und betreut besonders qualifizierte ehemalige Auszubildende der Sparkassen-Finanzgruppe, die an einer Hochschule wirtschaftsnahe Fächer studieren. Drei Jahre lang war Öynhausen Förderkreissprecher für Sachsen. Die EBuSti hat er nicht nur als wertvolles Unterstützungs- und Kontaktnetzwerk erlebt, sondern dabei auch „die Sparkassen-Werte erst richtig schätzen gelernt“. Nicht zuletzt sind aus den gemeinsamen EBuSti-Aktivitäten „dauerhafte Freundschaften entstanden“. Der „EBuSti-Crowd“ ist er bis heute als Mitglied, Vorstand und Mentor im Alumni-Verein verbunden. Gern erinnert sich Öynhausen auch an die Praktika, die er während des Studiums absolviert hat. Vielseitige, spannende Einblicke boten sich da: von der Finanz- und Börsenwelt bis zur Industrie, von der Unternehmenskommunikation bis zum Marketing – immer wieder eine andere Perspektive und damit ein guter Nährboden für einen Strategen in spe.

Gleich nach dem dritten Semester startete Öynhausen eine Initiativbewerbung beim renommierten Privatbankhaus Metzler in Frankfurt – zwei Monate schnupperte er dort in die Unternehmenskommunikation hinein. Im Sommer darauf ging es auf die andere Seite, in die Finanzredaktion der „Financial Times Deutschland“. „Höhepunkt war der Freitag, wenn wir für den Börsenausblick am Montag mit Analysten in London und New York telefonierten.“

Insgesamt fünf Monate assistierte er 2005 dem Pressesprecher des Finanzvorstands der Volkswagen AG. Für die Finanzkommunikation waren es wegen der Betriebsratsaffäre, die zu der Zeit ans Licht kam, und des Einstiegs von Porsche – damals mit 20 Prozent – aufregende Zeiten. Auch das letzte Praktikum verbrachte Öynhausen beim Wolfsburger Autokonzern, allerdings rund 7.500 Kilometer entfernt in Peking, bei der Volkswagen Finance (China) Co. in der Vertriebs- und Marketingabteilung. Das war mein erster beruflicher Kontakt mit Leasing.“

Dabei blieb es auch vorerst. In seiner Diplomarbeit beschäftigte er sich mit einem sparkassenpolitischen Thema, und nach dem Studium heuerte er 2007 bei der DekaBank, dem Wertpapierhaus der Sparkassen-Finanzgruppe, an. Als Referent im Vorstandsstab arbeitete er an der Schnittstelle zwischen Börsen- und Sparkassenwelt. Sprich: Er kümmerte sich vor allem um die „Verbundkommunikation“ mit Sparkassenvorständen und -verbänden, den Anteilseignern und Gremien. Zur besonderen Herausforderung wurde dabei die Finanzkrise, die nach der Lehman-Pleite im September 2008 mit voller Wucht ausbrach. „Da mussten wir intensive Überzeugungsarbeit leisten, um gegenzusteuern.“

Auf Öynhausen wartete indes schon eine neue Aufgabe abseits vom aktuellen Krisenszenario – nämlich ab 2009 als Teil des Strategieteams der DekaBank das geschäftspolitische Fundament für eine erfolgreiche Zukunft entscheidend mitzugestalten. Neben seiner Rolle als strategischer Berater und Impulsgeber des Konzernvorstands und der Geschäftsfeld-Verantwortlichen wirkte er zudem an verschiedenen M&A-Transaktionen (Mergers & Acquisitions) mit, wie etwa der vollständigen Übernahme der DekaBank durch die Sparkassen oder dem Erwerb von Tochtergesellschaften der Landesbanken.

„70 Prozent der Arbeitszeit“ in seinen letzten beiden Deka-Jahren widmete der Bankstratege Öynhausen einem „sehr spannenden Thema“. Als Projektleiter war er für die Einführung der gesetzlich geforderten Sanierungsplanung zur Erhöhung der Bankstabilität verantwortlich. Dafür sind realistische Belastungsszenarien zu entwickeln, die ein Institut in existenzielle Schwierigkeiten treiben – aus denen es sich aus eigener Kraft retten muss. Für jedes der sechs Szenarien – externer Schock, institutsspezifisches Risiko oder Kombination von beiden, jeweils mit schnellem und langsamem Verlauf – werden Maßnahmen defi niert, deren Durchführung simuliert und die Auswirkungen analysiert. „So kann man erkennen, wo noch Verbesserungsbedarf besteht“, erklärt Öynhausen. „Der ganzheitliche Ansatz erfordert, viele Leute in der Bank einzubeziehen – und daher vom Sinn und Nutzen der Übung zu überzeugen.“ Auch hier ist ein breit gefächertes „Crowd-Wissen“ gefragt.

Die Nutzung kollektiver Ressourcen, zu denen eine größere Zahl von Menschen ihre individuell unterschiedlichen Beiträge leistet (Stichwort: „Crowdsourcing“) ist ein Thema, das Öynhausen seit Längerem begleitet. Zum einen in der Praxis als privater Investor, der sich über eine Crowdfunding-Plattform an der Schwarmfinanzierung mehrerer Start-ups beteiligt hat. Zum anderen während seiner berufsbegleitenden Promotion zum Doktor der Wirtschaftswissenschaften (Dr. rer. pol.) an der Universität Witten/Herdecke: In seiner Dissertation hat er ein Modell entwickelt und empirisch getestet, mit dem sich kollektive Intelligenz unter bestimmten Voraussetzungen für die Optimierung von Anlageentscheidungen am Kapitalmarkt nutzen lässt.

Interessante Anwendungsmöglichkeiten der Crowd-Intelligenz sieht Öynhausen auch in der neuen Position, die er seit Juli 2015 innehat: Leiter Konzern-Strategie der Deutschen Leasing. Hauptaufgabe der neu eingerichteten Abteilung ist es, sich systematisch mit strategischen Fragen auseinanderzusetzen und dabei die zunehmenden aufsichtsrechtlichen Anforderungen – etwa bei der Einführung neuartiger Produkte – konsequent zu berücksichtigen. Zum Aufgabenbereich des Strategieteams gehören außerdem Markt- und Wettbewerbsanalysen sowie das Qualitätsmanagement, insbesondere Mitarbeiter- und Kundenbefragungen. „Gerade hier kann der Crowdsourcing-Ansatz wertvolle Impulse für unser Geschäft liefern, insbesondere, wenn es um die Entwicklung neuer Produkte und Service sowie interner Prozessverbesserungen geht“, sagt Öynhausen. „Zugleich kann die von den Teilnehmern wahrgenommene Wertschätzung ihre Identifikation mit dem Unternehmen stärken.“

Eine große strategische Herausforderung, die es im Blick zu behalten gilt, heißt „Digitale Transformation“: Wie werden sich zum Beispiel die industriellen Wertschöpfungsprozesse durch die allseits intelligent vernetzte Produktion der Zukunft (Stichwort: „Industrie 4.0“) verändern, und welche Konsequenzen hat das für das Leasinggeschäft mit Investitionsgütern? Wie gefährlich können hier Herausforderer werden, die mit neuartigen Lösungen auf der Basis moderner Informationstechnologien gegen die etablierten Finanzinstitute antreten (Stichwort: „Fintechs“), wie soll die Deutsche Leasing darauf reagieren? Und wie kann sie selbst die digitalen Möglichkeiten strategisch nutzen (Stichwort:Big Data)? Über Crowdsourcing lassen sich Lösungen finden.

Als Gegenpol zum anspruchsvollen Berufsprogramm pflegt Hauke Christian Öynhausen nach wie vor sein Faible für bildende Kunst – auf Kultur- und Städtereisen, als Sammler und als ehrenamtlicher Botschafter des Fördervereins des Frankfurter Städel Museums. Entspannung findet er aber auch in der Natur beim Joggen und Wandern.

(Quelle: Wissensmagazin spectrum, Deutsche Leasing Gruppe)

Mario Steinebach
17.06.2016

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