Springe zum Hauptinhalt
Pressestelle und Crossmedia-Redaktion
TUCaktuell
Pressestelle und Crossmedia-Redaktion 
TUCaktuell Forschung

Oberflächenfunktionalisierung von Kunststoffbauteilen

Wissenschaftler der Professur Kunststoffe der TU Chemnitz präsentieren vom 25. bis 29. April 2016 auf der Hannover Messe prozessintegrierte Funktionalisierung von Kunststoffbauteilen beim Spritzgießen

Die Professur Kunststoffe der Technischen Universität Chemnitz unter Leitung von Prof. Dr. Michael Gehde stellt ab dem 25. April 2016 auf der Hannover Messe auf dem Gemeinschaftsstand „Forschung für die Zukunft“ (Halle 02, Stand 38) neue Erkenntnisse aus dem Bereich der Kunststofftechnik vor. Der Fokus liegt auf der prozessintegrierten Funktionalisierung von Kunststoffbauteilen während des Spritzgießens. Grundlage ist die durch die Professur Kunststoffe patentierte In-Mold Printing-Technologie.

3D-MID-Bauteile (3D Molded Interconnect Devices) sind spritzgegossene dreidimensionale Schaltungsträger, die durch eine Kombination von komplexen elektrischen Leiterstrukturen und zahlreichen technischen Funktionen, ein hohes Integrations- und Miniaturisierungspotenzial im Bauteil gegenüber konventionellen Baugruppen mit Leiterplatten aufweisen. Es können dadurch erhebliche Verbesserungen der Funktionalität, Sicherheit, Zuverlässigkeit sowie Energieeffizienz erreicht werden. Aufgrund der generellen Tendenz zur Miniaturisierung in elektronischen Bauteilen wird die 3D-MID-Technologie in Zukunft noch deutlich mehr an Bedeutung gewinnen.

Die konventionelle MID-Herstellung kann nach verschiedenen Verfahrensvarianten erfolgen, zeichnet sich jedoch durch mehrteilige Fertigungsschritte sowie hohe Anforderungen an Handling und Logistik aus. Die hohen Material- und Fertigungskosten, die aus den aufwendigen und kostenintensiven Prozessen zur Vorbereitung der Oberflächen für das anschließende nachträgliche Metallisieren von Leiterbahnen resultieren, wirken sich nachteilig auf den Prozess aus.

Neben den herkömmlichen MID Herstellungsverfahren gewinnen gegenwärtig alternative Herstellungsmethoden an Bedeutung. An der Professur Kunststoffe wurde mit dem patentierten In-Mold Printing ein neuartiges Sonderspritzgießverfahren entwickelt. Diese Technologie ermöglicht es, Kunststoffformteile in einem Herstellungsschritt urzuformen und zu funktionalisieren. Der Spritzgießzyklus wird somit um diesen Funktionalisierungsschritt erweitert. Nachdem ein gefertigtes Bauteil aus dem Werkzeug entnommen wurde, wird die Werkzeugkavität entsprechend des gewünschten Druckbildes mit einem funktionellen Lack spiegelverkehrt bedruckt. Dieses Druckbild wird im Folgenden von der eintretenden Kunststoffschmelze überströmt und überträgt sich auf das Kunststoffsubstrat. Das In-Mold-Printing von 3-D MID wurde für leitfähige modifizierte Druckfarben und polare Kunststoffe, wie zum Beispiel Polycarbonat und Polyamid getestet. Die Funktionalität der auf diese Art und Weise erzeugten funktionellen Schichten wird anhand eines Demonstrators auf der Hannover Messe präsentiert.

Die während des In-Mold Printing-Prozesses entstehenden Oberflächen lassen eine präzise und dauerhafte Abbildung feiner Druckmotive auf dem Kunststoffbauteil zu. Die integrierte Oberflächenfunktionalisierung des In-Mold Printing-Prozesses eröffnet eine Vielzahl neuer bzw. durch den Einbau in bestehende Systeme erweiterbare Anwendungsgebiete. So können beispielsweise durch den Einsatz eines speziellen Farbsystems mit einstellbaren physikalischen und chemischen Eigenschaften Kunststoffbauteile mit hochwertigen funktionellen Markierungen (Kodierungen, Leitpads, Leiterbahnen, Widerstandselemente etc.) versehen werden. Damit wäre zum Beispiel eine lückenlose Nachverfolgbarkeit der Lieferkette möglich. Der In-Mold Printing-Prozess führt somit zu einer Verkürzung der Prozesskette und besitzt außerordentliches wirtschaftliches Potential.

Kontakt: Prof. Dr. Michael Gehde, Telefon 0371 531-23130, E-Mail kunststoffe@mb.tu-chemnitz.de

(Autoren: Agnieszka Kalinowska und Eric Brückner)

Mario Steinebach
20.04.2016

Mehr Artikel zu:

Alle „TUCaktuell“-Meldungen
Hinweis: Die TU Chemnitz ist in vielen Medien präsent. Einen Eindruck, wie diese über die Universität berichten, gibt der Medienspiegel.

  • Werbedisplay zur Online-Befragung

    TUCpanel 2026 ist gestartet!

    Vom 27. April bis zum 8. Mai 2026 haben Studierende der TU Chemnitz die Möglichkeit, ihre Studienbedingungen im Rahmen einer universitätsweiten Online-Befragung aktiv mitzugestalten …

  • BildbeschDrei Mädchen stehen in einer Reihe vor einem Experiment

    Technik erleben: Girls’Day 2026 an der TU Chemnitz

    Großes Interesse an MINT-Angeboten – Schülerinnen sammelten beim diesjährigen Girls´Day praxisnahe Erfahrungen in Technik und Wissenschaft …

  • Porträt einer Frau

    Im Fokus: Bedroh­liche Veränderungen der politischen Kultur

    Prof. Dr. Susanne Rippl vom Arbeitsbereich Politische Soziologie der TU Chemnitz ist Co-Autorin eines Buches, das aufzeigt, wie rechte Narrative die Demokratie unterwandern …

  • Porträt eines Mannes

    Schichtungen im Moment des Hörens

    Konzertsymposium „Schichtungen: Chemnitz, Berlin, Wien. In memoriam Peter Ablinger“ bringt vom 21. bis zum 22. Mai 2026 internationale Komponisten und Interpreten, Installationen, Konzeptkunst und wissenschaftliche Perspektiven an die TU Chemnitz und in die Kunstsammlungen Chemnitz …