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Wenn alle Stricke reißen

Am Institut für Fördertechnik und Kunststoffe wurde ein archäologisches Experiment durchgeführt, dessen Ergebnisse nun in einer Sonderausstellung im smac ausgestellt werden

  • Besucher der Sonderausstellung „SALZ BERG WERK“ im smac können die Rekonstruktion des Lindenbastseils in einem eigens dafür produzierten Kurzfilm verfolgen. Foto: smac/Michael Schmidt

Als 1992 im Salzberg von Hallstatt in Österreich ein über 3.000 Jahre altes Seil aus Lindenbast entdeckt wurde, gab dies Archäologen gleich mehrere Rätsel auf. Sie vermuten, dass das vier Zentimeter dicke Seil, das aus drei Strängen zusammengedreht wurde, die zentrale Fördereinheit des Bergbaus der Bronzezeit ausmachte. Nun stellt sich den Wissenschaftlern nicht nur die Frage nach den Eigenschaften des Seils, sondern auch nach der Haltbarkeit und den Wegen der Herstellung. Um mehr fundierte Erkenntnisse zu gewinnen, wurde am Institut für Fördertechnik und Kunststoffe der Technischen Universität Chemnitz mit Hilfe professioneller Prüfgeräte ein archäologisches Experiment durchgeführt. Zu diesem Zweck fertigte im Frühjahr 2015 ein vierköpfiges Team aus Hallstatt über zehn Stunden eine originalgetreue Rekonstruktion des Lindenbastseils an. An der TU sollte dieses neun Meter lange Seil nun unter denselben Bedingungen wie moderne Förderseile getestet werden.

Zunächst wurden drei Seilstücke in drei Durchläufen in die Prüfmaschine eingespannt und im einfachen Zugversuch getestet. Riss der erste Strang bei über 600 Kilogramm Belastung, hielt der zweite Strang ungefähr 860 Kilogramm stand. Das dritte Seilstück brach bei rund 500 Kilogramm. Das lässt, obwohl der Durchmesser leicht geringer als der des Originals ausfiel, auf eine hohe Festigkeit des Förderseils schließen. Nachfolgend sollte das Verhalten eines dünneren Seils unter dynamischer Belastung beschrieben werden. Dafür wurde das Seil in eine Wechselbiegemaschine mit einer voreingestellten Belastung von 500 Newton eingespannt. Bei einer Taktung von sechs Zyklen pro Minute lenkte die Maschine das Seil mehrmals auf einer 15 Zentimeter dicken Scheibe vor und zurück. Der Hub betrug dabei 500 Millimeter. Die Temperatur an der Biegestelle blieb konstant bei 20 bis 21 Grad Celsius. Lag der Durchmesser des unbelasteten Seils zunächst bei circa 15 Millimetern, verringerte er sich an der Biegestelle auf circa 10 Millimeter. Das gebogene Seil brach dann bei 2.000 Newton. Dabei wurde der Biegeversuch bei 70.000 Zyklen gestoppt. Das ungebogene Seil hielt im Zugversuch 2.700 Newton stand. Vergleicht man diese Ergebnisse mit einem Aramid-Seil mit einem Durchmesser von 2,5 Millimetern, das an der Stiftungsprofessur Technische Textilien – Textile Maschinenelemente regulär getestet wurde, bricht dieses bei 5540 Newton. Das Experiment machte so am Schluss deutlich, dass Bastseile durchaus für die Verwendung über Rollen und mit Haspeln geeignet sind. Den Tests zufolge sind sie einer Dauerbelastung bis zu 850 Kilogramm gewachsen und liefern damit einen Beweis für den hochspezialisierten Bergbau im Bronzezeitalter.

Noch bis Anfang Januar 2016 wird eines der rekonstruierten Lindenbastseile im Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz in der Sonderausstellung „SALZ BERG WERK“ zu sehen sein. An einer Schautafel können sich interessierte Besucher über die Prüfergebnisse näher informieren. Daneben gibt es weitere Fundstücke aus dem ältesten Salzbergwerk der Welt in Hallstatt zu besichtigen. Insgesamt sind 250 Objekte des frühen Salzbergbaus aus der Sammlung des Naturhistorischen Museums Wien ausgestellt.

(Autor: Andy Schäfer)

Katharina Thehos
23.07.2015

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