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Wirtschaftswissenschaftler nehmen Forschungslücke in Angriff

Forscher der Professur für Organisation und Arbeitswissenschaften und der Juniorprofessur Europäisches Management untersuchen die Partizipation in Genossenschaften

  • Im Projektteam arbeiten neben Jun.-Prof. Ronald Hartz (l.) und Dr. Irma Rybnikova (2.v.l.) auch Dr. Melanie Hühn und Markus Tümpel. Foto: Sebastian Muckelbauer

Allein in Deutschland können Genossenschaften mehr als 20 Millionen Mitglieder verzeichnen und die Vereinten Nationen riefen 2012 das Jahr der Genossenschaften aus. Doch blickt man auf den Stand der Forschung rund um Genossenschaften, so hat sich dort in den vergangenen drei Jahrzehnten wenig getan. Zwei Wirtschaftswissenschaftler der TU Chemnitz wollen mit einem großangelegten Vorhaben damit beginnen, diese Lücke zu schließen.

Die Idee für das qualitative Projekt hatte Dr. Irma Rybnikova von der Professur für Organisation und Arbeitswissenschaften auf einer Konferenz in Tübingen im Juli 2012. Das Thema berührt die gebürtige Litauerin schon seit frühester Kindheit: „Bereits mein Vater war in einer Kolchose engagiert.“ Schnell konnte sie Jun.-Prof. Dr. Ronald Hartz von der Juniorprofessur Europäisches Management für den Plan begeistern und die beiden erarbeiteten eine erste Projektskizze. Nun, fast genau zwei Jahre später, konnten sie die Anwesenden zum feierlichen Auftakt des Forschungsprojekts „Partizipationspraktiken in Genossenschaften – Eine Untersuchung des normativen Anspruchs und der Alltagsrealität“ im Weinhold-Bau der TU Chemnitz begrüßen. Laut Rybnikova war es bis dahin ein langer Weg, doch sei es letztlich gelungen, mit der Hans Böckler Stiftung einen starken Partner und Förderer mit ins Boot zu holen. Die Stiftung wirbt auf ihrer Homepage für „Mitbestimmung als Gestaltungsprinzip einer demokratischen Gesellschaft“ und hat daher von Natur aus großes Interesse an den Ergebnissen der Arbeit.

Aus Sicht der beiden Projektleiter herrscht ein großer Bedarf an aktuellen, qualitativ ausgerichteten empirischen Studien. Auch beziehe sich die Genossenschaftsforschung oftmals auf deterministische Theoriekonzepte, die der Pluralität der Genossenschaftslandschaft nur bedingt gerecht werden. Deshalb schließen es Irma Rybnikova und Ronald Hartz auch nicht aus, auf Basis der gewonnenen Ergebnisse eine generalisierungsfähige Theorie entwickeln zu können, die eine Alternative zu klassischen Konzepten bietet. Kern des Projektes sei es aber, die aktuell vorhandenen Partizipationspraktiken in Genossenschaften in ihrer Breite und Vielfalt herauszustellen sowie zu eruieren, inwiefern das Ideal der partizipativen Demokratie in der Realität sinnstiftend sei. Das Projekt ist auf 30 Monate ausgelegt und schlüsselt sich in drei Phasen auf: Nach einer mehrmonatigen Literaturstudie werden in Fallstudien deutschlandweit Daten gesammelt und im Anschluss umfassend analysiert. Dazu werden die Wissenschaftler in zwölf Fallstudien auf Basis von problemzentrierten Interviews, teilnehmenden Beobachtungen und Diskursanalysen Partizipationspraktiken in genossenschaftlichen Organisationen umfassend rekonstruieren und reflektieren. Hierbei blicken sie in unterschiedlich große Genossenschaften aus verschiedenen Branchen. Unter anderem sind Kooperationspartner aus der Energie- und Agrarbranche vorgesehen.

Unterstützt werden sie dabei von weiteren Wissenschaftlern: Die Leipzigerin Dr. Melanie Hühn promovierte im Graduiertenkolleg "Transnationale Räume" an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) und arbeitet derzeit als Veranstaltungskoordinatorin bei den Cammerspielen in Leipzig. Markus Tümpel studierte bis 2008 Europa-Studien in Chemnitz und unterrichtete bislang qualitative Forschungsmethoden und Interviewführung an der TU. Er freue sich besonders darauf, die Theorie, die er gelehrt hat, jetzt in die Praxis umsetzen zu können.

Weitere Informationen erteilen Irma Rybnikova, Telefon 0371 531-37598, E-Mail irma.rybnikova@wirtschaft.tu-chemnitz.de und Ronald Hartz, Telefon 0371 531-36677, E-Mail ronald.hartz@wirtschaft.tu-chemnitz.de.

(Autor: Sebastian Muckelbauer)

Katharina Thehos
25.07.2014

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