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50 Jahre Universitätsorchester Collegium musicum

Mehrere Konzerte im Jubiläumsjahr 2014 - Großes Orchestertreffen im Juni - Rückblick auf bewegte Geschichte des Klangkörpers

Das Collegium musicum der Technischen Universität Chemnitz e.V. begeht 2014 sein 50-jähriges Bestehen. Zu den Feierlichkeiten am letzten Juni-Wochenende sind insbesondere auch alle ehemaligen Mitspieler eingeladen. Am Samstag, dem 28. Juni, wird im Veranstaltungszentrum "Altes Heizhaus" im Innenhof der TU Chemnitz, Straße der Nationen 62, ein Tagesprogramm stattfinden und die Gelegenheit bieten, Erinnerungen aufzufrischen sowie sich einen Überblick über die Entwicklung der TU und vor allem des Universitätsorchesters zu verschaffen.

Für viele dürfte die Begegnung mit dem Orchesterleiter Michael Scheitzbach reizvoll sein. In einer gemeinsamen Probe am Nachmittag des 28. Juni können sich alle interessierten Gäste von den musikalischen Vorstellungen und vom mitreißenden Temperament des Dirigenten ein eigenes Bild machen. Es wird das Finale "Carillon" aus der L´Arlesienne-Suite Nr. 1 von Georges Bizet vorbereitet, das im Rahmen einer Matinee am Sonntag, dem 29. Juni, um 11 Uhr in der Schloßkirche Chemnitz gemeinsam mit ehemaligen Mitgliedern des Collegium musicum aufgeführt wird.

Neben diesen Festkonzerten wird der Orchesterleiter Michael Scheitzbach bereits am 17. Mai um 17 Uhr ein Konzert mit seinem Saxonia Piano Trio im Schloßbergmuseum geben, zu dem die Mitglieder des Collegium musicum sowie alle Interessenten als Zuhörer eingeladen sind. Einer guten Tradition folgend findet auch im Hörsaalgebäude der TU an der Reichenhainer Straße ein Konzert statt. Konkret am 15. November um 17 Uhr.

Ein starker Verein benötigt engagierte Mitglieder

Seit fast fünf Jahren ist das Collegium musicum ein eingetragener Verein, der jedoch über einen Kooperationsvertrag mit der Technischen Universität weiterhin eng verbunden ist und im "Alten Heizhaus" mittwochs seine wöchentlichen Proben durchführt. Die Gründung eines e.V. wurde von der Gesellschaft der Freunde der TU Chemnitz e.V. initiiert und traf sich mit dem Wunsch vieler Orchestermitglieder nach einer organisatorischen Neuorientierung sowie nach einer stärkeren Zuwendung zur Aufführung sinfonischer Werke.
Voraussetzung dafür war jedoch die Bereitschaft mehrerer aktiver Mitglieder, die aufwändigen Aufgaben einer Vereinsführung zu übernehmen. Die Bildung des Vereins Ende 2009 ging mit der Trennung vom Orchesterleiter Peter Krone einher, der bis dahin über 30 Jahre lang in den Diensten der TU Chemnitz stand und das Orchester zu vielen Erfolgen führte. Zu Beginn des Jahres 2010 wurde die Stelle des Orchesterleiters vom Verein öffentlich ausgeschrieben, danach fanden Probedirigate mit fünf Kandidaten statt, welche von den Orchestermitgliedern in geheimer Wahl bewertet wurden. Die klaren Favoriten waren David Marlow und Michael Scheitzbach. Ein Auftritt wurde von David Marlow geleitet, bevor dieser Chemnitz in Richtung Köln wegen eines neuen Engagements verließ. Seit dem 28. April 2010 ist nunmehr Michael Scheitzbach der Orchesterleiter des Collegium musicum.

Nach der Vereinsgründung wurde zunächst intensive Mitgliederwerbung betrieben, was zu einem deutlichen Anstieg der Mitgliederzahlen führte. Vor allem Studierende fanden den Weg zum Orchester. Da Michael Scheitzbach ein anspruchsvoller Kammermusik-Profi ist, wurden die Konzertprogramme in den letzten Jahren sehr akribisch erarbeitet. Das brachte den Mitspielern das Verständnis für hochwertige Interpretationen näher und trug zur Verbesserung grundlegender instrumentaler Fertigkeiten bei. Die Gewinnung neuer Mitglieder ist schwierig, da Chemnitz im Gegensatz zu anderen sächsischen Metropolen wie Dresden, Leipzig oder Zwickau keine höhere Musikausbildung besitzt. Zusätzlich lässt die Umstellung der Ausbildung auf das Bachelor-Studium den Studierenden weniger Freiheiten für ein "Studium generale". Aber das Orchester ist offen für alle Interessenten aus Stadt und Region und hofft nach wie vor auf interessierte Streicher und Bläser, die nach dem Ausscheiden aus der Musikschule oder einer gewissen Zeit der Abstinenz vom Instrumentenspiel Lust haben, gemeinsam mit Musikern aller Altersklassen die Schönheiten des Orchesterspiels zu erkunden und dafür auch einen Teil ihrer Freizeit zu nutzen.

Die intensive Arbeit des Orchesterleiters beginnt Früchte zu tragen, so dass die jüngsten Konzerte immer sehr positive Resonanz fanden. Mittlerweile hat sich das Festkonzert Mitte November im Hörsaalgebäude der TU an der Reichenhainer Straße als eine eigene Konzertreihe etabliert. So findet auch 2014 das Jubiläumskonzert am 15. November dort statt. Kurz zuvor ist eine Wochenendschulung vorgesehen, die nicht nur neuen Mitspielern eine günstige Einstiegsmöglichkeit bietet, sondern auch dem "letzten Schliff" an den aufzuführenden Werken dient. Seit der Vereinsgründung findet diese Schulung wieder jährlich statt, meistens in der Jugendherberge Hormersdorf. Diese Orchesterschulungen waren bis 2001 bereits eine wichtige Grundlage der künstlerischen Entwicklung und Erfolge des Collegium musicum. Auch gelegentliche Proben auf dem Bauernhof des Orchesterleiters mit anschließender Grillparty oder im Garten anderer Orchestermitglieder fördern den Zusammenhalt zwischen den Mitgliedern.

Neben der Orchesterarbeit gibt es einige kleinere Gruppen, die sich beispielsweise als Streich-Quartett, Bläser-Quintett oder Cello-Instrumentalgruppe individuell zu Proben, Auftritten oder auch einfach nur zu Hause treffen. Der Vorstand des Vereins versucht - wie ehrenamtliche Mitbürger in anderen Vereinen - mit viel Engagement die unterschiedlichen Wünsche der Mitglieder zu "vereinen" und neben der Erfüllung der Orchesterverpflichtungen ein interessantes Vereinsleben zu organisieren. Die größte Herausforderung für das Orchester heißt zur Zeit, den Spagat zwischen Kammermusik und sinfonischer Musik zu meistern, der allen Mitgliedern die Möglichkeit gibt, ihre vorhandenen Fähigkeiten optimal in das musikalische Gesamtgefüge einzubringen.

Zeitreise in 40 Jahre Orchestergeschichte

1960 trafen sich die Assistenten der Technischen Hochschule Karl-Marx-Stadt Wolfgang Börner (Violine) und Ernst Eberhardt (Klavier) zum gelegentlichen Musizieren. Daraus entwickelte sich eine kleine Musiziergruppe aus fünf TH-Mitarbeitern, welche als "Keimzelle" des heutigen Orchesters betrachtet werden kann. Von Anfang an war das Wirken des Orchesters eng mit der TH/TU Chemnitz (früher Karl-Marx-Stadt) verbunden. Festveranstaltungen, Immatrikulationsfeiern, Verabschiedung von Studenten, Investituren neuer Rektoren und Ehrendoktorverleihungen gehörten dazu. Bemerkenswert waren auch die fünf Konzertfahrten für an klassischer Musik interessierte Mitarbeiter der TH und deren Angehörige, welche die Konzerte des Collegium musicum an repräsentativen Orten in Sachsen erlebten. Später kamen die Auftritte im Chemnitzer Fraunhofer-Institut hinzu.

Auch zu Stadt und Region gab es enge Verbindungen durch Auftritte in der Chemnitzer Stadthalle, im Chemnitzer Rathaus, im Veranstaltungszentrum FORUM, im Hotel "Chemnitzer Hof", im Opernhaus sowie in den Lichtspieltheatern EUROPA und LUXOR. Viele Konzerte fanden im Hasensaal oder in der Schloßkirche auf Schloß Augustusburg statt. Eine besondere Ehre wurde dem Orchester 1985 mit einem außerordentlichen Konzert zur Städtepartnerschaft Karl-Marx-Stadt/Manchester im Stadtverordnetensaal des Karl-Marx-Städter Rathauses und zu mehreren Konzerten in der Chemnitzer Partnerstadt Düsseldorf zum Tag der Wiedervereinigung 1991 und 1992 zuteil.

Zu DDR-Zeiten waren die sogenannten Galeriekonzerte das Aushängeschild des Collegium musicum. Sie wurden 1971 vom ersten Orchesterleiter Rudolph Nestler ins Leben gerufen und ab 1977 von Peter Krone weiter entwickelt. Bei diesen Konzerten wurde die Aufführung musikalischer Werke durch die Vorstellung von Gemälden der Städtischen Kunstsammlungen und der Neuen Sächsischen Galerie bereichert. Zunächst in der Mensa der TU, im Pionierhaus oder in einer Chemnitzer Schul-Aula erklangen die Galeriekonzerte 1978 bis 1999 im "Kleinen Saal" der Stadthalle. Das 27. und letzte Galeriekonzert fand im Jahr 2000 in der Johanneskirche in Chemnitz-Reichenbrand statt.

Nach der Wende ab 1990 ergaben sich unter der Leitung von Peter Krone völlig neue Wirkungsmöglichkeiten in Deutschland und in Europa. Als Mitglied des Bundes Deutscher LiebhaberOrchester (BDLO) bereiste das Collegium musicum mehrere europäische Länder, nahm erfolgreich an nationalen und europäischen Orchestervergleichen und -treffen teil und reiste 2005 im Rahmen der EXPO 2005 nach Japan zu einer gemeinsamen Aufführung des Messias von Händel mit dem Seto-Messias-Chor, zuvor bereits 2003 in Chemnitz in der Schloßkirche gemeinsam aufgeführt.

Sehr schöne Erinnerungen haben die Mitglieder des Collegium musicum auch an die Reisen nach Paris, die vor allem der Aufführung von Werken für Chor und Orchester mit dem 1990 von Peter Krone gegründeten Motettenchor dienten und dessen Töchtern die Möglichkeit eröffneten, ihre Fähigkeiten als Sängerinnen unter Beweis zu stellen. Durch viele gemeinsame Auftritte mit dem Motettenchor und Profi-Sängern konnte das Orchester eine reiche Erfahrung bei der Aufführung von Oratorien, Messen und chorsinfonischen Werken sammeln, die unter anderem bei Benefizkonzerten in der Kreuzkirche in Dresden (2004-2007) zur Wirkung kam. Auf dieser Basis entwickelt sich in jüngster Vergangenheit eine neue Chance des Zusammenwirkens mit dem Universitätschor der TU Chemnitz unter dem Titel "Universitätsmusik", die so bisher nicht gegeben war.

In den 50 Jahren gab es viele Konzerte, in denen auch begabte Instrumentalisten des Orchesters als Solisten hervorgetreten sind. Die Oboisten des Collegium musicum seien hier an erster Stelle genannt, die seit vielen Jahrzehnten solistische Beiträge zu verschiedenen Anlässen leisten, wofür ihnen ein besonderer Dank gebührt. 25 orchestereigene Solisten konnten sich im Laufe der Jahre in Konzerten und Hausmusikabenden präsentieren. Aktuell setzen Konzertmeister und Orchesterleiter diese Serie mit dem Bach-Doppelkonzert fort.

Zum 25-jährigen Orchesterjubiläum, das genau zur politischen Wende Ende 1989 gefeiert wurde, begeisterte das Orchester mit einem bunten Programm, das teilweise von Peter Krone für diesen Anlass komponiert wurde. Vor zehn Jahren fand zum 40-jährigen Jubiläum ein Treffen mit den ehemaligen Mitgliedern statt. Dr. Wolfgang Börner, einer der Gründer, präsentierte eine mehrbändige Chronik, die er in monatelanger Arbeit angefertigt hatte. Seitdem haben sich mit der Vereinsgründung und dem neuen Dirigenten viele Dinge verändert. Das Zusammentreffen im Juni 2014 bietet somit viele Ansatzpunkte zur Erinnerung, zum Erfahrungsaustausch aber auch zur Suche nach neuen Möglichkeiten der Weiterentwicklung.

Die Gesamtentwicklung des Orchesters über 50 Jahre ist in einer kleinen Chronik auf der Web-Seite www.tu-chemnitz.de/tu/cm nachzulesen.

(Autor: Matthias Ehrig, 2. Vorsitzender des Collegium musicum der Technischen Universität Chemnitz e.V. )

Mario Steinebach
13.05.2014

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