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Glasmalereien des 12. und 13. Jahrhunderts in Reims und der Champagne

Professur Romanische Kulturwissenschaft lädt am 9. Januar 2014 gemeinsam mit den Kunstsammlungen Chemnitz ein zum Vortrag im Rahmen der Ausstellung "IMI KNOEBEL. Fenster für die Kathedrale von Reims"

Der Angriff der deutschen Artillerie auf die Stadt Reims 1914 führte zu schweren Beschädigungen der dortigen Kathedrale. Neben rund 2.300 Skulpturen wurde ein Großteil der mittelalterlichen Glasfenster unwiederbringlich vernichtet. Nach den Neugestaltungen der Querhausfenster durch Birgitte Simon (1961 und 1971-81) und der Axialkapellfenster durch Marc Chagall (1974) erhielt der deutsche Künstler Imi Knoebel 2008 durch das französische Ministerium für Kultur und Kommunikation den Auftrag, sechs Fenster für die nördliche und südliche Chorumgangskapelle der Kathedrale Notre-Dame von Reims anlässlich der 800-Jahr-Feier der Kathedrale im Jahr 2011 zu gestalten. Durch diesen von Frankreich gewollten künstlerischen Transfer wird die deutsch-französische Freundschaft nicht nur politisch bestärkt, sondern der Kathedrale erwächst mit den abstrakten Glasfenstern auch künstlerisch enorme gemeinsame Symbol- und Strahlkraft.

Um die europäische Dimension des Kulturtransfers durch das Gesamtkunstwerk der Kathedrale Notre-Dame von Reims über die Jahrhunderte nachzuvollziehen, zu analysieren und zu würdigen, haben die Kunstsammlungen Chemnitz in Kooperation mit der Professur Romanische Kulturwissenschaft der TU Chemnitz einen Vortragszyklus erarbeitet. Am Donnerstag, dem 9. Januar 2013, um 19.15 Uhr findet der zweite Vortrag in dieser Reihe statt: Prof. Dr. Brigitte Kurmann-Schwarz (Zürich) spricht zum Thema "Könige, Bischöfe und Äbte. Zu den Glasmalereien des 12. und 13. Jahrhunderts in Reims und der Champagne‘‘. Der Vortrag ist öffentlich; der Eintritt ist frei.

Die historische Region Champagne, die heute ungefähr den beiden Departementen Marne und Aube entspricht, ist eine derjenigen Gegenden Frankreichs, die am reichsten an alten Glasmalereien sind. Allein im Departement Aube mit der Préfecture Troyes gibt es über 200 Standorte von Glasmalereien des 12. bis 16. Jahrhunderts, das Departement Marne bewahrte immerhin noch über 60 Standorte. Zeitlich verteilen sich die Glasmalereien sehr ungleich, denn wie in keiner anderen Region Frankreichs blühte diese Kunst im 16. Jahrhundert. Die Werke der Frühen Neuzeit machen denn auch rund zwei Drittel der erhaltenen Glasmalereien aus. Im Fokus des Vortrages stehen jedoch die leuchtenden Bilder des Mittelalters: Die farbigen Fenster der Kathedrale von Reims, die im 12. Jahrhundert endgültig zur Krönungsstätte der französischen Könige wurde, und der Abtei Saint-Remi, wo die heilige Ampulle aufbewahrt wurde, deren Inhalt bei jeder Krönung eines französischen Königs zu dessen Salbung verwendet wurde. Beide Kirchen besaßen bis ins 18. Jahrhundert ihre vollständige Verglasung des Mittelalters, deren Inhalte von den Beziehungen zwischen Königen, Bischöfen und Äbten beherrscht wurde. Das Jahrhundert der Aufklärung, le siècle des Lumières, war den farbigen Verglasungen, welche die Innenräume in ein dämmriges Licht hüllten, nicht freundlich gesinnt. So stiftete der Kanoniker Jean Godinot in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts der Kathedrale eine Blankverglasung, welche die farbigen Fenster des ganzen Erdgeschosses ersetzte. Für die fragilen Kunstwerke war aber kein anderes Ereignis so einschneidend wie der Erste Weltkrieg. Viele der farbigen Glasbilder gingen endgültig unter, nur wenige konnten anhand der Fragmente und den erhaltenen Kartons aus dem lokalen Glasmaler-Atelier rekonstruiert werden. Die Werke, die diese Katastrophe überstanden, nehmen aufgrund ihres immer noch beträchtlichen Umfangs, ihrer künstlerischen Qualität und ihrer ausgefallenen Ikonographie einen besonderen Platz in der Geschichte der mittelalterlichen Glasmalerei Europas ein. Das Ensemble der Abteikirche Saint-Remi (1170-1200) steht in einem weiten Netz von künstlerischen Beziehungen, die bis Canterbury und Straßburg reichen. An den Glasmalereien der Kathedrale lässt sich der Übergang vom früh- zum hochgotischen Stil (1220-1240) ablesen, zudem wurde für die Metropole zu Baubeginn eine Verglasung geplant, die weiße Ornamentscheiben mit farbigen, figürlichen Kompositionen verbindet. Für die Architekten des ab 1211 neu errichteten Gotteshauses war daher die Modulation des Lichtes ein Thema, das sich sowohl auf die Ästhetik seines Innenraums als auch auf dessen geistliche Funktion auswirkte.

Die Referentin, Brigitte Kurmann-Schwarz, schloss 1984 ihre Dissertation an der Universität Bern ab zum Thema "Französische Glasmalereien um 1450. Ein Atelier in Bourges und Riom". 1997 folgte die Habilitation an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz über "Die Glasmalereien des 15.-18. Jahrhunderts im Berner Münster". Seit 1992 ist sie Mitarbeiterin am Vitrocentre Romont, Schweizerisches Forschungszentrum für Glasmalerei und Glaskunst. 2002 nahm sie die Lehrtätigkeit als Privatdozentin an der Universität Zürich auf, 2009 folgte die Ernennung zur Titularprofessorin am Kunsthistorischen Institut der Universität Zürich. Ihre Forschungsschwerpunkte sind unter anderem die Glasmalerei vom Mittelalter bis zur Gegenwart und ihr Zusammenhang mit den übrigen Bildkünsten, die Bedeutung und Wahrnehmung von Bildern in der Vergangenheit, Bilder als Medien und gotische Monumentalskulptur und Bildprogramme.

Weitere Informationen erteilen Anja Richter, Kunstsammlungen Chemnitz, Telefon 0371 488-4402, E-Mail anja.richter@stadt-chemnitz.de, und Ulrike Brummert, TU Chemnitz, Telefon 0371 531-34902, E-Mail ulrike.brummert@phil.tu-chemnitz.de.

(Quelle: Pressemitteilung der Kunstsammlungen Chemnitz)

Katharina Thehos
07.01.2014

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