Navigation

Springe zum Hauptinhalt
Pressestelle und Crossmedia-Redaktion
„Uni aktuell“-Meldungen
Uni aktuell Schüler

Was PT-PIESA mit der Berufswahl von Gymnasiasten zu tun hat

Sonderforschungsbereich führt Lehrer in die Welt der Technik und zeigt, warum es sich lohnt, wenn aus Schülern Ingenieure werden

  • Der Leiter der Berufsausbildung im Volkswagen Bildungsinstitut, Thomas Meinhold, führte die Gäste durch die Ausbildungswerkstätten. Foto: TU Chemnitz
  • Die Veranstaltung wurde auch vom Marketingleiter des Volkswagen Bildungsinstitutes Matthias Roth unterstützt, der den Gästen erläuterte, wie junge Menschen auf die sich ständig verändernde Arbeitswelt vorbereitet werden. Foto: Volkswagen Bildungsinstitut
  • Dr. Holger Naduschewski, der Geschäftsführer des Volkswagen Bildungsinstitutes, begrüßte die Gäste in seinem Haus und erläuterte die breit angelegte Strategie für die Aus- und Weiterbildung und ihre Bedeutung für die Region. Foto: Volkswagen Bildungsinstitut
  • Franziska Pürzel von der Professur Werkzeugmaschinen und Umformtechnik der TU gab den Lehrern aus dem André-Gymnasium interessante Einblicke in die Technik und überzeugte sie mit ihrer eigenen Begeisterung für den Maschinenbau. Foto: Fraunhofer IWU

Die Pisa-Studien sind in aller Munde, jeder weiß, dass es dabei um das Bildungsniveau der Kinder und Jugendlichen geht. Aber was ist PT-PIESA?

Der Bedarf an jungen Ingenieuren und zunehmend auch Facharbeitern wächst durch die demografische Entwicklung in Deutschland immer weiter. Die Wahl einer entsprechenden Berufsausbildung oder eines Technikstudiums bietet nicht nur interessante zukünftige Arbeitsmöglichkeiten, sondern auch gute Beschäftigungschancen, sowohl in produzierenden Unternehmen als auch in Forschungseinrichtungen. Selbst Lehrern, die in erster Linie durch ihren intensiven Umgang mit den Jungen und Mädchen deren Berufswünsche kennen und beeinflussen, ist das nicht immer richtig deutlich. Deshalb hat der Sonderforschungsbereich PT-PIESA gemeinsam mit der Professur Werkzeugmaschinen und Umformtechnik der Technischen Universität Chemnitz die Initiative ergriffen und eine Veranstaltung mit Gymnasiallehrern durchgeführt, um über den berühmten Aha-Effekt deren Vorstellungen von Arbeit in und für die Produktion positiver zu gestalten.

Eigentlich beschäftigen sich die in dem Sonderforschungsbereich zusammengeschlossenen Wissenschaftler aus Chemnitz, Dresden und Erlangen mit der Erforschung von Technologien für die Massenproduktion von aktiven Bauelementen, also Bauteilen, die durch enthaltene elektronische Elemente "intelligent" werden. Sie können ihre Eigenschaften auf eine konkrete Situation einstellen, zum Beispiel die Karosserie eines Autos im Fall eines drohenden Aufpralles in Sekundenbruchteilen gezielt versteifen. PT-PIESA ist die gebräuchliche Abkürzung für den eigentlich ziemlich langen Titel des Sonderforschungsbereiches, an dessen Spitze als Sprecher mit Prof. Dr. Reimund Neugebauer ein Chemnitzer Wissenschaftler steht.

Sonderforschungsbereiche, wie PT-PIESA, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert werden, haben neben ihrer Forschungsarbeit auch das Ziel, wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern. Weil Nachwuchsförderung in den Schulen beginnt, wurde die Idee geboren, Lehrer von dem breiten und interessanten Spektrum eines technischen Berufs, insbesondere im Maschinen- und Fahrzeugbau, zu überzeugen. Und weil das Erlebnis für die Lehrer möglichst vielfältig sein und einen nachhaltigen Effekt hinterlassen sollte, haben sich die Veranstalter neben der Technischen Universität Chemnitz zwei von den für Ausbildung einerseits und Beschäftigung andererseits wichtigsten Firmen in Sachsen mit ins Boot geholt: das Volkswagen Bildungsinstitut in Zwickau und natürlich das Fahrzeugwerk Zwickau der Volkswagen Sachsen GmbH in Mosel. So entstand das Konzept für die Durchführung des Sonderpädagogischen Tages, das beide Firmen hervorragend unterstützt haben.

Der Sonderpädagogische Tag fand am 30. August 2012 mit 80 Lehrern des Chemnitzer André-Gymnasiums statt. Das Programm startete in der Früh auf dem Campus in Chemnitz. Zum Auftakt fand Dr. Andreas Hirsch, geschäftsführender Oberingenieur der Professur Werkzeugmaschinen und Umformtechnik, eindringliche Worte zur Wertschöpfungssituation in Deutschland, die durch die demografische Entwicklung drohenden Gefahren und die Notwendigkeit für die Sicherstellung des Nachwuchses in den produktiven Bereichen. Dr. Thomas Hänel, Oberassistent an der Professur, gab einerseits einen Überblick über die Vielfalt an maschinenbautechnischen Hintergründen, die sich hinter beinahe allen Artikeln auch des täglichen Lebens verbergen, als auch die Möglichkeiten zum Studium an der TU Chemnitz. Auf besonderes Interesse der Lehrer stießen die Angebote für Schüler.

Franziska Pürzel, die die Gruppe Virtuelle Produktentwicklung der Professur leitet, demonstrierte, wie interessant und modern heute das Entwerfen von Maschinen, auch ganzen Fabrikeinrichtungen und sogar Gebäudekomplexen sein kann und wie die Technik es erlaubt, gefahrlos in den lebensgroßen Modellen herum zu "laufen" oder gar zu "fliegen". Sie entführte die Gäste in eine beeindruckende dreidimensionale Welt. Möglich war das, weil das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU, das selbst an PT-PIESA mitwirkt, den Hörsaal in seinem VR-Technikum für die Veranstaltung zur Verfügung gestellt hatte.

Ab Mittag wurde die Veranstaltung im Volkswagen Bildungsinstitut Zwickau fortgesetzt. Diese Einrichtung ist ein wichtiger Träger für die Aus- und Weiterbildung in der Region. Der Geschäftsführer Dr. Holger Naduschewski gab einen Überblick über die Möglichkeiten und für welche Berufe das Institut jungen Menschen die besten Voraussetzungen für die Ausbildung bietet. Und nicht zuletzt wurden die Vorteile, die das sogenannte duale Studium - das Studium im Praxisverbund "StiP" - bietet, dargestellt. Sowohl die Absolventen der normalen Berufsausbildung, die im großen Umfang für Volkswagen aber auch für die regionale mittelständische Wirtschaft erfolgt, als auch die des dualen Studiums haben hervorragende Chancen für eine Beschäftigung. Mit Matthias Roth, dem Leiter Vertrieb/Marketing, und Thomas Meinhold, dem Leiter Berufsausbildung, führten zwei exzellente Kenner der Materie die Gäste durch die gut ausgestatteten Ausbildungswerkstätten und Labore. Nicht zuletzt zeigten die vielfältigen Fragen das große Interesse der Lehrer.

Ein richtiger Höhepunkt des Sonderpädagogischen Tages war für die Teilnehmer dann der Besuch des Fahrzeugwerkes Zwickau von Volkswagen Sachsen. Eine echte Produktionsstätte zu erleben, wie sie heutzutage funktioniert, war für viele sicher die Abrundung des Aha-Erlebnisses. Da verschwand endlich aus manchen Köpfen das alte Bild einer lärmenden, dunklen Werkhalle mit ölverschmiertem Fußboden aus gar nicht so fernen Zeiten. Dass da gleichzeitig - natürlich unsichtbar für die Gäste - der neue Golf entstand, war für einige Autointeressierte der besondere Kick. Ermöglicht hatte den Besuch trotz der streng geheimen Produktionsvorbereitungen für das neue Auto der Sprecher der Geschäftsführung der Volkswagen Sachsen GmbH, Hans-Joachim Rothenpieler. Das unterstreicht sicher das Gewicht, das Volkswagen dem Thema Nachwuchsförderung von Jungen und Mädchen beimisst.

Das Resümee: Der Aufwand für diese Veranstaltung hat sich sicher gelohnt. Wenn auch nicht in Zahlen auszudrücken - die Reaktionen der Teilnehmer haben deutlich gemacht, dass sie für die technische Ausbildung sensibilisiert wurden. Das wurde auch durch Andreas Gersdorf, den Schulleiter des André-Gymnasiums, bestätigt. Wenn nun nicht jeder Schulabgänger des André-Gymnasiums ein technisches Studium oder einen solchen Beruf ergreifen wird - das wäre auch nicht sinnvoll - vielleicht können die Lehrer doch mehr jungen Menschen einen Weg in eine solche Zukunft bahnen.

Der Sonderforschungsbereich/Transregio 39 (Großserienfähige Produktionstechnologien für leichtmetall- und faserverbundbasierte Komponenten mit integrierten Piezosensoren und -aktoren) wird seit 2006 von der DFG gefördert. Aktuell stehen für die Zeit von 2010 bis 2014 ca. zehn Millionen Euro zur Verfügung. Weitere Fakten sind unter http://www.pt-piesa.tu-chemnitz.de zu finden. Kontakt und weitere Auskünfte: E-Mail pt-piesa-gs@mb.tu-chemnitz.de, Telefon 0371 5397 1311

(Autor: Dr. Hartmut Dube, Geschäftsführer des SFB/TR 39 PT-PIESA)

Katharina Thehos
07.09.2012

Mehr Artikel zu:

Alle „Uni-aktuell“-Artikel
Hinweis: Die TU Chemnitz ist in vielen Medien präsent. Einen Eindruck, wie diese über die Universität berichten, gibt der Medienspiegel.

Presseartikel