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  • Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt: Der unerklärliche Wechsel zwischen Euphorie und Schwermut ist Symptom einer bipolaren Störung. Grafik: Stefanie Richter
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Die Patientensicht rückt in den Fokus

Die Professur Klinische Psychologie der TU Chemnitz erforscht, welche Therapieziele manisch-depressive Erkrankte wichtig finden - Untersuchung beim "Bipolar-Selbsthilfe-Tag" in Berlin

Extreme Stimmungsschwankungen und Antriebslosigkeit sind nur zwei Symptome der manisch-depressiven Erkrankung, die auch als bipolare Störung bezeichnet wird. "Bisher basieren Therapieleitlinien für diese Erkrankung allein auf den Ergebnissen wissenschaftlicher Studien. In diesen wird methodisch sehr aufwändig und exakt untersucht, wie wirksam Therapiemaßnahmen in der Behandlung bipolarer Störungen sind", berichtet Prof. Dr. Stephan Mühlig, Inhaber der Professur Klinische Psychologie an der Technischen Universität Chemnitz. Als erfolgreich gilt dabei eine Therapie, die den von Experten gesetzten Zielen möglichst nah kommt - ohne zu beachten, welche Behandlungsziele für die Patienten selbst wichtig sind. "Oftmals haben die Betroffenen andere Prioritäten als die behandelnden Ärzte", sagt Mühlig, dessen Professur deshalb die Patientensicht in den Fokus nimmt. Das Projekt "Entwicklung eines Verfahrens zur Beurteilung der Evidenzlage mittels systematischer Gewichtung patientenrelevanter Endpunkte" wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung für zwei Jahre gefördert.

"Ziel unseres Projektes ist es, die relative Bedeutung von Behandlungszielen aus Betroffenensicht systematisch zu untersuchen", so Mühlig. Dazu führen die Chemnitzer Psychologen Befragungen unter mehreren Hundert Betroffenen durch. "Mit Hilfe eines speziellen Verfahrens werden immer zwei Alternativziele gegenübergestellt und durch die Patienten beurteilt. Diese vielen Einzelurteile können wir dann statistisch verrechnen und in eine Rangfolge bringen", sagt Mühlig und ergänzt: "So entsteht am Ende eine Therapiezielhierarchie, die uns wichtige Einblicke in die Patienten- und auch die Angehörigen-Sichtweise ermöglicht." Die Ergebnisse sollen in Zukunft in die Bewertung von wissenschaftlichen Studien einfließen. "Therapieverfahren, die eher mit den Patientenwünschen übereinstimmen, erlangen dann in den Therapieleitlinien ein stärkeres Gewicht und werden eher empfohlen als patientenfernere Verfahren", so Mühlig.

Um noch weitere Einblicke in die Bedürfnisse der Betroffenen zu erhalten, nutzen die Wissenschaftler unter anderem den "Bipolar-Selbsthilfe-Tag", der am 3. Februar 2012 im Humboldt-Klinikum der Charité in Berlin stattfindet. Die Professur Klinische Psychologie der TU Chemnitz ist Mitveranstalter dieses Tages unter dem Titel "Patientenorientierung - Therapieziele und Therapieerfolg aus Sicht der Betroffenen". Mitarbeiter der Professur beteiligen sich an den verschiedenen Workshop-Angeboten; Prof. Mühlig hält zudem einen Impulsvortrag zum Thema "Patientenorientierung aus Sicht des Forschers". Außerdem werden die Forscher Patienten-Befragungen in Kleingruppen durchführen.

Das Programm des Bipolar-Selbsthilfe-Tages: http://www.tu-chemnitz.de/hsw/psychologie/professuren/klinpsy/12-01-18%20_HUK_Einl_5BipolarTag.pdf

Weitere Informationen erteilt Prof. Dr. Stephan Mühlig, Telefon 0371 531-36321, E-Mail stephan.muehlig@psychologie.tu-chemnitz.de.

Katharina Thehos
26.01.2012

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