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Neun Sichtweisen auf 175 Jahre TU-Geschichte

Die Besucher der Jubiläumsausstellung im Sächsischen Industriemuseum werden bis zum 3. Oktober 2011 von neun studentischen Tutoren der Chemnitzer Universität begleitet

  • Für das Gruppenfoto nahmen die neun Tutoren im Doppelstockbett aus vergangenen Studienzeiten Platz. Im oberen Bett haben es sich Lisa Kremer, Heike Martin und Mandy Beck (v.l.) bequem gemacht, darunter Michaela Ölsner, Nils Martin, Anja Hippmann, Katharina Kühnhold, Sophie Kasper und Roman Hofmann. Foto: Sächsisches Industriemuseum Chemnitz/Bianca Ziemons

Seit die Königliche Gewerbschule zu Chemnitz, der Vorläufer der heutigen Technischen Universität, im Jahr 1836 gegründet wurde, ist die Anzahl der Studierenden von 14 auf weit über 10.000 gewachsen. Neun von ihnen begleiten und betreuen seit Anfang Mai die Sonderausstellung des Sächsischen Industriemuseums zum 175-jährigen Bestehen der TU Chemnitz - denn wer könnte authentischer über die Hochschule berichten als ihre Studierenden.

Sophie Kasper, Katharina Kühnhold, Mandy Beck, Michaela Ölsner, Nils Martin, Roman Hofmann, Anja Hippmann, Lisa Kremer und Heike Martin haben sich über die Jobbörse der TU Chemnitz als Museums-Tutoren beworben. Bis zum 3. Oktober 2011 führen sie nun Besucher durch die Jubiläumsausstellung, beantworten Fragen, erklären die zahlreichen interaktiven Exponate und berichten von aktuellen Geschehnissen an ihrer Hochschule. "Man ist aber nicht nur Experte und Erzähler, sondern auch Zuhörer", sagt Studentin Sophie Kasper, die im Gespräch mit ehemaligen Studierenden schon so manche kuriose Anekdote erzählt bekam. "Sie berichten von der damaligen Fabrikplanung, erklären den Rechenschieber und erinnern sich an den Preis für das beste Wohnheimzimmer, das der Hausmeister bei seinem Kontrollgang gekürt hat und für das es einen 35-Mark-Buchgutschein gab", sagt Kasper und ergänzt: "Ein Ehepaar erklärte mir, dass man als Pärchen in der DDR nur zusammen in ein Wohnheimzimmer ziehen konnte, wenn man beim Standesamt das Aufgebot für die Hochzeit bestellt hatte und die Bescheinigung vorzeigen konnte."

Auch Katharina Kühnhold kann Erstaunliches berichten: "Das Toilettenpapier wurde früher gehütet und weggeschlossen. Zwei Studenten bekamen zusammen eine Rolle für 14 Tage. Das ist heute im Zeitalter der Massen- und Überproduktion unvorstellbar", so die Technikkommunikationsstudentin. Solche und ähnliche Erfahrungsberichte aus der Hochschul-Historie treffen vor der Kulisse des Industriemuseums auf die Erlebnisse heutiger Studierender und erfüllen die Ausstellungsstücke zum Studentendasein mit Leben. Was sich innerhalb von 175 Jahren alles verändert hat, führt sich manch einer erst in der Ausstellung richtig vor Augen: "Ich bin sehr froh, Studentin im 21. Jahrhundert zu sein, denn das bedeutet, viele Freiheiten zu haben - die Auswahl des Mensa-Essens ist nur ein Bruchteil davon. Es erstaunt mich immer wieder, unter welchen Bedingungen Studenten in der Vergangenheit lernen mussten und wollten", so Tutorin Mandy Beck. "Ich möchte nur ungern auf die heutige Technik, wie Computer und Internet, verzichten, da sie so vieles erleichtert", sagt Soziologie-Studentin Anja Hippmann. "Trotzdem würde ich gern mal in der früheren Zeit vorbeischauen, allein schon um zu lernen, wie man einen Rechenschieber richtig verwendet", fügt Kühnhold hinzu. Und auch Magisterstudentin Michaela Ölsner hätte die Studierenden im 19. Jahrhun-dert gern einmal für eine Woche besucht. "Ich würde definitiv einer Studentenverbindung beitreten und alle lustigen Veranstaltungen mitmachen", so die 24-Jährige.

Neben spannenden Einblicken in das Studentenleben im Wandel der Jahrhunderte gibt es für die neun TU-Tutoren zahlreiche weitere Highlights, die sie Besuchern ans Herz legen. "Da bei jedem Fachbereich der Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart gespannt wird, sind nicht nur Geschichtsinteressierte angesprochen, sondern auch Besucher, die die Entwicklungen und Veränderungen in der Universität interaktiv erleben möchten", ergänzt Beck. "Ich kann die Experimentierecke empfehlen, weil hier Jung und Alt kreativ sein können, aber auch der virtuelle Stadtrundgang ist beeindruckend", sagt Nils Martin, der seit elf Semestern an der Chemnitzer Universität studiert und sich freut, durch seine Tätigkeit als Tutor öffentlich etwas zurückgeben zu können. Auch Roman Hofmann, Student der Europäischen Integration, will den Chemnitzer Bürgern seine Hochschule näher bringen. "Stadt und Universität sind aufeinander angewiesen und können nur gemeinsam erfolgreich sein", sagt er.

Besonders hervorzuheben ist nach Meinung von Ölsner die Dokumentation des enormen technischen Fortschritts sowie die Präsentation einer Vielzahl überregional bedeutsamer Erfindungen. Obwohl die Tutoren zum Teil schon vor ihrem Museumseinsatz mit der Geschichte der TU vertraut waren, gibt es auch für sie immer wieder Neues zu entdecken. "Besonders beeindruckt hat mich, dass es in der Uni einen Superrechner gibt, der einige Zeit zu den 100 besten auf der Welt gehört", sagt Soziologie-Studentin Lisa Kremer. Heike Martin, die seit 2010 an der TU immatrikuliert ist, überraschte, dass das "Alte Heizhaus" im Universitätsteil Straße der Nationen Ende des 19. Jahrhunderts zu den modernsten Heizungsanlagen der damaligen Zeit gehörte. Insbesondere für die Exponate aus früheren Tagen der Universität hat Sophie Kasper nicht mit so viel Interesse gerechnet. "Ältere Besucher schauen sich zum Beispiel lieber das Fabrikplanungsmodell aus ihrer Studentenzeit an, wohingegen ich den visTABLE, der Fabrikplanung am Computer und in 3D ermöglicht, sehr interessant finde", so die 26-Jährige.

Um das mit zehn Metern Länge größte Exponat der Jubiläumsausstellung kommen jedoch weder Jung noch Alt herum. Das autonom über der 600 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche schwebende Luftschiff "Chemnitz" wurde an der Professur Prozessautomatisierung entwickelt und startete 2006 zu seinem Jungfernflug. Und auch zu diesem Ereignis haben die studentischen Tutoren eine unterhaltsame Anekdote parat, die sie gern mit allen Besuchern der Jubiläumsausstellung teilen. Viele Geschichten und interessanten Fakten aus der 175-jährigen Uni-Historie fanden die Tutoren auch im "etwas anderen" Jubiläumsbuch der TU, dessen Kauf sie den Besuchern der Ausstellung im Museumsshop gern empfehlen.

Kontakt: Sächsisches Industriemuseum Chemnitz, Zwickauer Straße 119, 09112 Chemnitz, http://www.saechsisches-industriemuseum.de

Öffnungszeiten Montag bis Donnerstag 9 - 17 Uhr; Freitag geschlossen; Samstag, Sonntag und feiertags 10 - 17 Uhr

Ansprechpartner für die Ausstellung: Dr. Rita Müller, wissenschaftliche Referentin und Lektorin im Industriemuseum Chemnitz, Telefon 0371 3676-133, und Stephan Luther, Leiter des Universitätsarchivs der TU Chemnitz, Telefon 0371 531-32694, E-Mail stephan.luther@hrz.tu-chemnitz.de

(Autorin: Franziska Männel)

Mario Steinebach
13.05.2011

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