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Ideen begreifbarer machen

Fabrikplaner der TU Chemnitz nutzen LEGO-Workshops für innovative und effiziente Zusammenarbeit

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Das Modell der Professur haben die Workshop-Teilnehmer durch unzählige Verbindungen mit weiteren Agenten der Umwelt vernetzt. Foto: Professur Fabrikplanung und Fabrikbetrieb

Glänzende Krönchen, rosa Blüten und so einige Zootiere bilden neben vielen bunten Kunststoff-Klötzchen, Figuren und anderen Kleinteilen den ungewöhnlichen Bausatz der LEGO SERIOUS PLAY-Methode (LSP). Mit mehreren Kästen dieser scheinbar willkürlich aus LEGO-Beständen zusammengestellten Kits arbeitet derzeit die Professur Fabrikplanung und Fabrikbetrieb der Technischen Universität Chemnitz. Anders als beim bereits in der Lehre eingesetzten LEGO MINDSTORMS ist LSP nicht dafür gedacht, komplexe Fabriken im Kleinformat zu konstruieren und programmieren. Stattdessen zählen zum Beispiel die Entwicklung von Teams im Rahmen des Projekt- und Innovationsmanagements oder die Strategieentwicklung für den Fabrikbetrieb zu möglichen Anwendungsfeldern der Methode. Dabei sind es weniger die Steine selbst als die von geschultem Personal moderierten Workshops, die beispielsweise Kommunikation und Ideenfindung im Unternehmen verbessern sowie Problemlösungen beschleunigen sollen.

Um LSP-Workshops erfolgreich durchführen zu können, ist eine Ausbildung in der Methode unverzichtbar, da nur so das praktische Wissen zur Anwendung der Methode erschlossen werden kann. Eine entsprechende Ausbildung zum LSP-Moderator schlossen Ende August 2010 zehn Mitarbeiter der Professur Fabrikplanung und Fabrikbetrieb der TU Chemnitz sowie Partner der Professur aus Industrie und Wissenschaft mit einem entsprechenden "Diplom" als Befähigungsnachweis ab. Per Kristiansen, ehemaliger Leiter des Bereiches LEGO SERIOUS PLAY im Unternehmen LEGO, brachte den Teilnehmern im Rahmen eines einwöchigen Trainings bei, wie man in verschiedenen Einsatzgebieten von den Vorzügen des Spielens und Modellierens mit den Bausteinen profitieren kann. "Wie gestalte ich einen Workshop mit LSP? Wie wähle ich sinnvolle Themen aus? Wie kleide ich diese in entsprechende Fragestellungen?", zählt Teilnehmer David Jentsch einige Schwerpunkte des Lehrgangs auf. Der Mitarbeiter der Professur Fabrikplanung und Fabrikbetrieb hatte das Konzept LSP im vergangenen Jahr auf einer Konferenz in Zürich kennengelernt und schnell dessen Potenzial erkannt. In zwei Verbundforschungsprojekten, IREKO und InnoLab-Pro, arbeiten die Fabrikplaner mit der Professur für Organisation und Arbeitswissenschaft der TU Chemnitz zusammen. "Da kann es natürlich gerade zu Projektbeginn zwischen Ingenieuren und Sozialwissenschaftlern zu unterschiedlichen Auffassungen kommen", erklärt Jentsch und fügt hinzu: "Wir haben festgestellt, dass gerade das weite Thema der Innovation Hilfsmittel erfordert, um ein gemeinsames Verständnis aufzubauen und so zusammen agieren zu können, dass man auf effiziente Weise zu Ergebnissen gelangt."

Im Rahmen des Projektes InnoLab-Pro hatten die Wissenschaftler bereits über Planspiele versucht, einen spielerischen Zugang zu Aspekten prozessbezogener Innovationen zu ermöglichen. Hierbei zeigte sich jedoch, dass vor allem Branchenunterschiede ein großes Hindernis für eine breite Anwendung von Planspielen in verschiedenen Kontexten darstellen. Hieraus leitete sich die Forderung nach einem generischen Ansatz ab. Das gesuchte Hilfsmittel fanden die TU-Mitarbeiter im flexibel einsetzbaren LSP. Diese über mehrere Jahre von der Firma LEGO entwickelte und verbesserte Methode beruht unter anderem auf Grundlagen des Konstruktivismus und Konstruktionismus sowie auf neurowissenschaftlichen Erkenntnissen. Forschungen zufolge führt der Einsatz der Hände, die über besonders starke Nervenbahnen mit den Gehirnzellen verbunden sind, im Zusammenhang mit Denkprozessen zu einem tieferen und langanhaltenderem Verständnis von Sachverhalten. Das Erstellen von LEGO-Modellen macht verschiedene Thematiken aber nicht nur "begreifbarer", sondern fördert gleichzeitig Kreativität und Innovation und ermöglicht es - beispielsweise beim Einsatz in Unternehmen - Erfahrungen und Wissen aller Mitarbeiter einzubeziehen. So können im Rahmen von LSP-Workshops auch so genannte "Lonely Guys" zur Organisationsentwicklung beitragen. "Das sind alldiejenigen Leute, die im Unternehmen gern einen Beitrag leisten würden und auch das nötige Know-how haben, aber nicht wissen, wie sie sich einbringen beziehungsweise ihre Gedanken und Ideen artikulieren können", erläutert Trainer Per Kristiansen. Das Modellieren mit den Kunststoffsteinen erleichtert es ihnen, sich auszudrücken und schafft eine Grundlage für offene Diskussionen im Unternehmen, bei denen sich zum Beispiel nicht nur die eloquentesten Beschäftigten durchsetzen.

Zudem sind die LEGO-Steine sehr einfach zu handhaben und erfordern keine künstlerischen Fähigkeiten. In den Workshops erhalten die Teilnehmer durch Warm-up-Übungen - zum Beispiel das Bauen einer Brücke - zunächst die Möglichkeit, sich mit dem Bausatz vertraut zu machen. Im nächsten Schritt wird dem Gebauten durch die Verwendung von Metaphern eine Bedeutung gegeben. Durch das plastische Konstruieren dieser sprachlichen Bilder werden die damit vermittelten Inhalte einprägsamer und es erscheint einfacher, auch kritischere Aspekte darzustellen. Beim gegenseitigen Vorstellen der Modelle, die beispielsweise die eigene Sicht auf das Unternehmen widerspiegeln, lernen sich die Teilnehmer untereinander besser kennen und entwickeln ein Verständnis für das Verhalten und die Entscheidungen ihrer Kollegen. Im Anschluss gilt es, die Einzelmodelle zu einem Modell zu vereinen, das von allen Teammitgliedern getragen wird.

Auch die Fabrikplaner der TU haben mit ihren Partnern auf diese Weise eine metaphernreiche LEGO-Version einer Professur erstellt und ihr gemeinsames Modell anschließend noch mit verschiedenen Entitäten verbunden, die die Professur beeinflussen. An diesem verzweigten System konnten dann verschiedene Situationen, wie das Wegfallen von Forschungsgeldern, durchgespielt und entsprechende Prinzipien als Handlungsanleitung für reale Sachverhalte abgeleitet werden. Folglich lassen sich komplizierte Zusammenhänge sehr einfach visualisieren und anfassen, so dass ein wichtiger Sachverhalt nicht in einem Folienvortrag erörtert wird. Im Rahmen des IREKO-Projekts werden bald LSP-Workshops mit Praxispartnern durchgeführt und auch bei der diesjährigen American-African-European (AAE) Summer School wird ein LSP-Workshop umgesetzt.

Weitere Informationen erteilt David Jentsch, Telefon 0371 531-37823, E-Mail david.jentsch@mb.tu-chemnitz.de.

(Autorin: Anett Michael)

Katharina Thehos
14.09.2010

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