Der globale Kampf um die Rohstoffe der Zukunft nimmt zu
Dr. Jakob Kullik, Experte für Rohstoffpolitik von der Professur Internationale Politik der TU Chemnitz, veröffentlicht populärwissenschaftliches Sachbuch zur Geopolitik sogenannter Seltener Erden, den Schlüsselrohstoffen des 21. Jahrhunderts
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Dr. Jakob Kullik ist promovierter Politikwissenschaftler und Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Internationale Politik der TU Chemnitz. Er forscht zu Rohstoffmärkten und Rohstoffpolitik mit einem Schwerpunkt auf Seltene Erden und kritische Rohstoffe. Foto: privat
Rohstoffe waren und sind strategische Elemente für wirtschaftlichen Wohlstand und nationale Sicherheit. Derzeit erleben wir das Wiederaufflammen von Konflikten um den „alten“ Rohstoff Erdöl im Nahen Osten und zugleich ein globales Ringen um sogenannte „kritische“ und „strategische“ mineralische und metallische Rohstoffe wie Seltene Erden. Diese 17 Elemente des Periodensystems aus der Gruppe der Lanthanoide sind unentbehrlich für erneuerbare Energietechnologien (Windkraft, Solar), Konsumelektronik, aber auch für Militär und Rüstung.
„Staaten und Unternehmen ringen um die Kontrolle von Lagerstätten und globale Lieferketten – sprichwörtlich vom Erz zum Elektroauto beziehungsweise vom Mineral zur Munition. Letztes Jahr mussten die USA und die Europäische Union schmerzhaft erfahren, dass China den globalen Markt für Seltene Erden fast vollständig kontrolliert und am längeren Hebel sitzt. Seltene Erden zählen mittlerweile wie Öl und Gas zum geopolitischen Instrumentarium der Großmächte“, sagt Dr. Jakob Kullik, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Professur Internationale Politik der Technischen Universität Chemnitz, Doch wie kam es, dass China zur führenden Rohstoffmacht wurde? Und welche Optionen haben die USA, die EU und andere Industriestaaten, sich aus dieser Dominanz Pekings zu befreien? Können Seltene Erden künftig in Europa, womöglich sogar im rohstoffreichen sächsischen Erzgebirge, gefördert und weiterverarbeitet werden? In seinem neuen Sachbuch „Seltene Erden. Der globale Kampf um die Rohstoffe der Zukunft“, das am 1. Juni 2026 im Verlag Quadriga erscheint, beantwortet Kullik in allgemeinverständlicher Weise diese und weitere Fragen rund um die Rohstoffgruppe, die auch in den nächsten Jahrzehnten relevant bleiben wird.
„Der globale Bedarf nach Seltenen Erden wächst und allein durch Recycling wird der Rohstoffhunger künftig nicht zu stillen sein. Deutschland und die Europäische Union sind in diesem globalen Rohstoffrennen bislang abgeschlagen. Zu lang wurde auf den Weltmarkt und friedliche Handelsbeziehungen gesetzt. Dies rächt sich nun. Die USA, China, Russland und weitere Akteure haben längst Boden gut gemacht und lukrative Projekte erschlossen. Die deutsche Wirtschaft muss sich verstärkt um ihre Rohstoffversorgung kümmern und ist auf Unterstützung durch die Politik angewiesen“ so Kullik.
Doch was können die Bundesregierung und die EU überhaupt noch tun? Ist der Einstieg Deutschlands ins internationale Rohstoffgeschäft noch möglich? Ist eine Renaissance des Bergbaus hierzulande wünschenswert und umsetzbar? Fest steht aus Sicht des Chemnitzer Politikwissenschaftlers nur eins: „Die Welt wartet nicht auf Deutschland. Das Rennen um Seltene Erden und weitere kritische Rohstoffe wird das 21. Jahrhundert prägen und zu neuen Konflikten führen – Geologie trifft zunehmend auf Geopolitik.“
Bibliografische Angaben: Jakob Kullik: Seltene Erden. Der globale Kampf um die Rohstoffe der Zukunft, 2026, Quadriga, 400 Seiten, 24 Euro, ISBN 978-3-86995-167-6
Weitere Informationen erteilt Dr. Jakob Kullik, E-Mail jakob.kullik@phil.tu-chemnitz.de.
Mario Steinebach
22.05.2026