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Bildung zwischen Neutralität und Verantwortung

Aktionstag der Politischen Bildung an der TU Chemnitz brachte 80 Lehrkräfte aus Sachsen mit Lehramtsstudierenden der TU Chemnitz zusammen

  • Eine Frau sitzt an einem Tisch und liest aus einem Buch vor.
    Zeitzeugin Petra Weise berichtet über ihre Erfahrungen als politische Gefangene in der DDR. Foto: Marlen Rössel

Unter dem Titel „SCHULE. MACHT. POLITIK. – Bildung zwischen Neutralität und Verantwortung“ fand am 31. März 2026 der 2. Aktionstag für Politische Bildung an der Technischen Universität Chemnitz statt. Im zentralen Hörsaal- und Seminargebäude kamen rund 80 Lehrkräfte aus ganz Sachsen sowie Lehramtsstudierende der TU Chemnitz zusammen, um sich mit Akteurinnen und Akteuren der Politischen Bildung auszutauschen und Impulse aus Wissenschaft und Praxis zu erhalten. „Politische Bildung beginnt nicht erst in der Sekundarstufe. Sie beginnt dort, wo Kinder lernen, zuzuhören, Fragen zu stellen, Konflikte auszutragen und ihre Stimme zu finden: im Klassenzimmer der Grundschule“, sagt Prof. Dr. Leena Bröll, stellvertretende Direktorin des Zentrums für Lehrkräftebildung und Bildungsforschung sowie Inhaberin der Professur Grundschuldidaktik Sachunterricht. Sie hat gemeinsam mit dem interdisziplinären Team bestehend aus Mathematikdidaktikerin Prof. Dr. Birgit Brandt, Philosophiedozent Dr. Jan Friedrich, Sachunterrichtsdidaktikerin Dr. Aline Haustein, Sprechwissenschaftler Ronald Herzog sowie die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen der Professur Grundschuldidaktik Sachunterricht Kristin Schaller und Marlen Rössel, den Aktionstag geplant.

In zahlreichen Workshops und Vorträgen wurde unter anderem diskutiert, welche politische Verantwortung Lehrkräfte in unserer Gesellschaft tragen, wie neutral demokratische Bildung sein soll und darf und wie politische Bildung zielgruppengerecht, professionell und wirksam gestaltet werden kann. So stellte Malte Jelschen von der Universität Bremen ein Forschungsprojekt vor, in dem die politisch-historische Bildung von Grundschulkindern betrachtet wird. Dr. Roland Löffler, Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, thematisierte ausgehend vom Beutelsbacher Konsens die Verantwortung von Lehrkräften für unsere Gesellschaft. Politische Neutralität bedeute eben nicht, komplett unpolitisch zu agieren, sondern im Gegenteil Partei zu ergreifen für Demokratie und Verfassung. Darüber hinaus wurde in Workshops und an den Ständen des Marktes der Möglichkeiten u. a. über den Umgang mit Extremismus im Klassenzimmer, Fake News und Demokratische Schulkultur diskutiert. Neben den Bildungspartnerinnen und -partnern SPREUWEIZEN e.V., Netzwerk für Demokratie und Courage, Landesamt für Schule und Bildung (LASUB), Sächsische Landeszentrale für Politische Bildung sowie dem Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e.V. war auch die Universitätsbibliothek mit einem Bücherstand vertreten.

Besonders eindrucksvoll für die Studierenden war u. a. der Auftritt der Zeitzeugin Petra Weise. Sie berichtete im Workshop „Was war die DDR? – Spurensuche im Spannungsfeld zwischen persönlicher Erinnerung und historischer Forschung“ von ihrer Zeit als politisch Gefangene in der DDR. Ihre Geschichte – von der systemtreuen Schülerin zur jungen Mutter, die einen Fluchtversuch unternimmt, um ihrem kranken Kind die in der DDR verweigerte lebensrettende medizinische Versorgung zu ermöglichen – berührte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und zeigte, wie wichtig Zeitzeuginnen und Zeitzeugen für die Bildungsarbeit sind. Der Workshop wurde von der Politikwissenschaftlerin Kristina Hahn vom Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e. V. durchgeführt und hat als Seminar unter der Leitung von Ronald Herzog auch einen Platz im Curriculum der Lehramtsausbildung der TU Chemnitz. „Politische Bildung und Medienbildung ist ein wichtiger Bestandteil der Lehramtsausbildung an der TU Chemnitz. Durch die Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren und Institutionen wie dem Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis werden theoretische Inhalte für Studierende greifbar und es wird deutlich: Demokratie ist kein Selbstläufer. Alle sind gefordert, sie aktiv mitzugestalten“, so Herzog. Nach der erfolgreichen zweiten Auflage des Aktionstages ist eine Fortführung in den kommenden Jahren geplant.

Kontakt und weitere Informationen: Prof. Dr. Leena Bröll, leena.bröll@zlb.tu-chemnitz.de, 0371 531-30591

(Quelle: Zentrum für Lehrkräftebildung und Bildungsforschung)

Mario Steinebach
02.04.2026

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