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Facettenreiche und wissenschaftlich fundierte Ausstellung „Zwickau und der NSU“

Soziologe Dr. Ulf Bohmann von der TU Chemnitz ist an der Erarbeitung der Schau in den Zwickauer Priesterhäusern beteiligt, die zur Auseinandersetzung mit den extrem rechten Gewalttaten anregen soll – Exposition ist vom 1. September bis 4. November 2024 geöffnet

Am 1. September 2024 eröffnet die Ausstellung „Zwickau und der NSU. Auseinandersetzung mit rechtsextremen Taten“ um 15 Uhr in den Priesterhäusern in Zwickau, Priesterhäuser, Domhof 5-8. Dreizehn Jahre nachdem die breite Öffentlichkeit von den Gewalttaten des selbsternannten „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) erfuhr, widmet sich die Exposition den zwischen 2000 und 2007 verübten Mordanschlägen und Gewalttaten, blickt auf die Mordopfer und ihrer Hinterbliebenen und setzt sich mit der Geschichte der Aufarbeitung dieser Taten auseinander. Die Texte der Ausstellung wurden von Dr. Piotr Kocyba, Mitarbeiter des Else-Frenkel-Brunswik-Instituts für Demokratieforschung in Sachsen an der Universität Leipzig, sowie Dr. Ulf Bohmann, Vertreter der Professur Soziologie mit dem Schwerpunkt soziologische Theorien der Technischen Universität Chemnitz, erarbeitet.

Die Schautafeln widmen sich sechs Themenkomplexen: Neben einer generellen Einführung gibt es einen Überblick über die Taten, Opfer und Tatorte. „Bei der Gestaltung war uns besonders wichtig zu zeigen, dass der NSU nicht nur aus dem oft benannten Trio bestand, sondern dass es sich um ein Netzwerk mit vielen Unterstützerinnen und Unterstützern handelte“, sagt Kocyba. Daher behandelt die Schau den NSU als Komplex. Außerdem beleuchten die Wissenschaftler, warum die Unterstützung in der sächsischen Stadt Zwickau so maßgeblich für die Umsetzung der Gewaltverbrechen war.

„Die Art und Weise, wie Gedenken, Mahnung und Aufarbeitung umgesetzt wurden, ist auch für die Gegenwart und Zukunft relevant“, so Bohmann. Daher wirft die Ausstellung auch einen kritischen Blick auf die rechtsstaatliche Aufarbeitung, die parlamentarischen Untersuchungsausschüsse und widmet sich der Enttäuschung von Angehörigen der Opfer sowie Gedenkaktivistinnen und -aktivisten über das Ausbleiben einer vollständigen Aufarbeitung. „Wir betrachten aber auch die vielfältige Gedenkarbeit der Zivilgesellschaft in Zwickau, die auf die Enttarnung im Jahr 2011 folgte“, so die beiden Autoren der Ausstellung. Auch die Widerstände gegen diese Form der Aufarbeitung, zum Beispiel das Absägen von zur Erinnerung der Opfer gepflanzten Bäumen, thematisieren die Schautafeln.

Die Ausstellung „Zwickau und der NSU“ ist bis zum 4. November 2024 geöffnet. Der Eintritt ist frei. Begleitend werden Führungen und verschiedene Programmpunkte angeboten. Beispielsweise geben die beiden Wissenschaftler am 24. September 2024 bei einer Sonderführung durch die Ausstellung einen Einblick in die Schau und ihre Entstehung.

Die Ausstellung wurde durch das Sächsische Staatsministerium der Justiz und für Demokratie, Europa und Gleichstellung gefördert.

Hintergrund: Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)

Der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) war eine neonazistische terroristische Vereinigung in Deutschland, die aus rassistischen und fremdenfeindlichen Motiven gezielt Menschen mit Migrationshintergrund ermordete. Nach heutigem Kenntnisstand wurden zwischen 2000 und 2007 neun Migranten und eine Polizistin getötet, sowie 43 Mordversuche, drei Sprengstoffanschläge (Nürnberg 1999, Köln 2001 und 2004) und 15 Raubüberfälle verübt. Die genaue Zahl der an den Taten unmittelbar Beteiligten und die Größe des Netzwerks an Unterstützern und Sympathisanten sind umstritten. Das Umfeld des NSU-Kerntrios, dass ab 1998 zunächst in Chemnitz und später in Zwickau untertauchte, wird auf mindestens 100 bis 200 Personen geschätzt, darunter V-Leute und Funktionäre rechtsextremer Parteien.

Homepage der Ausstellung: https://www.priesterhaeuser.de/de/ausstellungen/sonderausstellung.php

Weitere Informationen erteilt Dr. Ulf Bohmann, Telefon +49 (0)371 531-31153, E-Mail ulf.bohmann@hsw.tu-chemnitz.de.

Mario Steinebach
26.08.2024

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