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Professur Textile Technologien
Studierende berichten
Professur Textile Technologien 

Wie ist es, ein Semester oder Praktikum im Ausland zu verbringen?

Unsere Studierenden berichten von ihren Erfahrungen.

Auslandspraktikum in Zagreb, Kroatien

Erfahrungsbericht von Nora Nicklaus

Ein Auslandspraktikum stand schon länger auf meiner To-Do-Liste für das Studium. Ich fand die Vorstellung spannend, nicht nur für ein paar Tage in ein anderes Land zu reisen, sondern dort wirklich für einige Zeit zu leben und zu arbeiten. Deshalb habe ich mich für ein viermonatiges Praktikum in Kroatien entschieden. Ich wollte internationale Erfahrungen sammeln, mein Englisch im Alltag verbessern und herausfinden, ob ich mir später auch vorstellen könnte, länger im Ausland zu arbeiten.

Bei der Suche nach einem passenden Praktikumsplatz hat mich Prof. Cebulla sehr unterstützt. Durch seine internationalen Kontakte kam schnell der Austausch mit der Universität Zagreb zustande. Die Universität hat besonders im Bereich der textilen Technologien einen sehr guten Ruf und deckt viele unterschiedliche Fachrichtungen ab, von Design und Bekleidungstechnologie bis hin zu Material- und Textilprüfung ist die Universität Zagreb sehr gut aufgestellt. Für mich war vor allem der Bereich Textilchemie und -ökologie interessant, da dort schon länger zur Rohwollwäsche geforscht wird. Dieses Thema ist für mich besonders spannend, da ich mich bereits während meiner HiWi-Tätigkeit an der TUC theoretisch damit beschäftigt habe und auch meine Masterarbeit darüber schreibe. Ich hatte daher gehofft, dort praktische Erfahrungen sammeln zu können, die mir auch für meine Masterarbeit weiterhelfen.

Mit der Organisation und Planung des Auslandspraktikums begann ich etwa ein Semester vorher. Die ERASMUS+ Förderung für Auslandspraktika wird über das Leonardo-Büro Sachsen beantragt. Am schwierigsten war tatsächlich die Wohnungssuche in Zagreb, weil die Studentenwohnheime schon komplett belegt waren. Schließlich habe ich über AirBnB eine WG in der Nähe des Stadtzentrums gefunden. Die Lebenshaltungskosten sind in der kroatischen Hauptstadt wesentlich höher als in Chemnitz, daher war ich über die finanzielle Unterstützung durch ERASMUS+ sehr dankbar.

       Kathedrale von Zagreb                Kroatisches Nationaltheater in Zagreb                 Kunstpavillon Zagreb

 

Ende September 2025 ging es dann schließlich nach Zagreb. In den ersten Wochen musste ich mich natürlich erst einmal an den neuen Alltag gewöhnen und die Stadt, die Universität und meine Kolleginnen und Kollegen kennenlernen. Es fiel mir aber sehr leicht, da ich direkt sehr herzlich von allen aufgenommen wurde. Außerdem gibt es in den Supermärkten und Drogerien viele deutsche Produkte mit deutscher Beschriftung, weshalb ich manchmal fast vergessen habe, überhaupt in einem anderen Land zu sein. Die vielen schönen Sehenswürdigkeiten Zagrebs haben mich dann aber doch immer wieder daran erinnert, dass ich mich gerade in einer anderen Kultur befinde. Leider hat das Erdbeben von 2020 in Zagreb deutliche Spuren hinterlassen, weshalb viele Gebäude, zum Beispiel die Kathedrale, während meines Aufenthalts noch im Wiederaufbau waren.

Inhaltlich beschäftigte ich mich während des Praktikums vor allem mit verschiedenen Untersuchungen zur Rohwollwäsche von sächsischer Merinowolle. Gemeinsam mit meiner Betreuerin führte ich unterschiedliche Waschversuche durch, bei denen sowohl klassische chemische Waschmittel als auch natürliche Alternativen getestet wurden. Sehr spannend fand ich dabei die Arbeit mit unkonventionellen Waschmitteln, zum Beispiel mit Pottasche oder Waschmitteln hergestellt aus Rosskastanien. Besonders positiv in Erinnerung geblieben ist mir die Atmosphäre an der Universität Zagreb. Alle Mitarbeitenden waren unglaublich hilfsbereit und haben mich bei meinen Versuchen und den anschließenden Prüfverfahren unterstützt. Ich hatte nie das Gefühl, „nur die Praktikantin“ zu sein, sondern wurde wirklich als Teil des Teams aufgenommen. Gerade die gemeinsamen Brunchs in der Abteilung haben dazu beigetragen, dass schnell eine sehr offene und herzliche Stimmung herrschte. Vor allem mit meiner Betreuerin habe ich mich sehr gut verstanden, sodass wir bis heute noch in Kontakt stehen.

Durchführung der Waschversuche und anschließende Untersuchung der gewaschenen Merinowolle an der University of Zagreb, Faculty of Textile Technology, Department of Textile Chemistry and Ecology
 
Neben der Arbeit war natürlich auch das Leben in Zagreb selbst eine große Erfahrung für mich. Meine Mitbewohnerin kam direkt aus Zagreb und hat mir viele Orte gezeigt, die ich als Touristin wahrscheinlich nie entdeckt hätte. Dadurch habe ich die Stadt noch einmal ganz anders kennengelernt und auch viel über die kroatische Kultur und Küche erfahren. Besonders beeindruckend an Zagreb fand ich die vielfältige Natur rund um die Stadt. An der Nordseite Zagrebs grenzt direkt das Medvednica-Gebirge, das zum Wandern und im Winter auch zum Skifahren einlädt. Zudem hat die Stadt viele schöne Parks zu bieten und im Süden befinden sich einige Seen zum Entspannen und Abschalten. Vor allem im Herbst zeigte sich die Stadt von ihrer schönsten Seite, wenn die Sonnenuntergänge Zagreb in prächtigen Farben leuchten ließen.
 
         „Sarma“                                                    Blick über Zagreb                                      Sonnenuntergang in Zagreb
Über das ERASMUS+-Programm habe ich außerdem andere internationale Studierende kennengelernt, mit denen ich meine Freizeit verbracht und gemeinsam die Stadt und Umgebung erkundet habe. Ein Highlight war der Ausflug zu den Plitvicer Seen, wo die Landschaft von vielen Wasserfällen und glasklarem Wasser geprägt ist. Das verlängerte Wochenende nach Zadar hat sich auch sehr gelohnt, da dort selbst im November noch 20 °C waren und durch die malerische Altstadt mit dem glatt polierten Kalksteinpflaster direkt Urlaubsfeeling aufkam. Einen Besuch wert ist auf jeden Fall auch die Hafenstadt Rijeka. Dort kann man sowohl entlang der Flaniermeile Korzo als auch am schönen Hafen spazieren und dabei die ein oder andere Luxusjacht bestaunen.
     Wasserfälle an den Plitvicer Seen                  Strand in Zadar                                    Spaziergang am Hafen Rijekas
Rückblickend war das Praktikum für mich fachlich und persönlich eine unglaublich wertvolle Erfahrung. Ich habe nicht nur viel für mein Studium gelernt, sondern auch gemerkt, wie bereichernd es sein kann, sich auf ein neues Umfeld einzulassen. Besonders der interkulturelle Austausch und die Einblicke in eine andere Arbeitsweise haben meinen Horizont erweitert. Ich würde ein Auslandspraktikum deshalb jederzeit weiterempfehlen.

Auslandssemester in Tampere, Finnland

Erfahrungsbericht von Sabrina Arndt

Ich absolvierte mein Auslandssemester in Tampere, Finnland an der Tampere University. Beginnend mit der Informationsbeschaffung und Bewerbungsphase des Auslandssemesters hatte ich hervorragende Hilfe von meinem Auslandskoordinator und meinem Prüfungsvorsitzenden. Fragen und Anliegen wurden sehr schnell geklärt, was den ganzen Prozess sehr erleichterte.

Die Wohnungssuche in Tampere war auch nicht allzu kompliziert, was wahrscheinlich auch durch meine frühzeitige Bewerbung für eine Wohnung gegeben war. Die Tampere University kooperiert mit dem Wohnungsunternehmen TOAS, wo auch ich mich für eine Wohnung beworben habe. Letztendlich habe ich mit zwei weiteren Mädchen zusammengewohnt, mit welchen das Zusammenleben sehr viel Spaß machte. Die Wohnung war sauber und ausreichend groß. Auch mein Zimmer war angemessen ausgestattet. Küchenutensilien sowie Bettsachen (Decke, Kissen,...), sogenannte Starter Kits, konnte man sich glücklicherweise bei der internationalen Studentengruppe der Uni (INTO) ausleihen und am Ende des Aufenthalts wieder zurückgeben. So musste man nicht zusätzlich Geld für derartige Dinge in die Hand nehmen.

Campus und Stadtkern

   Hervanta Campus im Spätsommer               Hervanta Campus im Winter                  Stadtkern von Tampere

Die Universität bietet moderne Technik und viel Platz, um ungestört oder auch in Gruppen zu arbeiten. Dies ist auch nötig, denn in Tampere wird viel Wert auf Gruppenarbeiten und selbstständiges Arbeiten gelegt. Auch Hausarbeiten beziehungsweise Reporte stehen hier ganz oben auf der Liste. Anders als in Deutschland kann man in Tampere zwischen verschiedenen Lehr- und Prüfungsmethoden wählen. Auch gibt es die Möglichkeit sogenannte Midterm-Examen zu schreiben, wofür ich mich entschied. Dies erleichterte mir einen enormen Lernaufwand. Hervorzuheben sind auch die Mensen an der Universität. Hier bekam man eine leckere Mahlzeit plus Brot, zwei Getränken und Salat für nur 3,20 Euro (Studentenpreis). Neben der Universität an sich bietet die angrenzende Sporthalle mit ihren unterschiedlichen Sportangeboten für den nötigen Ausgleich. Das Studentenleben als solches ist durch die außergewöhnlich vielen Veranstaltungen, die die Studentenschaft organsiert total belebt und sorgt dafür, dass man schnell viele neue oder auch bekannte Gesichter trifft.

Rund um Tampere

Tammerkoski mit Blick ins                        Sauna mit anschließendem Eisbaden      Särkijärvi - Nahegelegener See

Stadtzentrum                                                                                                              vom Campus und Wohnheim

Tampere ist eine nicht allzu große Stadt, die aber trotzdem viel zu bieten hat und in der immer etwas los ist. Neben alten Industriegebäuden aus Backstein, die ein wenig an die Hamburger Speicherstadt erinnern, gibt es unzählige Restaurants, Cafés, Geschäfte, Museen, Bars und Clubs. Die Lage, umgeben von Seen, lädt zudem zu Spaziergängen ein und verleiht der Stadt ihren Charm. Die Menschen in Tampere beziehungsweise Finnland sind anfangs etwas kühl, kommt man jedoch mit ihnen ins Gespräch sind sie überaus freundlich und offenherzig.

Natur

Wanderung im Seitseminen                       Nordlichter in Lappland                            Winterlandschaft mit Langlaufloipen

Nationalpark                                                                                                                in Tampere

Natürlich sorgt auch die wunderschöne Natur in Finnland für Ausgleich. Diese hat mich gerade zu eingeladen wandern zu gehen, Lagerfeuer zu machen, Boot und im Winter Schlitten zu fahren oder auch Cross-Country Skiing zu machen. Des Weiteren haben Kommilitonen und ich ein Wochenende in einem der zahlreich vorhanden privaten Cottages verbracht und die Zeit genossen. Riesige Empfehlungen sind auch Trips nach Stockholm sowie in die baltischen Länder Lettland, Litauen und Estland zu machen. Und natürlich darf auch ein Trip Richtung Norden nach Lappland nicht fehlen. Auch eine Empfehlung ist es, nach der Uni, in einige der unendlich vielen öffentlichen Saunas zu gehen und den Tag ausklingen zu lassen. Hier erlebt man die komplette Finnland-Erfahrung.

Dies und Das

Mittagessen in einer der Mensen am Hervanta Campus                    Aussicht auf Kilpisjärvi, Lappland        
 
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Auslandssemester eine wunderschöne Zeit war, in der ich viele neue Gesichter kennengelernt habe, die später teilweise auch zu richtig guten Freunden geworden sind. Mit ihnen habe ich sowohl die freizeitlichen Dinge als auch den einen oder andere Unistress durchlebt. Auch habe ich viele neue Dinge, egal ob fachlich oder kulturell, gelernt. Ich selbst bin um einiges weltoffener und selbstbewusster geworden.

Alles in allem lässt sich nur sagen, dass das Auslandssemester eine riesige Bereicherung für mich war, die mir niemand mehr nehmen kann. Ich kann es jedem empfehlen, selbst solch eine Erfahrung zu machen.


Auslandsemester in Neapel, Italien

Erfahrungsbericht von Andrea Kern

Mein erstes Auslandssemester habe ich in Neapel, Italien absolviert. Ich war sehr interessiert an der Kultur und Sprache und wollte lernen etwas mehr aus mir heraus zu kommen. Dazu kann man bei italienischen Essen nichts falsch machen. Der Austausch lief über das Erasmus Programm und war von der TU Chemnitz gut organisiert. Es gibt aufklärende Infoveranstaltungen und freundliche Helfer an jeder Ecke um Studierenden bei der Organisation zu unterstützen. Die Wohnungssuche gestaltete sich im Internet und etwas schwierig. Wer aber rechtzeitig schaut, findet ein gutes Zimmer. Ich hatte Glück über einen privaten Kontakt mit einem Neapolitaner in eine WG ziehen zu können.

Campus und Stadt:

       Campus bei Fuorigrotta                                   Campus in Portici                          Ausblick aus der Bibo in Portici 
Ich habe in Neapel an der Federico II studiert, eine von 3 Universitäten in der Stadt und bei weitem die Älteste. Man muss sich etwas durch die Institutionen fuchsen, aber alle sind dabei sehr hilfsbereit. Die Fakultäten sind über die ganze Stadt verstreut, was eine Möglichkeit bietet alle Ecken der Stadt zu sehen und sich mit der italienischen Eisenbahn anzufreunden. Die Vorlesungen sind auf einem hohen Niveau und man wird durch die sehr offene Art der Mitstudenten sofort in die Gemeinschaft adoptiert. Sollte das durch ein Wunder nicht geschehen, so gibt es das Erasmus Student Network (ESN). Die Organisation ist sehr aktiv und veranstaltet viele Events und Reisen von Bierpong Meisterschaft über Poledance und Winetasting bis zu Reisen in die Toskana.
 
   Spaccanapoli Straße                 Ausblick auf Neapel mit Vesuv                             Piazza del Plebiscito   
 

Die Stadt Neapel ist sehr lebendig. Es gibt immer ein Treffen oder eine Party. Die Anwohner sitzen bis spät in die Nacht und unterhalten sich im Cafe mit Aperol für 3€. Nicht zu vergessen ist aber die reiche Historie der Stadt. Sehr zu empfehlen sind die Burg Sant’Elmo und der Palazzo Reale, sowie zahlreiche Museen. Unmöglich zu vergessen ist natürlich auch der Vesuv und Pompei, mit ihrer historischen Einmaligkeit. Der Vulkan ist von fast jeder Ecke der Stadt zu sehen und das ikonische Wahrzeichen. Pompei hingegen als weltbekannte Kulturstätte ist unglaublich interessant und auf jeden Fall einen Besuch wert. Geheimtipp wäre dazu Herculaneum, ein kleineres Pompei mit besser erhaltenen Gebäuden.

            Aperol für 0,50€                       Klassisches Süßgebäck Fiocco di Neve             Restaurant 

Land, Leute und Reisen: 

Italiener sind weltbekannt für ihre eben italienische Art. Neapolitaner sind noch intensiver! Sie sind sehr patriotisch und temperamentvoll. Man bekommt als Anwohner durchaus das eine oder andere Drama mit. Trotz dessen sind sie unglaublich freundlich und offen. Der Lieblingsfruchthändler kennt einen irgendwann beim Namen und freut sich über jeden Besuch. So fällt es auch leicht die Sprache weiter zu erlernen und etwas fließender zu werden. Die kulinarische Seite von Neapel ist zum Anbeten! Neapolitanische Pizza ist einfach unvergleichbar (Margarita für 5€) und das Streetfood ist wahnsinnig lecker. Dazu kommt die Kaffeesucht der ganzen Stadt. Man trinkt im Tag im Durchschnitt 5 Espressi (für 1€) in einer Bar (Cafe) im Stehen.

         Positano an der Amalfiküste                                    Pompei                                              Bucht der Insel Capri
 
Zu einem richtigen Auslandssemester gehört immer das Reisen. Hierzu gibt es viele Möglichkeiten und Destinationen. Ob man nun allein mit dem Flixbus oder der Bahn durch Italien reist oder einen Trip mit ESN unternimmt, es gibt immer etwas zu sehen. Vor der Küste Neapels liegen die Inseln Procida, Ischia und Capri, die alle sehr sehenswert sind. Am anderen Ende der Bucht befindet sich die schöne Stadt Sorrento mit seinen steilen Klippen und Zitronenflair und noch weiter südlich kann man die berühmte Amalfiküste bereisen und bewandern. Sollte es weiter weggehen sollen, so hat man von Palermo über Rom bis zur Toskana mit Florenz, Pisa oder Siena wirklich alles dabei. Mit dem Flugzeug gibt es natürlich noch weitere Ziele.   
                         

        Traditionelle Krippenkunst                             Ausblick von Burg Sant’Elmo                    Büffelmozzarella Fabrik

 

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich in Neapel wirklich viel gelernt habe. Sowohl über Stadt und Kultur, als auch über mich selbst. Ich würde es jedem empfehlen, der etwas mehr Stimmung und gute Laune vertragen kann und hart im Nehmen ist. Ich habe dort Freunde aus aller Welt gefunden, die ich dann in ihren Ländern besuchen konnte.

Ein Auslandsaufenthalt ist eine einzigartige Möglichkeit, die sich niemand entgehen lassen sollte.