Forschungskolloquium des Instituts für Psychologie
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In diesem Semester wird ein virtuelles Institutskolloquium angeboten. Zu einigen Terminen werden Gäste online einen Vortrag halten, zu anderen Terminen wird ein aufgezeichneter Vortrag per Videolink bereitgestellt, über den dann zu dem Kolloquiumstermin diskutiert wird.
Die Seite wird laufend aktualisiert. Terminwünsche und Informationen bitte über Prof. Dr. Frank Asbrock kommunizieren.
Veranstaltungsdaten des Sommersemester 2021
Diskussionsraum: BigBlueButton - InstitutskolloquiumMittwoch, 13:00 Uhr - 13:45 Uhr
Xuechunzi Bai und Prof. Susan Fiske (Princeton University)
gemeinsames Kolloquium mit dem SFB "Hybrid Societies"
Inaccurate stereotypes about social groups are widespread and consequential, but their origin is puzzling. Why do people think social groups differ from each other even absent group-level differences? Here, a minimal-process paradigm proves sufficient to produce inaccurate stereotypes, without other mechanisms. Without requiring motivations such as ingroup favoritism, cognitive limitations such as selective attention, or information deficits such as minority representations, a simple, locally rational exploratory sampling process is enough to create inaccurate stereotypes in an environment with no differences between groups. Our evidence comes from both a formal model and two well-powered experiments. This minimal-process paradigm revisits the origin of inaccurate stereotypes, provides new theoretical insight into this phenomenon, and proposes theory-driven interventions to reduce intergroup misunderstanding.
Dr. Iniobong Essien (FernUniversität in Hagen)
Menschen die benachteiligten ethnischen Gruppen angehören, sehen sich auch in Deutschland mit Diskriminierung konfrontiert (Kaas & Manger, 2011; Koopmans et al., 2019; Schneider et al., 2014; Stürmer et al., 2019; Tjaden et al., 2018; Weichselbaumer, 2016). Zudem sind negative und bedrohungsbezogene Stereotype gegenüber als türkisch, arabisch oder muslimisch wahrgenommen Menschen in der deutschen Gesellschaft verbreitet. Der Vortrag stellt Forschung zu spontanem Entscheidungsverhalten in Bedrohungskontexten vor. Zivilist*innen und Polizist*innen (N = 811) bearbeiteten computerbasierte Reaktionszeitaufgaben (First Person Shooter Task, FPST; Correll et al., 2002), in denen bewaffnete und unbewaffnete weiße und arabisch wahrgenommene Zielpersonen präsentiert wurden. Die Aufgabe der Teilnehmenden bestand darin, unter Zeitdruck zu entscheiden ob die Zielpersonen bewaffnet sind. Die Ergebnisse deuten auf einen sogenannten Shooter Bias bei Zivilist*innen und Polizist*innen hin: schnelleres und akkurateres Erkennen von Waffen bei arabisch wahrgenommenen (vs. weißen) Zielpersonen. Die Ergebnisse werden vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Stereotype und Vorurteile diskutiert.
Umsetzung von datenschutzrechtlichen Anforderungen in der Forschung
Termin noch nicht vergeben
Prof. Dr. Nicole Harth (Ernst-Abbe-Hochschule Jena)
Der Kurzvortrag beschäftigt sich mit der Frage, welche psychologischen Auswirkungen (z.B. auf das Wohlbefinden) der Corona-Pandemie beobachtet werden. Erste Studien zeigen, dass Frauen, insbesondere Mütter jüngerer Kinder, die stärkste Belastung verzeichnen und dies mit einer deutlichen Verschlechterung ihrer mentalen Gesundheit einhergeht (z.B. Thorsteinsen et al., 2021). Ausgangspunkt der Frage bildet der demokratische Anspruch, Menschen unterschiedlichen Geschlechts gleiche Behandlung, Teilhabe und Chancen zu ermöglichen. In unserer Querschnittsstudie (Harth & Mitte, 2020; Ntotal = 4653) wurden, unter Bezugnahme weiterer grundlegender sozialpsychologischer Forschung, geschlechtsspezifische Unterschiede während der Corona-Pandemie untersucht. Insbesondere Eltern werden in der Krise verstärkt mit klassischen Erwartungen an ihre Geschlechterrolle konfrontiert. Die latente Modellierung unserer Daten deutet darauf hin, dass auch Väter emotional sehr belastet waren. Konkret war zu beobachten, dass der Zusammenhang zwischen dem erlebten Rollenkonflikt (Vereinbarkeit von Familie und Beruf) und der emotionalen Belastung bei Vätern stärker ausgeprägt war als bei Müttern (Harth & Mitte, 2020). Annahmen darüber, wie Erwerbsarbeit, finanzielle Absicherung sowie die Kinderbetreuung aufgeteilt werden sollen, hängen auch in der modernen Gesellschaft stark mit traditionellen Geschlechtsstereotypen (z.B. Bear & Glick, 2017) zusammen. Die Ergebnisse unserer Studie können sowohl im Hinblick auf weiterführende Forschungsfragen als auch im Sinne eines Theorie-Praxis-Transfers diskutiert werden.
Dr. Sofia Stathi (University of Greenwich)
In the existing intergroup relations literature, there is substantial focus on how to improve people’s attitudes toward outgroups via intergroup contact. Most relevant research has considered contact as the starting point of subsequent relations, with less emphasis on understanding the factors that promote or inhibit engagement in intergroup contact. In this talk, I outline how people’s perceptions and meta-perceptions predict (or are associated with) contact experiences. Specifically, I integrate pluralistic ignorance and meta-perception premises and apply them to intergroup relations and dehumanization research. I present evidence from various (field and laboratory) studies on how people’s thoughts, fears and concerns regarding the ingroup and the outgroup predict intergroup contact, and discuss the findings in the context of emerging intergroup relations research trends.
Philipp Kanske (TU Dresden)
Komplexe soziale Interaktion erfordert eine Repräsentation der mentalen Zustände der Interaktionspartner:innen, der verborgenen Motivatoren, die das Verhalten steuern. Die neuronalen Netzwerke, die mit sozio-affektiven (Empathie) und sozio-kognitiven Prozessen (Mentalisieren/Theory of Mind) assoziiert sind, die eine solche Repräsentation ermöglichen, wurden in den letzten Jahren vielfältig untersucht. Ziel des heutigen Vortrags ist es, die Trennbarkeit dieser Funktionen während des sozialen Verstehens auf subjektiver, verhaltensbezogener und neuronaler Ebene zu untersuchen und die jeweiligen neuronalen Netzwerke in der funktionellen Architektur des Gehirns zu verorten. Zu diesem Zweck werde ich Daten aus verschiedenen sozialen Aufgaben, sowie resting-state-Befunden, interindividuellen Unterschieden und Trainingsstudien integrieren. Das Gesamtbild deutet darauf hin, dass sozialer Affekt und Kognition auf separate (Teil-)Bereiche breiter neuronaler Netzwerke zurückgreifen, die in charakteristischer Weise über funktionelle Domänen hinweg interagieren. Eine genaue Charakterisierung dieser Netzwerke könnte eine Vorhersage des tatsächlichen interaktiven Verhaltens ermöglichen.
Dr. Isabel Kreißig und Dr. habil. Franziska Bocklisch (Professur Allg. Psychologie und Human Factors, TU Chemnitz)
Die Nutzung von „grünem“, also durch regenerative Energien gewonnenem, Wasserstoff bietet eine große Chance für eine CO2-Reduktion im Mobilitätsbereich. So gehören Brennstoffzellen-Fahrzeuge zu den umweltfreundlichen Alternativen gegenüber konventionellen Fahrzeugen. Für die erfolgreiche Einführung dieser Zukunftstechnologie ist jedoch auch die Nutzerakzeptanz von entscheidender Bedeutung. Im Vortrag werden erste Ergebnisse einer Onlinebefragung zu psychologischen Aspekten der Nutzung von Wasserstoff-Fahrzeugen (N = 207) vorgestellt. Dabei stehen insbesondere Konstrukte der Akzeptanz der neuen Technologie, erlebte Barrieren und Motivatoren sowie subjektives Stresserleben und potentielle Risiken der Nutzung im Fokus. Im Rahmen eines quasi-experimentellen Designs werden zudem mögliche Unterschiede zwischen Personen mit viel und wenig Vorwissen über wasserstoffbetriebene Fahrzeugen näher beleuchtet. Generell zeigten sich unabhängig vom Vorwissen (1) umweltbezogene Motive als Haupttreiber und (2) infrastrukturelle Faktoren als Hauptbarrieren von Brennstoffzellen-Fahrzeugen aus Nutzerperspektive. Hinsichtlich der Einschätzungen möglicher Gefahren und Risiken hingegen fanden sich Unterschiede: Personen mit viel Vorwissen haben signifikant weniger Bedenken als Personen mit wenig Vorwissen über Wasserstoff-Fahrzeuge. Die Ergebnisse werden vor dem Hintergrund bisheriger psychologischer Forschungsbefunde zu alternativen Antrieben (z.B. Elektrofahrzeuge) diskutiert, mögliche Handlungsmaßnahmen abgeleitet sowie psychologische Kernfragestellungen für die weiterführende Nutzerforschung formuliert.
Termin noch nicht vergeben