Institutskolloquium des Instituts für Psychologie
Das Kolloquium wird im Sommersemester 2026 von der Professur für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie organisiert.
Die Vorträge finden jeweils hochschulöffentlich dienstags um 15:30-17:00h im Hörsaal B01.201 statt. Im Anschluss ist stets ab 18 Uhr ein Tisch in der L‘Osteria reserviert.
Veranstaltungsdaten im Sommersemester 2026
| Termin | Referent:in und Thema |
| 16.06.2026 |
Dr. Philipp Lorenz-Spreen, Leiter der Nachwuchsforschungsgruppe „Computational Social Science“ an der TU Dresden im Center Synergy of Systems: Das komplexe Zusammenspiel von Plattformmacht und Demokratie Dieser Vortrag spannt einen Bogen von alltäglichen Aufmerksamkeitsanforderungen via Benachrichtigungen und Newsfe:eds der sozialen Medien hin zu den großen Plattformen, die davon profitieren. In den letzten zwei Jahrzehnten haben digitale Technologien den öffentlichen Diskurs verändert: Die zunehmende Vernetzung hat selbstorganisierte Debatten ermöglicht, während Plattformen, ihre Algorithmen und nun auch generative KI einen beispiellosen Einfluss darauf gewonnen haben, was wir sehen und teilen. Ich vertrete die These, dass die Macht über den Diskurs weniger in der direkten Kontrolle von Inhalten liegt als vielmehr in der strukturellen Gestaltung der Plattformen. Unter Rückgriff auf Komplexitäts- und Verhaltenswissenschaften untersucht der Vortrag, warum Plattformen in manchen Kontexten demokratische Entwicklungen fördern können, während sie in vielen anderen Polarisierung, Misstrauen und autokratische Tendenzen schüren. Abschließend diskutiere ich, wie wir diese Effekte messen können und wie alternative Plattformkonzepte aussehen könnten. Lorenz-Spreen, P., Oswald, L., Lewandowsky, S., & Hertwig, R. (2022). A systematic review of worldwide causal and correlational evidence on digital media and democracy. Nature Human Behaviour, 7(1), 74–101. https://doi.org/10.1038/s41562-022-01460-1 |
| 23.06.2026 |
Aileen Krumma, Zentrum für kriminologische Forschung Sachsen e.V.: Herausforderungen der beruflichen Resozialisierung: Die Stereotypisierung und Diskriminierung ehemaliger Strafgefangener auf dem deutschen Arbeitsmarkt Die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt stellt einen zentralen Faktor für ein straffreies Leben nach der Haft dar: Beschäftigung sichert nicht nur ein legales Einkommen, sondern erfüllt auch wichtige soziale, strukturierende und identitätsstiftende Funktionen. Gleichzeitig gilt die Arbeitslosigkeit nach der Inhaftierung als einer der stärksten Risikofaktoren für eine erneute Straffälligkeit. Dennoch sehen sich ehemalige Strafgefangene mit erheblichen Zugangsbarrieren zum deutschen Arbeitsmarkt konfrontiert, die sich nicht zuletzt in der hohen Arbeitslosenquote nach der Entlassung aus dem Strafvollzug widerspiegeln. Empirische Befunde deuten darauf hin, dass diese Barrieren maßgeblich durch Stereotypisierungs- und Diskriminierungsprozesse seitens der Arbeitgeber:innen geprägt sind. Während ein erheblicher Anteil der Arbeitgeber:innen die Einstellung ehemaliger Strafgefangener gänzlich ablehnen, scheinen jene, die eine grundsätzliche Einstellungsbereitschaft signalisieren, ihre konkrete Entscheidung von spezifischen Faktoren abhängig zu machen, die in Zusammenhang mit der Haftvergangenheit stehen (z.B. Straftat). Ehemalige Strafgefangene unterliegen somit zusätzlichen Anforderungen im Bewerbungsprozess, die sie von Bewerber:innen ohne strafrechtliche Vorgeschichte unterscheiden und ihren Zugang zum Arbeitsmarkt weiter erschweren. Bislang fehlt es an umfassenden Studien zur beruflichen Wiedereingliederung ehemaliger Strafgefangener im deutschen Kontext. Internationale Befunde sind aufgrund rechtlicher und struktureller Rahmenbedingungen nur eingeschränkt auf den deutschen Raum übertragbar. Auf Grundlage qualitativer Interviews sowie quantitativer Daten einer Fragebogenstudie mit Arbeitgeber:innen beleuchtet der Vortrag bestehende Herausforderungen in der beruflichen Wiedereingliederung ehemaliger Strafgefangener und fokussiert dabei insbesondere die Stereotypisierung und Diskriminierung dieser Personengruppe auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Ziel des vorgestellten Projekts ist es, zentrale Zugangsbarrieren zu identifizieren und evidenzbasierte Handlungsempfehlungen für die berufliche Wiedereingliederung abzuleiten. |
| 14.07.2026 |
Dr. Dominik Dilba, Professur für Arbeits-, Organisations-, und Wirtschaftspsychologie: Sagt ein Bild mehr als 1000 Messzeitpunkte? Ein Überblick über Pilotstudien zur Erfassung subjektiver Beanspruchung durch gezeichnete Verläufe In der organisationspsychologischen Forschung steigt seit Jahren der Bedarf nach längsschnittlichen Daten – Selbstberichte im Querschnitt werden von Journals kaum noch akzeptiert, Mediationsmodelle werden routinemäßig im Längsschnitt geprüft und die Häufigkeit von Tagebuchstudien hat deutlich zugenommen. Dem Wunsch nach vielen Messzeitpunkten pro Tag über mehrere Wochen hinweg stehen Kosten, Aufwand und die erhöhte Last für Teilnehmende gegenüber. Inspiriert u.a. von der grafischen Datensammlung der New York Times (z.B. https://www.nytimes.com/interactive/2015/05/28/upshot/you-draw-it-how-family-income-affects-childrens-college-chances.html) haben wir pilotiert, inwiefern Studienteilnehmende zeiteffizient in interaktiven Grafiken retrospektiv reliable und valide Verläufe für z.B. tägliches Wohlbefinden oder Beanspruchung zeichnen können. Im Rahmen des Vortrags gebe ich einen Überblick über bisher durchgeführte Studien, u.a.:
Abschließend gebe ich einen Ausblick über mögliche Anwendungszwecke für Verlaufszeichnungen, z.B. als Ersatz oder Ergänzung zur Erfassung von Beanspruchung in Tagebuchstudien oder als Zugang zu pseudo-längsschnittlichen Informationen bei hypothetischen oder erinnerten Situationen. |