Leichtturm in der „Stadt der Macher“
Zur Feier ihres 20. Gründungstags erhielt die Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung hochrangige Glückwünsche für die vergangenen Erfolge – und Wünsche für die Erfolge von morgen.
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Glückwunsch zum 20. Gründungstag: Team der Professur SLK und Gäste. Foto: Ahmed Alzuabidi -
Prof. Lothar Kroll, Leiter der Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung. Foto: Ahmed Alzuabidi -
Prof. Thomas v. Unwerth, Prorektor für Transfer und Weiterbildung der TU Chemnitz. Foto: Ahmed Alzuabidi -
Dr. Andreas Handschuh, Chef der Sächsischen Staatskanzlei. Foto: Ahmed Alzuabidi -
Ralph Burghart, Bürgermeister für Personal, Finanzen und Bildung der Stadt Chemnitz und Vorsitzender des TU-Hochschulrates. Foto: Ahmed Alzuabidi -
Sören Trillenberg, Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung. Foto: Ahmed Alzuabidi -
Prof. Heike Graßmann, Staatssekretärin im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus. Foto: Ahmed Alzuabidi -
SLK-Führungsduo: Prof. Lothar Kroll (r.) und sein Vize, Prof. Wolfgang Nendel. Foto: Ahmed Alzuabidi
„Im Nachhinein scheint vieles selbstverständlich. Aber 2006, als ich mit 10 wissenschaftlichen Mitarbeitern hier startete, war nichts davon absehbar.“ Prof. Lothar Kroll kann seinen Stolz – und seine Rührung – nicht verbergen. Zum Festkolloquium hatte seine vor 20 Jahren gegründete Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung (SLK) an die Technische Universität Chemnitz geladen; und neben dem aktuellen SLK-Team waren auch viele Ehemalige sowie Spitzen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft der Einladung gefolgt.
„Die Professur SLK ist eine der sichtbarsten Forschungsstrukturen unserer Universität“, sagte Prof. Thomas v. Unwerth, Prorektor für Transfer und Weiterbildung der TU Chemnitz. „Grundlagenforschung und Transfer werden hier nicht als Gegensätze verstanden. Damit steht das SLK exemplarisch für etwas, das die TU Chemnitz auszeichnet.“
Starke Verbindung von Forschung, Transfer und industrieller Anwendung
„Die Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung an der TU Chemnitz hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu einem national und international sichtbaren Leichtbau-Verbund entwickelt“, hob Dr. Andreas Handschuh hervor, Chef der Sächsischen Staatskanzlei. „Eng verknüpft ist dieser Erfolg mit dem Engagement von Prof. Lothar Kroll, der das Bundesexzellenzcluster MERGE nach Chemnitz geholt und so für noch mehr internationale Sichtbarkeit der Professur gesorgt hat. Diese steht heute beispielhaft für die starke Verbindung von Forschung, Transfer und industrieller Anwendung bei uns im Freistaat. Gerade auch kleine und mittelständische Unternehmen können davon profitieren.“
Die Zusammenarbeit mit dem Mittelstand ist dabei kein ergänzendes Arbeitsfeld, sondern ein wesentlicher Bestandteil des Forschungsprofils. Das SLK verbindet Grundlagenforschung mit der Entwicklung von Werkstoffen, Bauteilen, Maschinen und Fertigungsverfahren. Seit der Berufung von Prof. Dr. Lothar Kroll im Jahr 2006 waren insgesamt knapp 500 Mitarbeitende an der Professur tätig. Mit aktuell 170 Beschäftigten ist das SLK die größte universitäre Professur in Deutschland. Für grundlagenorientierte, anwendungsbezogene und industrienahe Forschungsprojekte sowie für Baumaßnahmen warb die Professur seit Bestehen rund 500 Millionen Euro ein; unter Einbeziehung der beteiligten Forschungspartner beläuft sich das Gesamtprojektvolumen auf deutlich mehr als eine Milliarde Euro.
Wissenschaftliche Beiträge eröffneten Perspektiven auf Technologien, die die Zukunft des Leichtbaus maßgeblich prägen können. So führte Prof. Steffen Fischer, Leiter der Professur für Holz- und Pflanzenchemie an der TU Dresden, in die schier unerschöpfliche Vielfalt der Materialeigenschaften an, die Werkstoffe auf Holzbasis haben können. Prof. Gianaurelio Cuniberti, Leiter der Professur für Materialwissenschaft und Nanotechnik an der TU Dresden, wies den Weg zu „Physical AI“ – Materie, die ähnlich intelligent agieren kann wie Lebewesen oder digitale Systeme.
Regionalentwicklung und Nachhaltigkeit
Eine Traditionslinie von weit mehr als 20 Jahren zog Ralph Burghart, Bürgermeister für Personal, Finanzen und Bildung der Stadt Chemnitz und Vorsitzender des TU-Hochschulrates: „Chemnitz war schon immer eine Stadt der Macher.“ Und, direkt an Prof. Kroll gewandt: „Hier sitzt einer davon. Hier ist aber auch eine Mannschaft, ein Team geformt worden.“ Das Machen endet dabei für Burghart nicht an der Stadtgrenze: „Hier wird Zukunft gemacht, auch für die Region Südwestsachsen.“
Auf den regionalen Aspekt wies auch Sören Trillenberg in seinem Grußwort hin: „Die Kompetenzen der Professur SLK werden auch dort gebraucht, wo Sachsen vor großen Herausforderungen steht“, sagte der Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung: Das betrifft aktuell vor allem die Lausitz-Region. Durch zwei Großprojekte mit SLK-Beteiligung flössen dorthin insgesamt etwa 180 Millionen Euro, so Trillenberg: „Auf die Carbon LabFactory in Boxberg entfallen insgesamt 70 Millionen Euro Investitionen, am Standort Schwarze Pumpe liegt das Volumen für CircEcon bei insgesamt 108 Millionen Euro.“ Alexander Dierks, Präsident des Sächsischen Landtags, ergänzte die historische Dimension: „Sehr viele Menschen leben hier davon, dass wir kluge Köpfe haben – eine Spezialität unserer Region seit 200 Jahren.“
Auf die Zukunft der Professur SLK fokussierte sich die Staatssekretärin im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus, Prof. Dr. Heike Graßmann: „Der Blick nach vorn gilt dem nachhaltigen Leichtbau“, sagte sie. Diesen Ball nahm Prof. Kroll in seinem Schlusswort auf. „Es muss leichter sein, billiger – und grüner“, beschrieb er in seinem Ausblick die Herausforderungen, vor denen die Branche – und die Professur – stehen. Aber durch ihren ganzheitlichen und praxisorientierten Ansatz sei die Professur SLK gut dafür gerüstet: „Leichtbau betrachten wir nicht als einzelne Technologie. Wir können die gesamte Wertschöpfungskette anbieten – oft auch weltweit einzigartig.“
Detlef Gürtler
01.10.2026