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Forschungsbeiträge zur Integration

In Dresden wurde das Netzwerk "Integrations-, Fremdenfeindlichkeits- und Rechtsextremismusforschung in Sachsen" mit Beteiligung der TU Chemnitz gegründet

Der enorme Anstieg der Geflüchteten und Asylsuchenden in Deutschland zog weitreichende Folgen mit sich, die vor allem Sachsen vor große Herausforderungen stellten. Die Zahl fremdenfeindlicher Ausschreitungen gegen Flüchtlinge und deren Unterkünfte war in in diesem Teil Deutschlands höher als in jedem anderen Bundesland. Außerdem konnten bis zu 25.000 Menschen von der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung in Dresden mobilisiert werden. Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, wurde am 7. Juni 2016 in Dresden das Forschungsnetzwerk Integrations-, Fremdenfeindlichkeits- und Rechtsextremismusforschung in Sachsen, kurz IFRiS, angestoßen. Dieses Netzwerk ist ein Zusammenschluss von Forschern der Universitäten in Chemnitz, Dresden und Leipzig sowie des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung. Es wird vom Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst bis Ende 2016 mit einer Anschubfinanzierung von 60.000 Euro unterstützt.

„In erster Linie ist IFRiS ein Forschungsnetzwerk. Als solches wollen wir hauptsächlich neue wissenschaftliche Erkenntnisse über die Zusammenhänge von Integration, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus gewinnen“, gibt IFRiS-Mitglied Prof. Dr. Antje Röder, Inhaberin der Professur Soziologie mit dem Schwerpunkt Empirische Sozialforschung an der TU Chemnitz, Einblick in das Vorhaben des Netzwerks. „Wir hoffen, dass die von uns gewonnenen Erkenntnisse helfen, die gesellschaftliche Debatte zu versachlichen und langfristig auch dazu beitragen, die Herausforderungen der Integration zu meistern.“ In diesem Zusammenhang verweist die Soziologin darauf, dass vor allem Chemnitz von dem starken Zuwachs an Geflüchteten und Asylsuchenden positiv beeinflusst werden kann. „Unsere Studie steht noch ganz am Anfang“, merkt Prof. Röder an. „Doch ich denke, dass Chemnitz gerade aufgrund seines demographischen Status sehr von Migration profitieren kann. Allerdings kann dies nur geschehen, wenn es gelingt, die Menschen auch einzubinden und ihnen in der Stadt Perspektiven zu bieten." Dahingehend passiere bereits einiges in der Region.

Das Forschungsnetzwerk startet bereits ein Projekt mit dem Titel „FLIN – Flucht und Integration". Dieses stellt sich den Fragen, welche Menschen überhaupt in Sachsen ankommen und welche Einstellungen sie mitbringen, was ihre Integration fördert und erschwert und welche Wirkung Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus auf ihre Integrationsperspektiven haben. „FLIN ist ein Basisprojekt, welches bis Ende des Jahres durchgeführt wird. Aktuell entwickeln wir einen Fragebogen, mit dem wir Geflüchtete mit Bleibeperspektive zu ihren Erwartungen und Erfahrungen befragen“, erläutert Prof. Röder. „Besonders interessiert uns in dem Zusammenhang, inwiefern die Flüchtlinge die angespannte Situation, aber auch die vielen Bemühungen in der Region wahrnehmen und darauf reagieren.“

Seit vielen Jahren forscht Prof. Röder zu den Themengebieten Migration und Integration, vor allem auch im internationalen Vergleich. Ihre Fachkenntnisse zur empirischen Sozialforschung und ihre jahrelangen Erfahrungen mit dem sensiblen Thema will die Soziologin in das sächsische Forschungsnetzwerk einfließen lassen. „Beispielsweise möchte ich zur Entwicklung der Stichprobe oder des Befragungsinstrumentes beitragen. Ebenso habe ich bereits einige Erfahrungen mit Befragungen von Migranten in verschiedenen Kontexten sammeln können, die in Aussicht auf unser Forschungsvorhaben hilfreich werden. Auch meine Forschung zur soziokulturellen Integration von Migranten bringe ich in das Netzwerk ein.“ Seit etwa einem Jahr ist die Chemnitzer Soziologieprofessoin nun wieder in Deutschland tätig. „Meine Rückkehr fiel zeitlich zusammen mit dem Anstieg der Zahl an Geflüchteten, die nach Deutschland kamen. Daher habe ich großes Interesse, mich hier stärker zu vernetzen und entsprechende Projekte mit den sächsischen Kollegen anzubahnen.“ Auch mit mehreren Professorinnen und Professoren der TU Chemnitz steht Prof. Röder deshalb im Gespräch, mit der Aussicht, bald einige weitere fachkompetente und die gemeinsame Forschung bereichernde Mitglieder im Netzwerk aufzunehmen.

Weitere Informationen erteilt Prof. Dr. Antje Röder, Telefon 0371 531-31859, E-Mail antje.roeder@soziologie.tu-chemnitz.de

(Autorin: Sabrina Schäfer)

Mario Steinebach
13.06.2016

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