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Uni aktuell Vorgestellt

Werkstoffe nach dem Vorbild der Natur

Elf Fragen an Prof. Dr. Guntram Wagner, der seit Juli 2014 Inhaber der Professur Verbundwerkstoffe ist

  • Prof. Dr. Guntram Wagner erforscht Verbundwerkstoffe und Werkstoffverbunde. Unter anderem befasst er sich mit Friction Stir Processing, einer neuartigen und leistungsfähigen Methode, um beispielweise Verstärkungspartikel großflächig in Werkstückoberflächen einzubringen. Foto: Steve Conrad

Prof. Dr. Guntram Wagner (50) ist seit Juli 2014 Inhaber der Professur Verbundwerkstoffe an der Fakultät für Maschinenbau. In elf Antworten gibt er den Lesern von „Uni aktuell“ Einblicke in seinen Werdegang, seine Ziele und seine Zeit in Chemnitz.

Was versteht man eigentlich unter Verbundwerkstoffen?

Verbundwerkstoffe bestehen zumeist aus mindestens zwei Werkstoffkomponenten, der Matrix und der Verstärkungskomponente. Ziel des erzeugten Verbundwerkstoffes ist es, einen Werkstoff zu erhalten, der bessere Eigenschaften aufweist, als dessen Ausgangskomponenten. Die Natur hat es uns mit natürlichen Verbundwerkstoffen wie Holz und Knochen vorgemacht, wie gut es funktionieren kann. Eine bekannte Neuentwicklung auf diesem Gebiet ist die Carbon-Keramik-Bremsscheibe, die bisher aber nahezu ausschließlich in Sportfahrzeugen eingesetzt wird. An der Professur Verbundwerkstoffe arbeiten wir daher an Verfahren, die eine kostengünstige Herstellung dieser leichten und leistungsfähigen Bremsscheiben für den Massenmarkt ermöglichen, um auch für jeden Kleinwagenfahrer die Vorteile dieses innovativen Verbundwerkstoffes bezahl- und nutzbar zu machen.

Die TU Chemnitz ist für mich als Professor die richtige Wahl, weil…

…hier die Entwicklung innovativer Verbundwerkstoffe eine lange Tradition hat. Dies bedeutet eine hervorragende Einbindung in ein auf diesem Gebiet sehr erfolgreiches Netzwerk auch über die Fakultätsgrenzen hinaus und ein sehr gut aufgestelltes national und international anerkanntes Team an der Professur Verbundwerkstoffe sowie am Institut für Werkstoffwissenschaft und Werkstofftechnik.

Stellen Sie uns kurz Ihre akademische Laufbahn vor.

Meine Wahl des Studienortes fiel auf die noch junge aber dementsprechend sehr modern ausgestattete TU Kaiserslautern. Dort schloss ich das Studium mit der Vertiefungsrichtung Allgemeiner Maschinenbau ab. Anschließend promovierte ich im Fachgebiet Werkstoffkunde zum Thema des Erzeugens von Glas/Metall-Verbunden durch Ultraschallschweißen. Nach meiner Promotion kamen neue Forschungsschwerpunkte hinzu. Ich beschäftigte mich auch mit dem Ermüdungsverhalten von Stählen, Leichtmetallen und Verbundwerkstoffen. Ferner übernahm ich die Aufgaben des Oberingenieurs und baute die Abteilung Füge- und Ultraschalltechnik mit einem international anerkannten Forschungslabor auf. Ein aktuelles Highlight an meiner früheren Wirkungsstätte war die Entwicklung eines Ultraschallermüdungssystems, das nun auch an der TU Chemnitz zum Einsatz kommen wird. Im Sommer 2014 folgte ich dann dem Ruf an die TU Chemnitz auf die Professur Verbundwerkstoffe.

Beschreiben Sie Ihre Studienzeit in maximal 15 Worten.

Spannend, lokales und wissenschaftliches Neuland, Überfüllung und Videoübertragung da Babyboomer, Grenzen verschieben lernen, beste Entscheidung.

Hatten Sie während Ihrer Studienzeit Vorbilder, die Sie zur wissenschaftlichen Karriere ermutigt haben?

Neben einer vorhandenen familiären Prägung war sicherlich mein Physik-Leistungskurs-Lehrer ursächlich für das Interesse an der Werkstoffkunde. Er unternahm eine Exkursion mit „seinem“ LK an das bereits schon damals sehr renommierte Institut für Metallforschung in Stuttgart. Dort wurden Kupfereinkristalle hergestellt, die man in die Hand nehmen durfte. Diese fühlten sich zunächst sehr weich, fast fließend an und waren nach der Verformung plötzlich fest. Das hat mich bereits damals fasziniert, auch ohne dass ich wusste, welche Verfestigungsmechanismen hierbei zum Tragen kommen.

Was geben Sie jungen Studierenden und Absolventen mit auf den Weg?

Den Studierenden: konzentriert studieren und sich an den richtigen Stellen auch mal Zeit lassen. Über örtliche und wissenschaftliche Grenzen hinaus denken. Kontakte zu den Professoren und deren wissenschaftlichen Mitarbeitern suchen, um auf diese Weise das für sich selbst spannendste Forschungsfeld zu finden. Den Absolventen: Vergesst eure Universität nicht, wir können noch viel Neues gemeinsam entwickeln.

Was möchten Sie künftig in der Lehre erreichen?

Bisher konnte ich mit meinen Vorlesungen die Studierenden für Werkstoffe, Verbundwerkstoffe, Werkstoffverbunde usw. auch nachhaltig begeistern. Ich hoffe, dass mir dieses auch an der TU Chemnitz gelingt. Aktuell bin ich mit meinem Team dabei, neue Lehrformen wie Online-Strukturen, praxisnahe Übungen sowie Fachdiskussionsforen mit Bezug auf die einzelnen Veranstaltungen vorzubereiten und zu integrieren. Die Leitung der TU Chemnitz hat sich bereit erklärt, diese Aktivitäten auch finanziell zu fördern.

Welche Impulse setzen Sie in der Forschung an der TU Chemnitz?

Neben den bereits beschriebenen Verbundwerkstoffen werden auch Werkstoffverbunde im Zentrum meiner Forschungsaktivitäten stehen. Ein wichtiges Feld stellen dabei innovative Lötverbindungen beispielsweise mit Nanopartikeln dar. Zudem werde ich mich mit Friction Stir Processing beschäftigen, eine neuartige und leistungsfähige Methode, um beispielweise Verstärkungspartikel großflächig in Werkstückoberflächen einzubringen. Die bereits bestehende Anlage wurde Mitte Dezember aus Kaiserslautern an die TU Chemnitz transferiert und hat am ITC eine neue Heimat gefunden. Auch die additive Fertigung von Verbundwerkstoffen wird ein wichtiges Forschungsfeld sein.

Es gibt rund 45.000 Professoren an deutschen Hochschulen. Was hebt Sie ab?

Obwohl Verbundwerkstoffe in vielen Bereichen unseres Lebens inzwischen von sehr großer Bedeutung sind, gibt es nur eine überschaubare Anzahl von Professoren und Forschern, die auf diesem Gebiet aktiv sind. Die Herausforderungen sind daher äußerst vielfältig.

Welchen Ort in Chemnitz zeigen Sie Gästen am liebsten?

Neben der attraktiven Universität die wiederentstehende Innenstadt mit einer oftmals gelungenen Kombination aus Alt und Neu. Ein Besuch des „Nischel“, der ja Rheinland-Pfälzer ist, ist dabei Pflicht.

Wie bringen Sie sich ins Leben der Stadt ein?

Im Moment konzentrieren sich meine Aktivitäten noch auf den Universitätsstandort. Ferner schaue ich mir, wann immer ich Zeit habe, die einzelnen Stadtteile und die Umgebung von Chemnitz an. Das Wasserschloss Klaffenbach und das Schloss Augustusburg kenne ich bereits.

Weitere Informationen zur Professur: https://www.tu-chemnitz.de/mb/lvw

Katharina Thehos
15.12.2015

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