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„Mathematik ist ein unendliches Puzzle“

Angefangen als rumänischer Austauschstudent, lehrt und forscht Dr. Sorin-Mihai Grad heute selbst an der Professur für Angewandte Mathematik (Approximationstheorie) der TU Chemnitz

  • Nach der Vorlesung ist die Tafel immer voll beschrieben: Dr. Sorin-Mihai Grad versucht seinen Studenten die mathematischen Beziehungen anschaulich zu vermitteln. Foto: Andy Schäfer

„Mathematik ist ein unendliches Puzzle, es gibt immer etwas zu entdecken“, erklärt Dr. Sorin-Mihai Grad, was für ihn das Faszinosum Mathematik ausmacht. Die Begabung für Zahlen war bei dem promovierten Mathematiker schon früh offensichtlich, als er aufgrund seiner guten Leistungen eine gesonderte Klasse für Mathematik besuchen durfte. Geboren im rumänischen Satu Mare nahm er mehrfach an der dortigen Nationalolympiade in diesem Fachbereich teil und erreichte sehr gute Platzierungen. Später besuchte er ein Kollegium in seiner Heimatstadt, das ihn auch in englischer Sprache unterrichtete. „Die Mathematik war für mich das, worin ich mich selbst sah“, sagt er heute über seine Entscheidung, dem Fach nachfolgend auch akademisch weiter nachzugehen.

So ist kaum verwunderlich, dass sich nach dem Schulabschluss ein Diplomstudium der Mathematik anschloss, das er 1997 an der Babeş-Bolyai Universität im rumänischen Cluj-Napoca, zu Deutsch Klausenburg, aufnahm. Ein Stipendium des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst im Rahmen der langjährigen Hochschulpartnerschaft beider Universitäten, führte ihn schließlich an die TU Chemnitz. Dort lernte er auch Prof. Dr. Gert Wanka, Leiter der Professur für Angewandte Mathematik (Approximationstheorie) an der TU, kennen, der gemeinsam mit Dr. Radu Ioan Boţ und Prof. Dr. Dorel Duca die Diplomarbeit von Sorin-Mihai Grad betreute. 2001 in Rumänien verteidigt, stand für den Diplom-Mathematiker direkt fest, ein Masterstudium in Reeller und Komplexer Analysis anzuschließen. Angemeldet an der Klausenburger Universität, bereitete er als Austausch-Masterstudent seine Masterarbeit über Entropieoptimierung in Chemnitz vor, um sie an der Babeş-Bolyai Universität zu verteidigen. Nachdem er sich für ein Promotionsstipendium der Karl- und Ruth-Mayer Stiftung an der Technischen Universität Chemnitz erfolgreich beworben hat, beschloss er, von nun an gänzlich in Chemnitz zu bleiben. „Wir waren mehrere Doktoranden und es war eine sehr gute Zusammenarbeit in der Arbeitsgruppe“, beschreibt Dr. Grad diese Zeit. Mit der Dissertation zum Thema „New insights into conjugate duality“ wurde er 2006 schließlich promoviert.

Nach seinem Doktortitel entschied er sich, weiterhin in Chemnitz im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projektes mitzuarbeiten. Er arbeitete außerdem gemeinsam mit Prof. Wanka und Dr. Boţ an einer Monografie über Vektoroptimierung, die 2009 beim Springer-Verlag erschienen ist. Beiden fühlt er sich in großem Dank verbunden, ihn auf seinem akademischen Weg stets unterstützt zu haben. Innerhalb seiner Mitarbeit an einem DFG-Folgeprojekt entstand seine Habilitationsarbeit zum Thema „Recent advances in vector optimization and set-valued analysis via convex duality“, die 2014 ebenfalls beim Springer-Verlag veröffentlicht wurde und ihm die Lehrbefugnis für das Lehrgebiet Mathematik erteilte. Der seit April dieses Jahres an der TU Chemnitz dozierende Dr. Grad ist dabei bestrebt, seinen Studenten, die aus vielen verschiedenen Fachrichtungen kommen, den Stoff der Mathematik möglichst praxisnah zu vermitteln. „Wenn ich meine Vorlesungen vorbereite, versuche ich immer, die Fragen der Studenten zu antizipieren und Beispiele sowie Gegenbeispiele parat zu haben“, so der 35-Jährige. Aktuell forscht er im Rahmen eines DFG-Projektes zur Vektoroptimierung.

Dass sich durch die Mathematik viele internationale Kontakte knüpfen und ausbauen lassen, beweist nicht nur der Werdegang von Dr. Grad. Die Professur für Angewandte Mathematik (Approximationstheorie) pflegt seit Jahren viele akademische Beziehungen ins Ausland. Ein Weg des Kontakteknüpfens sind Konferenzen, die wissenschaftlichen Austausch ermöglichen und das Netzwerk erweitern. „Durch die Wissenschaft bestehen Kontakte nach Kanada, Peru, Brasilien, Chile, Japan, Australien, Türkei, in die Mongolei und innerhalb Europas“, zählt Dr. Grad auf. Durch intensive Zusammenarbeit mit der Fakultät für Mathematik und Informatik der Babeş-Bolyai Universität Klausenburg entstehen zudem weiterhin Studentenaustausche und gemeinsame Projekte. Insgesamt haben an der Professur für Angewandte Mathematik (Approximationstheorie) seit 2003 fünf Nachwuchswissenschaftler von der Babeş-Bolyai Universität Klausenburg auf dem Gebiet der mathematischen Optimierung promoviert und zwei haben ihre Habilitationen erfolgreich zum Abschluss gebracht. Durch Assoc. Prof. Dr. Boţ, der vor Dr. Grad den Weg von Rumänien nach Chemnitz gegangen ist, besteht ein enger Kontakt an die Universität Wien. Generell stehen ehemalige Promotionsstudenten aus dem Ausland meist noch in Kontakt zur Chemnitzer Professur für Angewandte Mathematik (Approximationstheorie). Daneben waren schon eine Vielzahl von Mathematikern Gäste der Professur. Sie halten Vorträge, um ihre Arbeit vorzustellen, oder werden zu Diskussionen eingeladen. Zudem lassen sich so gemeinsam Ideen entwickeln und wissenschaftliche Publikationen erarbeiten. Erwähnenswerte Beispiele sind die Besuche von Prof. Dr. Boris Mordukhovich (2009) von der Wayne Universität Detroit und Prof. Dr. Heinz Bauschke (2011) von der Universität British Columbia Okanagan Kelowna, die sich um die Variationelle Analysis bzw. Konvexe Analysis international verdient gemacht haben.

Doch mathematische Brücken zu bauen, bleibt nicht die einzige Faszination von Dr. Sorin-Mihai Grad. Neben seinem Talent für Zahlen steckt in ihm auch ein Poet, der 2010 den Gedichtband „SUROGAT“ in rumänischer Sprache veröffentlicht hat. Daneben ist er Mitbegründer und Editor der rumänischen e-Literaturzeitschrift EgoPHobia. „Soziales, Kulturelles, Persönliches – es geht um eine Vielzahl von Themen“, sagt Dr. Grad über seine literarischen Motive und bemerkt weiter: „Schließlich besitzt auch das Leben selbst viele verschiedene Facetten.“

Übersicht über die internationalen Kooperationen der Professur für Angewandte Mathematik: https://www.tu-chemnitz.de/mathematik/approximation/gaeste.php

(Autor: Andy Schäfer)

Katharina Thehos
11.12.2014

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