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Außergewöhnliche Selbstverständlichkeit

Seit 2012 befindet sich die Telefonzentrale der TU in der Carolastraße - Dort vermitteln Ursula Steinbrich und Volker Steinert Anrufende weiter

  • Wer die zentrale Telefonnummer der TU Chemnitz, also die 0371 531-0, wählt, erreicht die Telefonzentrale. Dort nehmen Ursula Steinbrich und Volker Steinert die Anrufe entgegen und vermitteln sie weiter. Foto: Philip Knauth
  • Da die beiden Mitarbeiter blind sind, befindet sich vor ihren Computern zusätzlich zur Tastatur eine Braillezeile, also ein Computer-Ausgabegerät, das Zeichen in Brailleschrift darstellt. Foto: Philip Knauth

Die meisten Studenten verbinden mit dem Universiätsgebäude in der Carolastraße 8 vermutlich vor allem das Domizil des Clubs FX im Keller. In den oberen Etagen befinden sich jedoch Verwaltungseinrichtungen wie die beiden Dezernate Haushalt und Wirtschaft sowie Personal. Seit 2012 findet man dort auch die Räumlichkeiten der Telefonzentrale. Auf den ersten Blick wirkt die Arbeitsstelle von Ursula Steinbrich und Volker Steinert wie ein gewöhnliches Büro: ein großer Schreibtisch, ein Regal, zwei Computer mit Bildschirmen, zwei Telefonanschlüsse. Nur eine Sache unterscheidet das Büro der beiden Angestellten von anderen: Vor jedem Computer befindet sich zusätzlich zur Tastatur eine sogenannte Braillezeile. Die Braillezeile ist ein Computer-Ausgabegerät für blinde Menschen, das Zeichen in Brailleschrift, einer von Louis Braille 1825 entwickelten Blindenschrift, darstellt.

Das Gerät ist notwendig, denn Ursula Steinbrich und Volker Steinert sind beide blind - eine Einschränkung für ihre Arbeit bedeutet das jedoch nicht. Seit 1975 arbeitet Ursula Steinbrich schon für die Technische Universität. "Angefangen habe ich als Stenophonotypistin an der Universität und habe beispielsweise Diktate aufgenommen und Sitzungen protokolliert. In der Telefonzentrale fing ich 2005 an, damals noch in der Reichenhainer Straße", erzählt Steinbrich. Im Gegensatz zu Volker Steinert, der bereits von Anfang an seit 1982 in der Telefonzentrale arbeitet. "Damals hatte noch jeder Uniteil seine eigene Telefonzentrale, doch diese wurden mit den Jahren zusammengeschlossen", erklärt Steinert.

Zu den Aufgabenbereichen der beiden gehört vor allem die Weiterleitung jeglicher Anfragen, die in der Universität eingehen. Täglich von 7 Uhr bis 17 Uhr. "Ob Seniorenkolleg, Studienanfänger oder der Paketdienst, der mal wieder wissen will, wo er seine Lieferung hinbringen soll - wir sind die erste Anlaufstelle dafür und vermitteln alle Anfragen an die richtigen Stellen weiter", berichtet Steinert. Auch die Beantwortung von Fragen per E-Mail ist Dank der Braillezeile kein Problem. Trotz der modernen technischen Ausstattung und der jahrelangen Routine sind die beiden, wie bei jeder Arbeit, nicht vor kleineren Pannen gefeit. "Als wir die neuen Geräte bekamen, ist mir während eines Anrufs einmal die Technik abgestürzt. So konnte ich die Angaben auf dem Bildschirm nicht mehr erkennen. Als sich dann der Anrufer meldete ist mir ein `dieser Bösewicht´ in Richtung der Technik herausgerutscht. Der Anrufer dachte, dass ich meinen Namen genannt hätte und nannte mich fortwährend nur noch Frau Bösewicht", schildert Steinbrich.

Eine wichtige Aufgabe der Telefonzentrale ist für Steinert vor allem die zwischenmenschliche Kommunikation: "Menschen sind doch froh, wenn sie Fragen haben, mit Menschen persönlich zu sprechen und nicht mit automatischen Telefonansagen. Gerade Studienanfänger, die einen komplett neuen Lebensabschnitt vor sich haben, suchen den Dialog auch mit uns." Und dabei macht es auch keinen Unterschied, ob jemand blind ist. "Einmal habe ich einen Anrufer, der mit dem Auto unterwegs war und sich nicht in Chemnitz auskannte, am Telefon von der Autobahn bis zum Uni-Teil Reichenhainer Straße navigiert. Er wollte mir bis zum Schluss nicht glauben, dass ihn gerade ein Blinder via Telefon quer durch die halbe Stadt gelotst hat", erzählt Steinert.

Auch Claudia Schwarz, die im Dezernat Haushalt und Wirtschaft für Beschaffung, Call Center und IT zuständig ist und seit Jahren mit Ursula Steinbrich und Volker Steinert zusammen arbeitet, ist von der Arbeit der beiden begeistert. "Gerade die Lockerheit im Umgang mit ihrer Blindheit ist erstaunlich und es ist schon außergewöhnlich, mit welcher Selbstverständlichkeit die beiden ihre Arbeit erledigen. Beim Zusammenarbeiten merkt man keine Einschränkungen", stellt Schwarz fest. "Außer vielleicht beim Lesen von PDFs, soweit ist die Technik dann doch noch nicht", erwidert Steinbrich lachend.

(Autor: Antonin Fischer)

Katharina Thehos
03.03.2014

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