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Eine Renaissance nach 45 Jahren

Kunst an der TU Chemnitz: Ein fast in Vergessenheit geratenes Wandbild von Will Schestak ziert heute einen Beratungsraum des Zentrums für Lehrerbildung im RAWEMA-Gebäude

  • Der Chemnitzer Künstler Will Schestak besuchte 2001 noch einmal sein Wandbild "Marktszene", das von südländisch anmutenden Gebäuden sowie Szenen aus dem Leben des Künstlers in Nordböhmen dominiert wird. Foto: Bildarchiv/Heinz Patzig
  • Christian Schestak, der Sohn des verstorbenen Chemnitzer Künstlers Will Schestak, ist erschrocken, wie Vandalen vor der Sanierung des RAWEMA-Geäudes das Wandbild an einigen Stellen zerstört haben. Nun sucht die Universität nach geeigneten Wegen, das Bild zu restaurieren. Foto: Mario Steinebach
  • Dorothea Schneider vom Zentrum für Lehrerbildung hat eine Tafel gestaltet, die neben dem Wandbild den Künstler vorstellt und die ursprüngliche Ansicht in der Kantine des Industriezentrums Karl-Marx-Stadt. Foto: Mario Steinebach

Ein eher unbekanntes Wandbild aus dem Jahr 1968 rückt mit der Wiedereinführung der Grundschullehrerausbildung an der Technischen Universität Chemnitz zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit. Gemeint ist das Bild "Marktszene" des Chemnitzer Künstlers Will Schestak. Es befindet sich im Zentrum für Lehrerbildung in der 3. Etage des RAWEMA-Gebäudes an der Straße der Nationen 12. Hier schmückt es heute einen Beratungsraum.

Erst 1995 wurde dieses Wandbild unter einer dicken Tapetenschicht entdeckt und restauriert. Während der Sanierung des RAWEMA-Gebäudes wurde 2010 der Erhalt des Bildes festgelegt. Auch im weiteren Verlauf der Sanierungsarbeiten setzte sich besonders der Prorektor für Lehre, Studium und Weiterbildung der TU Chemnitz, Prof. Dr. Christoph Fasbender, für den Erhalt des Wandbildes ein. "Leider gibt es an der einen oder anderen Stelle Einbußen aufgrund der Sanierung des Gebäudes sowie Schäden durch Vandalismus. Damit das Wandbild auch weiterhin in vielen bunten Farben strahlen kann, ist eine Restaurierung angedacht", sagt Fasbender. Nun, 45 Jahre nach der Entstehung, können sich Chemnitzer Lehramtsstudenten, TU-Mitarbeiter und Gäste des Zentrums für Lehrerbildung diesem Kunstwerk nähern. Ein Schild stellt dem Betrachter auch den Künstler vor.

Das Gemälde zeigt Erinnerungen aus Kindertagen Will Schestaks in seinem böhmischen Heimatort Mariaschein. Zu sehen ist unter anderem der Eisverkäufer Preschina. Keiner konnte den Leuten sein Eis so schmackhaft machen wie Preschina, erinnerte sich der Maler auch im Alter von 92 Jahren noch gern: "Eine Vanille für die ganze Familie, eine Mokka für Professor Kocka, und eine für die Kleinen, damit sie nicht weinen." Das Wandbild dekorierte einst die Kantine in der 3. Etage des früheren Industriezentrums.

Beim Gestalten seines Werkes wählte Schestak bewusst heitere, Lebensfreude versprühende Farben. Das Bild sollte im Kontrast zur täglichen Arbeit stehen und den Arbeitern so die Möglichkeit geben, ihren Gedanken in den Pausen freien Lauf zu lassen. Die fließenden und kaum geraden Formelemente, welche sich mehrfach wiederholen, sind für dieses Werk und die Entstehungszeit markant. Dies lässt sich beispielsweise an dem Bildaufbau und dem Blickwinkel erkennen. Folgt man dem Bild von links nach rechts unten und von dort nach oben und nach links zurück, so erkennt man nicht nur die Muster im Kontrast zueinander, sondern auch die wiederkehrenden Formen.

Christian Schestak, der Sohn des Künstlers, erinnert sich: "Mein Vater wollte, dass die Mitarbeiter im Speisesaal nicht auf Maschinen blicken, denen sie bereits in der Produktion begegnen. Deshalb schlug er ein farbenfreudiges Motiv vor, dass sowohl dem Zeitgeist als auch seinen eigenen Intentionen entsprach. Und er konnte sich bei allen, die über seinen Entwurf zu entscheiden hatten, durchsetzen." Mehr als einen Monat habe Will Schestak für das Auftragen der Latexfarben benötigt. Ein kleiner Seitenhieb auf die Situation in der DDR gelang dem Künstler in seinem ideologiefreien Werk auch, denn die auf dem Wandbild dargestellten Südfrüchte, gab es im Handel nur selten zu kaufen.

Zur Person: Will Schestak

Der 1918 in Mariaschein bei Teplitz-Schönau in Nordböhmen geborene Künstler erlebte in jungen Jahren einen tiefen Einschnitt in seine künstlerische Ausbildung. Bis zum Beginn des Krieges lernte er an der Akademie der Bildenden Künste in Prag bei Prof. Heinrich Hönich und besuchte anschließend dessen Malklasse. Der Kriegsdienst unterbrach sein Kunststudium, das er durch die Kriegsfolge nicht mehr abschließen konnte. Schestak wurde aus seiner Heimat vertrieben. Der Zufall führte ihn in das vom Krieg zerstörte Chemnitz, wo ein neuer und wichtiger Lebensabschnitt für ihn begann. Anfang der 1960er Jahre widmete er sich verstärkt der Landschaftsmalerei. Es war für ihn eine verinnerlichte und vergeistigte Interpretation der persönlichen Beziehung zur Heimat. Neben zahlreichen regionalen Ausstellungen präsentierte Schestak seine Werke auch auf Ausstellungen in Berlin, Tschechien, Rumänien sowie Österreich. Will Schestak verstarb 2012, noch bevor neues Leben in das RAWEMA-Gebäude einziehen konnte und sein Wandbild wieder öffentlich zugänglich wurde. Er war bis zum Zeitpunkt seines Todes ältestes Mitglied des Chemnitzer Künstlerbundes e.V.

Mario Steinebach
22.11.2013

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