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Wenn die Forschung nach Deutschland lockt

Derzeit forschen 20 Stipendiaten des Deutschen Akademischen Austauschdienstes aus aller Welt an der TU Chemnitz - und erleben neben Wissenschaft und Studium die Höhen und Tiefen der deutschen Kultur

  • Dhouha Bouchaala aus Tunesien promoviert mit Unterstützung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes an der Chemnitzer Professur für Mess- und Sensortechnik. Foto: Philip Knauth
  • Die Brasilianerin Andresa Germano ist seit 2009 in Deutschland und promoviert seit April 2010 an der Professur Bewegungswissenschaft in Chemnitz. Foto: Philip Knauth
  • Arash Kermani Kolankeh stammt aus dem Iran und forscht seit drei Jahren an der Fakultät für Informatik. Foto: Philip Knauth

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) unterstützt zurzeit 20 internationale Wissenschaftler bei ihrem Aufenthalt an der Technischen Universität Chemnitz. Einer von ihnen ist Arash Kermani Kolankeh, der seit drei Jahren an der Fakultät für Informatik forscht. Für den 33-Jährigen ist es nicht der erste Auslandsaufenthalt, der gebürtige Iraner verließ Teheran bereits nach seinem Bachelor in Informatik, um seinen Master an der Polytechnischen Universität Tomsk zu machen. Die drei Jahre in Sibirien sind ihm in guter Erinnerung geblieben: "Das Klima für internationale Studierende war sehr herzlich und ich habe dort viele Freunde gewonnen. Nur das Wetter hat mir zu schaffen gemacht, durch die Dunkelheit und die extreme Kälte konnte man sich ein halbes Jahr lang nicht draußen aufhalten." In Tomsk zog ihn die Arbeit im Bereich der Künstlichen Intelligenz in ihrem Bann. Dank eines Forschungsstipendiums gelang Arash Kermani für seine Promotion und vertiefende Studien der Wechsel nach Deutschland. An der TU Chemnitz arbeitet er seitdem an der Professur Künstliche Intelligenz, um auf der Grundlage biologischer Daten die neuronalen Prozesse im Gehirn an einer Computernachbildung zu verdeutlichen. "Diese Arbeit ist spannend und sie ist wichtig. Das Gehirn ist noch viel zu wenig erforscht und indem wir es nachbauen, werden wir irgendwann in der Lage sein, Krankheiten oder psychische Störungen besser zu verstehen und zu heilen", erklärt Arash Kermani. Neben der wissenschaftlichen Komponente brachte der Aufenthalt in Deutschland auch neue kulturelle Erfahrungen mit sich. So bereiste der Promovend bereits Köln, Berlin, Dresden, Leipzig und fuhr zum Oktoberfest nach München. "Die Deutschen sind sehr gastfreundlich und höflich, allerdings trauen sie sich anfangs oft nicht an mich heran", beobachtet er. "Ich kann sagen: Ich habe die deutsche Sprache und Kultur kennengelernt und gemerkt, dass sie und mich keine unüberwindbaren Grenzen trennen. Im Gegenzug sind leider viel weniger Europäer dazu bereit, mein Land und meine Kultur kennenzulernen. Die Abschreckung durch die Nachrichten ist groß, aber es wäre schön, wenn mehr deutsche Studenten auch unsere Universitäten besuchen könnten, um mehr über unsere Kultur zu lernen." Nach seiner Promotion möchte Arash Kermani seine Forschung weit weg von der Heimat in Deutschland, den USA oder Kanada weiterbetreiben - gegen das Heimweh hilft das allabendliche Telefonat mit seiner Familie.

Heimweh plagt Andresa Germano nur im deutschen Winter. Die 31-jährige Brasilianerin ist seit 2009 in Deutschland und promoviert seit April 2010 an der Professur Bewegungswissenschaft des Instituts für Sportwissenschaft der TU Chemnitz. In ihrer Heimat studierte sie Sport und war in der Laborarbeit für die Sportschuhindustrie tätig. Diese Forschung möchte sie nun während ihrer Promotion ausweiten: "Wir untersuchen in vier Studien den Einfluss der Fußsensibilität auf menschliche Bewegungen. Zum Beispiel reduzieren wir die Fußsensibilität durch Abkühlen der Fußsohle und führen dann Gleichgewichtstests durch. Die Ergebnisse können für das Verständnis der Kontrolle menschlicher Bewegungen genutzt werden", erklärt Andresa Germano. Die Promotion an der TU Chemnitz bedeutet für sie mehr als der Erwerb eines akademischen Titels: "Ich bekomme Einblicke in die Lehre und kann bei Projekten Erfahrungen sammeln. Zum Beispiel unterrichte ich ehrenamtlich Turnen, Tanz und Gymnastik für Studenten. Mein Mann bietet außerdem Kurse in Brasilianischem Jiu Jitsu an - das macht großen Spaß und wir hatten von Anfang an Kontakt zur deutschen Sprache, was uns sehr beim Lernen geholfen hat." Bei einem sechsmonatigen Sprachkurs des DAAD in Leipzig lernte Andresa Germano grundlegende Kommunikationsformen, heute spricht sie fließend Deutsch. "Sprache ist der Schlüssel", erklärt sie. "Wenn du nicht kommunizieren kannst, geht ein großer Teil dessen, was ein Land ausmacht, an dir vorbei. Natürlich ist Deutsch schwer zu lernen, aber ich hatte große Unterstützung durch meine Arbeitskollegen." Durch die gute Atmosphäre an ihrer Professur fühlte sich Andresa Germano von Anfang an in Chemnitz wohl, auch wenn einige Schwierigkeiten mit dem Start in einer neuen Kultur unvermeidbar waren. "In Brasilien ist man sehr viel offener und lauter als in Deutschland und ich habe gesagt bekommen, dass ich zu viel rede. Aber mit der Zeit gewöhnt man sich ein. Und mein Mann und ich schätzen die deutsche Pünktlichkeit sehr und finden es immer lustig, wenn sich Wartende über zwei Minuten Verspätung beschweren - in Brasilien wartet man manchmal eine halbe Stunde auf den Bus!" Vom DAAD fühlt sich Andresa Germano gut unterstützt, allerdings wünscht sie sich eine Betreuung über die Abreise aus Deutschland hinaus: "In Brasilien ist es teuer und langwierig, einen ausländischen Doktor anerkannt zu bekommen und man kann lange nicht als Doktor arbeiten. Es wäre schön, wenn uns der DAAD an dieser Stelle den Weg etwas ebnen könnte."

Schwierigkeiten wie diese kennt Dhouha Bouchaala aus Tunesien nicht. Nach Abschluss des Elektrotechnikstudiums in ihrer Heimatstadt Sfax kam die 28-Jährige zur Promotion an die TU Chemnitz und arbeitet seit Juni 2011 an der Professur für Mess- und Sensortechnik. Vorher sammelte Dhouha Bouchaala bereits Auslandserfahrung im Rahmen ihres Masterprojektes, das sie für ein halbes Jahr nach Paris führte. "In Tunesien lernt fast jeder Französisch in der Schule, somit hatte ich keine Sprachprobleme und konnte mich voll auf meine Forschung der Hindernissensorik von Robotern konzentrieren", erklärt sie. Für den Alltag in Chemnitz reichte ihr Schuldeutsch nicht ganz, dank des Sprachenangebots der TU Chemnitz spricht sie nun auf Niveau B2. Dhouha Bouchaala promoviert als Teil eines internationalen Forscherteams zur Entwicklung eines tragbaren Geräts zur Patientenüberwachung. "Vor allem Patienten mit Lungenkrankheiten müssen so nicht immer in der Klinik bleiben und können ihre Gesundheit im Alltag überwachen. Das kann ihnen helfen, mit der Krankheit umzugehen", erklärt sie. An dieser Arbeit reizt sie vor allem die Interdisziplinarität: "Wir verbinden Elektrotechnik mit Medizin und schaffen so neue Möglichkeiten für die Zukunft - ich finde das unheimlich spannend!" Mit Verwunderung musste sie feststellen, dass sie in Deutschland als Frau in der Elektrotechnik zu einer Minderheit gehört: "In Deutschland erwartet man nicht, dass in Ländern wie Tunesien mehr Frauen Ingenieurwissenschaften studieren, als hier in Deutschland. Nach meiner Promotion möchte ich auch gerne wieder zurück nach Tunesien und als Professorin arbeiten. Von dort aus werde ich eine starke Kooperation mit Chemnitz aufbauen."

(Autorin: Florentina Liefeith)

Katharina Thehos
20.06.2013

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