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Kartoffeltürme auf dem Campus

Im Gespräch: Sebastian Ködel vom Referat für Ökologie und Nachhaltigkeit des StuRa berichtet vom Aufbau eines Permakulturgartens vor dem Wohnheim an der Vettersstraße 52

  • Sebastian Ködel (l.), Tabea Feldmann und Nils Pommeranz, Studierende der TU Chemnitz, befüllen die Kartoffeltürme des Permakulturgartens mit neuer Erde. Foto: Christian Schenk

Die NATUC - das Referat für Ökologie und Nachhaltigkeit des StuRa - hat mit der Anlage eines Permakulturgartens auf dem Campus der TU Chemnitz begonnen. Physik-Student Sebastian Ködel ist Mitglied der NATUC und engagiert sich für den Garten. Jonas Martin, Schüler am Johann-Wolfgang-von-Goethe-Gymnasium Chemnitz und Praktikant in der Pressestelle, hat mit ihm über die Ziele und den Fortschritt des Projektes gesprochen.

Das Konzept des Permakulturgartens, das die NATUC aufgriff, ist schon etwas Ungewöhnliches. Was hat es damit auf sich?

Sebastian Ködel: Permakultur ist ein Konzept, das darauf abzielt, langfristige, naturnahe Kreisläufe zu erschaffen. Man beobachtet die Natur und versucht, sie dann im Garten nachzuahmen und sich an sie anzupassen, da die Natur für alle Probleme, auch für Schädlinge, ihre eigenen Lösungen hat. Zum Konzept gehört auch, dass keine einjährigen Monokulturen angepflanzt werden, sondern verschiedene mehrjährige Pflanzenarten. So wird über einen größeren Zeitraum ein hoher Ertrag erzielt.

Das klingt spannend, aber sind Bio-Produkte nicht genauso gut, wie Produkte aus dem Permakulturgarten? Da wird schließlich auch ohne Pestizide gearbeitet.

Der Unterschied ist der, dass bei der Permakultur einen Schritt weiter gegangen wird. Es ist ein Gesamtkonzept, das über naturschonende Produktionsmethoden hinausgeht. So steht in dem Permakulturgarten keine Pflanze grundlos genau an einem Ort, sondern sie ist Teil eines Kreislaufs. Außerdem gibt es auch im Bioanbau im Gegensatz zur Permakultur nicht selten Monokulturen, durch die dem Boden einseitig Nährstoffe entzogen werden.

Wie kam die NATUC darauf, so ein Konzept aufzugreifen?

Das Referat NATUC hatte bereits nach seiner Gründung vor einem Jahr die Idee, einen eigenen Garten zu bewirtschaften. Wir haben uns dann entschlossen, ihn in der Nähe der Uni anzulegen, um möglichst viele Studenten zu begeistern. Ein amerikanischer Gaststudent aus Philadelphia schlug dann einen Permakulturgarten vor. So ein Garten wird an der dortigen Universität bereits betrieben. Dieser Vorschlag hat uns schließlich überzeugt.

Es gibt durchaus viele Anhänger, man kann sich sogar als Diplom-Permakultur-Designer ausbilden lassen, aber denken Sie, dass diese Idee auch in größerem Umfang zukunftsfähig ist und dass Sie mehr Menschen dafür begeistern können?

Eine Wunschvorstellung der NATUC ist es natürlich, dass die Menschen wieder einen intensivieren Umgang mit Lebensmitteln pflegen. Dazu gehört im Sinne von Regionalität auch ein direkter Kontakt mit den angebauten Produkten. Das Problem ist dabei aber, dass die Industrie dazu neigt, im immer größeren Ausmaß anonymisiert in riesigen Mengen zu produzieren, um so die Gewinnspanne zu maximieren. Zusätzlich werden für bestimmte Probleme einfach falsche Lösungen aufgegriffen. Beispielsweise werden zur Ertragserhöhung Pestizide verwendet, anstatt Mischkulturen anzubauen. Erst wenn sich viele Leute von dieser Einstellung abkehren und bereit sind, nur etwas mehr Geld für ihre Lebensmittel zu zahlen, kann sich die Permakulturidee weiter ausbreiten. Dies wäre natürlich wünschenswert, da die Permakultur die Natur eigenste Lösung ist.

Mal aber von der Idee ganz abgesehen, welchen Nutzen kann so ein Garten für die Universität erbringen?

Wir wollen als moderne Uni zeigen, dass wir für Nachhaltigkeit, für einen gewissenhaften Umgang mit der Natur und für den Schutz des Klimas stehen. Die Menschen sollen sehen, dass eine Gruppe an der Uni existiert, die alternative Problemlösungen aufzeigt und dabei auch noch Spaß hat. Immerhin sind die Absolventen der Uni nicht selten die späteren Führungskräfte und besitzen damit eine besondere Verantwortung. Und zu dieser gehört wichtiger denn je auch gerechter Umgang mit der Natur. Daher ist es unser Wunsch, dieses Thema mehr ins Bewusstsein der Universität zu rufen. Gerne eben mit dem Garten als praktisches Beispiel. Ein ferner Wunsch ist es schlussendlich, dadurch die Mensa zumindest teilweise mit selbst angebautem Obst und Gemüse versorgen können.

Wo soll denn der Garten entstehen? Bei den Vorhaben brauchen Sie doch sicherlich viel Platz.

Unser Garten entsteht direkt am Wohnheim an der Vettersstraße 52. Wir haben dort vom Studentenwerk die Fläche zur Nutzung bekommen und dieses Gelände sollte auch erst einmal ausreichen.

Sie haben bereits Kartoffeltürme aus Autoreifen angelegt. Was haben Sie in der nächsten Zeit noch mit Ihrem Garten vor?

Richtig, die Kartoffeltürme sind eine Art Hochbeete und waren aber erst der erste Schritt. Im Herbst soll es dann mit dem Schichtmulchen losgehen. Dabei wird die Wiese mit Pappe, Erde und Rindenmulch bedeckt. Über den Winter wird dann bis zum Frühjahr eine Schicht Humus entstanden sein, da der Rasen unter der Pappe und der Erde erstickt. Im Frühjahr werden wir dann anfangen den Garten zu bepflanzen.

Sie suchen auch immer neue Mithelfer. Wie kann man sich eine Mitarbeit an Ihrem Projekt vorstellen?

Richtig, neue Studenten, die gerne mithelfen wollen, sind immer gesucht. Es gibt praktische Arbeiten, wie Umgraben, Pflanzen und Gießen, genauso wie theoretische, wie Planen und Beobachten. Man sollte nur Lust und gerne ein paar Ideen mitbringen, besonders, wenn dann im Oktober geklärt wird, wie es im Frühjahr genau weiter gehen soll und was angepflanzt wird. Insgesamt ist der Permakulturgarten aber ein Garten, der wenig Pflege bedarf, da sich die Natur größtenteils selbst reguliert.

Vielen Dank für das Gespräch!

Kontakt: sebastian.koedel@s2007.tu-chemnitz.de

Katharina Thehos
27.07.2012

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