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„Entscheidend ist, dass man den gleichen Fehler nicht zu oft macht“

TUC-Absolvent Wilfried Ernst erinnert sich gern an seine Studienzeit zurück, denn er hatte das große Glück, von einigen der damals klügsten Köpfe im Maschinenbau betreut zu werden – heute ist er Geschäftsführer der Ernst Industrietechnik GmbH

Herr Ernst, können Sie sich kurz vorstellen?

Ich wurde 1963 geboren. Ich bin Mitinhaber und Geschäftsführer einer Firma mit Fokus auf Sonderlösungen im Dichtungsbereich für die Groß- und Petrochemie. Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder sowie zwei Enkel.

Sie haben noch zu DDR-Zeiten an der TH Karl-Marx-Stadt (jetzt TU Chemnitz) studiert. Was genau haben Sie studiert und welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Studienzeit?

Ich war von 1982 bis 1987 Student an der Sektion Maschinen-Bauelemente und meine Studienrichtung war „Konstruktion allgemeiner Maschinenbau“. Damals gehörten wir zu den ersten Absolventen mit TU-Diplom. Ich habe Unmengen schöner Erinnerungen an diese Zeit. In neun Semestern wurde ein intensives Studium absolviert, dessen hohe Qualität ich erst mit den Jahren so richtig zu schätzen gelernt habe. Ich hatte einen großen Freundeskreis, mit dem ich das Studentenleben in vollen Zügen genossen habe, und bin noch heute mit einigen von ihnen in Kontakt. In meiner Freizeit war ich Mitglied im sogenannten Rezitationszirkel, weil das meiner Begeisterung für die Kraft der schönen Sprache entgegenkam und weil das einfach ein toller Haufen war. Und ich hatte das große Glück, von einigen der damals klügsten Köpfe im Maschinenbau betreut zu werden, die nicht nur Wissen, sondern auch die Haltung, die ein Ingenieur in den Beruf einbringen sollte, vermittelt haben. Stellvertretend seien Professor Volmer und Dr. Gropp genannt.

Welche besonderen Hürden gab es zu meistern?

Für mich hatte Karl-Marx-Stadt am Anfang einen sehr gewöhnungsbedürftigen Dialekt, im Hauptgebäude der Hochschule konnte man sich als Neuling recht gut verlaufen und die Anforderungen an Lernen und Anwenden waren um Klassen höher als in den vorherigen Bildungsstufen. Besonders die ersten zwei Semester des Studiums waren hart und ich musste mich in den naturwissenschaftlichen Fächern ziemlich durchbeißen. Zum Glück ging das damals vielen Kommilitonen ähnlich und so bildeten sich schon bald kleine Lerngruppen. Bei „besondere Hürden“ fallen mir in erster Linie die sehr hohen Anforderungen ein. Abgänger, die aufgrund ungenügender Studienergebnisse auf eine Fachschule wechselten, bekamen dort ein Leistungsstipendium. 

Was verbinden Sie mit Chemnitz und der Universität? Bestehen noch heute Verbindungen nach Chemnitz oder an die TU?

Ich habe noch einige private Kontakte nach Chemnitz und bin mit einer Absolventin der TU, einer gebürtigen Chemnitzerin, seit 37 Jahren glücklich verheiratet. Und einige von den Rezitatoren, die ich schon erwähnt habe, treffen sich regelmäßig, so auch am 21. November 2026 in Chemnitz. Da bin ich natürlich dabei.

Wie verlief Ihr Berufseinstieg Ende der 1980er, als sich der Umbruch im Land schon andeutete, bzw. später während der Wendezeit?

Der Einstieg 1987 verlief noch recht reibungslos. Ich war von 1987 bis 1995 in den Magdeburger Armaturenwerken tätig. Mit der jährlichen Halbierung der Belegschaft war aber klar, dass das kein Arbeitsplatz bis zur Rente sein würde und Mitte 1995 wurde dann auch mir gekündigt.

Wie verlief Ihr weiterer beruflicher Werdegang? Welche Entscheidungen in Ihrer Karriere haben Sie vorangebracht und gab es auch Rückschläge?

Ich habe dann 1996 mit drei weiteren Partnern eine Firma für Dichtungstechnik gegründet. Ein Serviceunternehmen mit den Sparten Engineering, Produktion und Einbau der Produkte war zu dieser Zeit ein erfolgversprechendes Geschäftsmodell. Nach dem altersbedingten Ausscheiden eines Gesellschafters kam es aber zu Unstimmigkeiten über die Firmenstrategie und 2018 habe ich mich daraufhin ein zweites Mal selbständig gemacht. Diese Entscheidung hat mich wahrscheinlich am meisten vorangebracht. Rückschläge sind in der Wirtschaft Teil des Systems, aber darüber definiere ich mich nicht. Entscheidend ist, dass man den gleichen Fehler nicht zu oft macht.

Heute sind Sie Geschäftsführer der Ernst Industrietechnik GmbH. Was genau beinhaltet Ihr Tätigkeitsfeld bzw. wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Geschäftsführer in einer Firma mit zehn Mitarbeitern bedeutet in erster Linie, „Mädchen für alles“ zu sein. Ich bin Konstrukteur und Berechnungsingenieur, Organisator, Verkäufer, überweise persönlich Lieferantenrechnungen und Gehälter und sitze einen Großteil der Arbeitszeit im Auto oder am Computer. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Ich habe ein wunderbares und sehr verlässliches Team an meiner Seite, ohne dem die Firma nicht bestehen könnte.

Sind Sie Familienvater. Wie haben Sie es geschafft, Familie und berufliche Karriere zu vereinen?

Ich habe das große Glück, dass mich meine Frau immer in allem unterstützt hat. Trotz hoher Arbeitsbelastung habe ich über viele Jahre versucht, dass das Wochenende der Familie gehört und dass ich auch immer einen Teil der häuslichen Pflichten übernommen habe, damit Zeit füreinander bleibt.

Wofür begeistern Sie sich im Privaten am meisten? Was war Ihr letztes großes Vorhaben?

Ganz vorn steht bei mir die Musik. Ich höre viele Genres und spiele selbst leidlich gut Gitarre. Dazu gehören in unregelmäßigen Abständen kleine Auftritte vor Freunden und mein Traum ist es, eine eigene CD einzuspielen. Das dazugehörige Studio steht schon seit einigen Jahren in meinem Keller.

Welche Tipps haben Sie für junge Absolventinnen und Absolventen für den Berufseinstieg?

Traut Euch etwas zu, aber werdet nie arrogant dabei! Baut Netzwerke auf, die funktionieren und nicht nur aus imaginären Followern bestehen! Steckt viel Kraft in den Beruf und vergesst nicht, dass daneben noch ein Leben existiert! Sicher gibt es noch viele weitere Tipps, aber seine Erfahrungen wird jeder selber machen müssen.

(Die Fragen stellte Stephanie Höber, Alumni-Koordinatorin der TU Chemnitz.)

Mario Steinebach
19.10.2026

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