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Pressemitteilung vom 16.04.2014

Der "Staatsfeind Nr. 1" spricht über die DDR

Ringvorlesung "Friedliche Revolution und Demokratie - Perspektiven nach 25 Jahren": Dr. Wolfgang Welsch, ostdeutscher Widerständler und westdeutscher Fluchthelfer, referiert am 22. April 2014

Am Dienstag, dem 22. April 2014, geht die Vortragsreihe "Friedliche Revolution und Demokratie - Perspektiven nach 25 Jahren" weiter. Es referiert Dr. Wolfgang Welsch, dessen Autobiografie 2004 unter dem Titel "Der Stich des Skorpions" verfilmt wurde. Die Ringvorlesung findet jeweils dienstags (und am Donnerstag, dem 12. Juni) um 18 Uhr im Hörsaalgebäude der TU Chemnitz, Reichenhainer Straße 90, im Raum N 112 statt. Der Eintritt ist frei. Die Referenten aus Politik, Gesellschaft und Wissenschaft lassen auf Einladung der Professur Politische Systeme, Politische Institutionen in ihren Vorträgen die historische Zäsur des Jahres 1989 Revue passieren, werfen vor diesem Hintergrund einen Blick auf die deutsche Demokratie im 21. Jahrhundert und stehen dem Publikum nicht nur Rede, sondern auch Antwort.

Wolfgang Welsch, Jahrgang 1944, arbeitete nach dem Abitur und dem Abschluss einer Schauspiellehre in Ost-Berlin zunächst bei der DEFA und dem Deutschen Theater. Früh äußerte er Systemkritik, klagte die Diktatur in Gedichten und Aufrufen an. Als junger Mann wurde er schließlich mehrfach wegen versuchter "Republikflucht" und "staatsgefährdender Hetze", so die damalige Sprachregelung des Regimes, zu langen Haftstrafen in Berlin, Brandenburg a. d. Havel und Bautzen verurteilt. Die Bundesregierung kaufte ihn im Jahr 1971 frei. Welsch begann im Jahr darauf in Gießen ein Studium der Soziologie, Philosophie und Politikwissenschaft, das er 1977 mit einer Dissertation über die "Arbeitsweise, Aufgabenstellung und Zielsetzung des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR" abschloss. Von seinem Studienort Gießen aus organisierte er Fluchthilfe für DDR-Bürger - zunächst sporadisch, später systematisch. Über 200 Menschen schleusten er und seine Unterstützer in den 1970er- und 1980er-Jahren über Drittländer des Ostblocks und West-Berlin aus der DDR in die Bundesrepublik. Überwacht von zahlreichen IM des Ministeriums für Staatssicherheit, entging Welsch mehreren Mordversuchen durch die DDR-Geheimpolizei. 2004 wurde seine Geschichte, die drei Jahre zuvor als Autobiografie unter dem Titel "Ich war Staatsfeind Nr. 1" erschienen war, im deutschen Spionage-Drama "Der Stich des Skorpions" (Hauptdarsteller: Jörg Schüttauf, Martina Gedeck, Matthias Brand, Hannes Jaenicke) verfilmt. Welschs Haltung gegenüber der DDR ist bis heute kompromisslos, die SED-Diktatur war in seinen Augen "menschenverachtend und entwürdigend", ein "Unrechtsstaat" ohne Wenn und Aber. Der Referent stand vor 1990 für demokratischen Widerstand in der und gegen die DDR, warf stets die "deutsche Frage" auf und sprach sich gegen den Dritten Weg eines reformierten Sozialismus aus. "Mit Dr. Wolfgang Welsch ist ein Zeitzeuge mit einer ebenso packenden wie erschütternden persönlichen Geschichte über Diktatur und Demokratie in Deutschland zu Gast an der TU Chemnitz", sagt Mitorganisator Dr. Thomas Schubert von der Professur Politische Systeme, Politische Institutionen.

Das Programm der Ringvorlesung im Überblick: http://www.tu-chemnitz.de/phil/politik/pspi/pdf/plakat-ringvorlesung-2014_s.pdf

Weitere Informationen erteilen Prof. Dr. Eckhard Jesse, Telefon 0371 531-27720, E-Mail eckhard.jesse@..., oder Dr. Thomas Schubert, Telefon 0371 531-36953, E-Mail thomas.schubert@....
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