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Pressemitteilung vom 10.02.2014

Ein dunkles Kapitel deutsch-jüdischer Geschichte

Vortragsveranstaltung "Sammelpunkt Heizhaus" zum Friedenstag 2014 erinnert am 13. Februar an die Deportation der Chemnitzer Juden

Heute ist das "Alte Heizhaus" ein viel genutztes Veranstaltungszentrum der Technischen Universität, doch vor siebzig Jahren bildete der Hof um das Gebäude den Ausgangspunkt für die Verschleppung jüdischer Bewohner von Chemnitz und Umgebung in die nationalsozialistischen Konzentrationslager. Eine Vortragsveranstaltung der AG Chemnitzer Friedenstag und der Professur für Europäische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts am 13. Februar 2014 um 19 Uhr erinnert am "Alten Heizhaus" (Universitätsteil Straße der Nationen 62, Innenhof) an dieses dunkle Kapitel deutsch-jüdischer Geschichte in der Region.

"Antisemitismus und Rassismus gehörten zu den Kernelemente der menschenverachtenden NS-Ideologie", erklärt Prof. Dr. Frank-Lothar Kroll, Inhaber der Professur für Europäische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Erst kürzlich hat er Ursprünge und Entwicklung dieser fatalen Ressentiments in einem Aufsatz mit dem Titel "Der Weg in den Holocaust" analysiert, der in einem gemeinsam mit der Passauer Politologin Prof. Dr. Barbara Zehnpfennig herausgegebenen Sammelband "Ideologie und Verbrechen" (Fink, Paderborn 2014) erschienen ist. Als Mitglied der Wissenschaftlichen Beiräte von renommierten Forschungseinrichtungen wie dem Institut für Zeitgeschichte und der "Forschungsgemeinschaft 20. Juli 1944 e.V." rechnet Kroll die Geschichte des "Dritten Reiches" zu seinen Arbeitsschwerpunkten in Forschung und Lehre. Er ist Moderator der Veranstaltung, in deren Mittelpunkt der Vortrag des Chemnitzer Historikers Dr. Jürgen Nitsche steht.

Nitsche zählt zu den besten Kennern der jüdischen Geschichte in Chemnitz und Sachsen. In seinem Buch "Juden in Chemnitz" gibt er einen umfassenden Überblick über die Geschichte der örtlichen jüdischen Gemeinde und zeichnet deren Weg von einer wohlhabenden und vielschichtigen Bevölkerungsgruppe über die fast völlige Auslöschung durch die Nationalsozialisten bis hin zum Neubeginn im vereinten Deutschland nach. Nitsches Text- und Bildband bildet die Grundlage für den Vortrag "Sammelpunkt Heizhaus: Judendeportationen aus Chemnitz". Ein Gedenkstein erinnert heute an die Verschleppungen, die im Innenhof der Staatlichen Akademie für Technik ihren Anfang nahmen. Tragik der Geschichte: Während am 13. Februar 1945 Dresden in Schutt und Asche versank und das Naziregime längst am Ende war, wurden die letzten Juden aus Chemnitz vom Heizhaus zum Hauptbahnhof gebracht und dort in Waggons verladen, die sie in das Konzentrationslager Theresienstadt transportierten.

Zur Einstimmung auf den Vortrag werden in einer Lesung Passagen aus dem zeitgenössischen Briefroman "Empfänger unbekannt" der US-amerikanischen Schriftstellerin Katherine Kressmann Taylor (1903-1996) vorgestellt. 1938 entstanden, wurde das Buch erst 2001 in deutscher Übersetzung publiziert. In einem fiktiven Briefwechsel zwischen dem amerikanischen Juden Max Eisenstein und dem Deutschen Martin Schulse führt die Autorin eindringlich die fatalen Folgen rassistischer Ressentiments vor. Der Vortragsabend "Sammelpunkt Heizhaus" ist eingebettet in eine Reihe vorbereitender Veranstaltungen zum Chemnitzer Friedenstag am 5. März, an dem an die verheerenden Bombardierungen der Stadt vor 69 Jahren erinnert und gleichzeitig der Instrumentalisierung dieses Gedenkens durch rechtsextreme Gruppen entgegen getreten werden soll.
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