Springe zum Hauptinhalt
Pressestelle und Crossmedia-Redaktion
Pressemitteilungen
Pressestelle und Crossmedia-Redaktion 

Pressemitteilung vom 26.07.2006

Zug um Zug zum Erfolg

Zug um Zug zum Erfolg
Chemnitzer Forschergruppe arbeitet an der Entwicklung und Herstellung leistungsfähiger Zug- und Tragmittel in Leichtbauausführung

Seile halten die Welt besser zusammen und sind dabei nicht selten großen Widerständen ausgesetzt. Auf dem Gebiet des Maschinenbaus und insbesondere bei Geräten und Anlagen der Fördertechnik spielen Seile, Riemen, Ketten und Co. eine bedeutende Rolle. Da sich in den vergangenen Jahren neue Möglichkeiten der Materialentwicklung ergeben haben, insbesondere bei den Hochleistungs-Textil-Fasern in Verbindung mit aktiven Strukturen, will die Forschergruppe der Professur Fördertechnik der TU Chemnitz mittels einer neuen Herstellungstechnologie leistungsfähigere Seilstrukturen entwickeln. Das Forschungsprojekt mit dem Kurznamen "InnoZug", welches maßgeblich von Prof. Dr. Klaus Nendel initiiert wurde und nun der Leitung von Dr. Peter Auerbach obliegt, wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung bis zum Jahr 2011 mit einer Gesamtsumme von rund 2,3 Millionen Euro im Rahmen der Innovationsinitiative "Unternehmen Region" mit "InnoProfile" gefördert.

"Herkömmliche Zugmittel wie beispielsweise Stahlseile und Ketten haben sich seit Jahrzehnten in der Praxis bewährt, doch die entscheidenden Nachteile liegen hier vor allem in der hohen Eigenmasse, der eingeschränkten Biegeflexibilität, der Korrosionsempfindlichkeit und dem Umwelt belastenden Schmierstoffeinsatz", erläutert Projektleiter Dr. Auerbach. "Hochfeste, steife synthetische Textilfasern wie Kevlar, PEN oder Twaron als Material für leichte Zugträger und Seile haben hingegen große Vorteile." Um diese für neue Anwendungen nutzbar zu machen, muss jedoch deren Lebensdauer unter verschiedenen Bedingungen untersucht und durch Anpassung der Seilstruktur sowie der Verarbeitungstechnologien optimiert werden.

Dabei verfolgt das Forschungsvorhaben drei wesentliche Zielstellungen: Durch systematische Untersuchung der Eigenschaften von synthetischen Faserseilen müssen zunächst die Grundlagen für den breiteren Einsatz dieser Zugmittel geschaffen werden. Eine besondere Herausforderung stellt dabei die rechtzeitige Erkennung von Verschleiß und Schäden vor allem im Inneren der Seilstruktur dar, die gerade in sicherheitskritischen Anwendungen wie Aufzügen oder Kränen unabdingbar ist. In das Seil integrierte sensorische Fasern sollen eine messtechnische Überwachung und schließlich eine rechtzeitige Anzeige der Seilermüdung erlauben.

Weiterhin hat sich die Nachwuchsforschergruppe zum Ziel gesetzt, die gewonnenen Erkenntnisse zu nutzen, um hochfeste, leichte und gegen Umwelteinflüsse beständige Seile für Kräne und Hebezeuge zu entwickeln. Neben der in das Seil integrierten Sensorik sollen besonders kompakte, mit dem Seil verbundene elektronische Module die Messung von Belastung und Ermüdungszustand sowie die drahtlose Übertragung dieser Daten erlauben. In Pilotprojekten müssen diese neuartigen, aktiven Seile ihre Eignung auch für den rauen Praxiseinsatz unter Beweis stellen.

Im Bereich der Stetig- und Kettenförderer sollen bisherige Kunststoffketten durch Zugelemente ergänzt werden, die auf Grund ihrer biegeflexiblen Seilstruktur eine höhere Raumbeweglichkeit und Drehbewegungen um die Längsachse ermöglichen. Zudem will man die Zug- und Dauerfestigkeit erhöhen, die Eigenmasse der Ketten reduzieren und die Geräuschemission vermindern, die bisher aus dem Gelenkspiel der Ketten resultierte.

Die Herstellungstechnologien für die neuen Zugmittel werden ebenfalls im Projekt untersucht und in Zusammenarbeit mit dem Sächsischen Textilforschungsinstitut e.V. Chemnitz (STFI) und regionalen Unternehmen der Maschinenbau- und Textilindustrie erprobt. Diese technologie- und branchenspezifische Zusammenarbeit ist ein wichtiger Bestandteil des Forschungsprojekts. Gilt es doch die Innovationsfähigkeit der Region zu stärken und Fachkräfte für Wissenschaft und Wirtschaft gleichermaßen zu gewinnen und auszubilden. So sind an das Projekt auch Diplomarbeiten und Promotionen gekoppelt. "Bereits jetzt gestaltet sich die Zusammenarbeit sehr interessant - zumal bei diesem Forschungsprojekt die Kompetenzen des Maschinenbauers, des Elektrotechnikers und des Textiltechnikers zusammen fließen", so Projektinitiator Prof. Nendel. "Außerdem sind die Voraussetzungen, gemeinsam mit unseren Partnern einen regionalen Wirtschafts- und Wissenschaftscluster auf dem Gebiet der technischen Textilien aktivieren zu können, wirklich einmalig und sollten optimal genutzt werden", schätzt Nendel ein.

Stichwort: "InnoProfile"

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung baute im Juni 2005 seine Innovationsinitiative "Unternehmen Region" mit "InnoProfile" weiter aus. Dieses Förderprogramm stellt bis zum Jahr 2012 rund 150 Millionen Euro für technologie- und branchenspezifische Zusammenarbeit zwischen Nachwuchsforschergruppen und Unternehmen vor Ort in Ostdeutschland bereit. In vier aufeinander folgenden Jahren sollen pro Jahr mindestens zehn neue Projekte gefördert werden, welche die Innovationsfähigkeit der ostdeutschen Regionen durch die Kooperation von regionaler Nachwuchsförderung und regionalen wirtschaftlichen Kompetenzträgern stärkt. Da die wirtschaftliche Entwicklung einer Region sehr stark von der Innovationsfähigkeit kleiner und mittelständischer Unternehmen abhängt, diesen aber häufig passendes regionales Wirtschaftsumfeld fehlt, will "InnoProfile" die Nachwuchsforscher und wirtschaftliche Träger in der Region zusammenbringen. Aus insgesamt 109 Bewerbungen wurden 18 für die erste von vier Förderungsrunden ausgewählt. Die TU Chemnitz erhielt dabei für vier eingereichte Projekte eine Förderungszusage und führt damit die Tabelle an. Rund 8,5 Millionen Euro können die an den vier Projekten beteiligten Chemnitzer Wissenschaftler in den nächsten Jahren zur Forschung nutzen. "InnoProfile" im Internet: http://www.unternehmen-region.de

Weitere Informationen zum Projekt "InnoZug": erteilt Dr. Peter Auerbach, Telefon (03 71) - 531 - 35 143, E-Mail peter.auerbach@mb.tu-chemnitz.de

Wichtiger Hinweis für die Medien: In der Pressestelle können Sie honorarfrei ein themenbezogenes Foto anfordern. Motiv: Dr. Peter Auerbach (r.) und Markus Michael von der Professur Fördertechnik bereiten die experimentelle Analyse der Dehnungseigenschaften eines Faserseils an der Universalprüfmaschine ZWICK/ROELL Z 250 vor. Foto: Mario Steinebach. Sie finden dieses Foto auch im Ordner "Forschung" des elektronischen Bildarchivs der Pressestelle: http://www.tu-chemnitz.de/tu/presse/bilder/index.php

(Autorin: Janine Mahler)


  • Blick in einen vollbesetzten Hörsaal.

    Umfangreicher Service für Studieninteressierte

    Für einen optimalen Start ins Wintersemester 2026/2027: TU Chemnitz bietet neben dem Servicetelefon individuelle Beratungsgespräche und Informationen im Internet an – Einschreibung in zulassungsfreie Studiengänge ist noch bis zum 31. Oktober 2026 möglich …

  • Eine Frau blickt in die Kamera

    Workshop bringt Forschung und Praxis zur Sexarbeit zusammen

    Zwölfter Interdisziplinärer Workshop „Kritische Sexarbeitsforschung“ vom 13. bis 15. November 2026 in Chemnitz. Öffentliche Abendveranstaltung lädt zum Austausch zwischen Forschung und Praxis ein …

  • Ein saniertes Gebäude

    Mit KI reden – und 30 Euro für 45 Minuten verdienen

    Professur Arbeitswissenschaft und Innovationsmanagement der TU Chemnitz sucht Versuchspersonen für eine Vor-Ort-Studie zur Interaktion mit KI-gestützten Sprachassistenten …

  • Drei junge Menschen schauen in die Kamera

    TUCgraduate Day am 10. November 2026

    Internationale Forschungsaufenthalte, Netzwerke und Karrierewege sind 2026 die Schwerpunktthemen des TUCgraduate Day der TU Chemnitz – Anmeldung ab sofort möglich …