
Referent: Dr. Ralf Schulze, Geschäftsführer Kulturveranstaltungen, Kongresse und Tagungen der Stadthalle Chemnitz und des Wasserschlosses Klaffenbach.
Kulturelle Bildung vor Ort erlebten diesmal die etwa 600 Teilnehmer am Seniorenkolleg. Dieses fand nicht wie gewohnt an der TU, sondern im Foyer der Stadthalle statt. Dr. Ralf Schulze stellte die Einrichtung sowie das Wasserschloss Klaffenbach vor. Der Vortrag war mit einer musikalischen Umrahmung durch Martin Schmitt am Klavier versehen. Sein erster Titel war der berühmte Song von Udo Jürgens „Ein ehrenwertes Haus“.
Und ein angesehnes Haus ist die Chemnitzer Stadthalle. Schulze sprach zu Beginn über den Bau der Einrichtung im Stadtzentrum. „Nach dem Krieg war die Innenstadt zerbombt. Vieles musste abgerissen oder neu gebaut werden“, so Schulze. In den 1960-er Jahren entstanden in Chemnitz, Dresden und Leipzig einige Kulturbauten. Im damaligen Karl-Marx-Stadt sollte ein Kongresszentrum entstehen. „Zahlreiche Modelle wurden angefertigt“, betonte der Referent. In den Jahren 1969 bis 1974 wurde die Stadthalle erbaut. „Am 4. Oktober 1974 erfolgte die feierliche Eröffnung. Die damalige Veranstaltung hieß ,Rosen für Karl-Marx-Stadt“ und wurde im DDR-Fernsehen live übertragen“, wies Schulze hin. Ein paar Monate vorher habe man das Hotel „Mercure“ fertig gestellt. Seit den 1970-er Jahren dominiere der Komplex Stadthalle/Hotel das Chemnitzer Stadtbild.
In den ersten Jahren der Stadthalle fanden viele Tagungen statt. Als einer der bekanntesten Künstler der aufgetreten ist, sei in punkto klassische Musik Peter Schreier gewesen. „Ein Höhepunkt ganz anderer Art war der Einbau der Jehmlich-Orgel 1976. Sie verfügt über vier Manuale und 80 Register“, betonte der Geschäftsführer. Heute sei die Orgel bei ausgewählten Konzerten, unter anderem bei Sinfonie- und Weihnachtskonzerten sowie beim traditionellen Adventsprogramm zu hören.
Schulze ging danach auf Veranstaltungen der 1970-er und 1980-er Jahre ein. Dazu gehörten beispielsweise Auftritte von Günther Jauch, Carmen Nebel, Bonnie Tyler und den Puhdys. Schulze bedauerte, dass in den vergangenen Jahren zu wenige Sportveranstaltungen in der Stadthalle über die Bühne gingen. „Höhepunkt war die Gewichtheber-Europameisterschaft 1986“, ergänzte der Referent.
Er ging zudem auf regelmäßige Veranstaltungsformate ein. Dazu gehören die Eigenproduktionen, die man gemeinsam mit Partnern gestalte. Ein Zuschauermagnet seien hier die Tage der erzgebirgischen Folklore, die seit 36 Jahren in der Stadthalle durchgeführt werden. „Weitere Eigenproduktionen sind die Weihnachtsmärchen oder die Tanz-Shows in enger Zusammenarbeit mit der Tanzschule Köhler-Schimmel“, sagte Schulze. Deutlich zurückgegangen seien die Veranstaltungen der Volksmusik. „Dagegen gibt es einen enormen Aufschwung bei der Comedy und dem Kabarett“, so der Geschäftsführer.
Schulze machte noch kurze Ausführungen zu den Angeboten im Wasserschloss Klaffenbach. Dabei nannte er das Theater im Bürgersaal, die Reihe Schlossgeflüster oder den Naturmarkt. Letztere fand erst kürzlich wieder statt. Dabei kamen über 8000 Besucher“, freute sich der Redner. Zum Schluss nannte er noch einige Zahlen. „So verzeichnete die Stadthalle seit ihrer Eröffnung nahezu 18 Millionen Besucher.“
„Warum gibt es keine Ü-50 Partys mehr?“, lautete eine der Fragen. „Das Vorhaben hat nicht hundertprozentig funktioniert“, so die knappe und klare Antwort. Einige, vor allem aus dem Umland von Chemnitz bemängelten zudem, dass sie nach den Veranstaltungen nicht mehr mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause kommen. Doch wie Schulze betonte, sei es schwierig, die Abendveranstaltungen eher zu beginnen.
3. Mai 2016
Autor: Bernd Wild, Seniorenkolleg