Kommentiertes Vorlesungsverzeichnis für das WS 2026/27
Professur Deutsch als Fremd- und Zweitsprache
Das Seminar bietet eine Einführung in die verschiedenen Bereiche der Didaktik und Methodik des Deutschen als Fremd- und Zweitsprache sowie in deren wissenschaftliche Grundlagen. Im Blick stehen wird das Was (didaktische Eckpfeiler wie Wortschatz, Grammatik, Phonetik, Alphabetisierung, Landeskunde und Interkulturelle Kompetenz), das Wie (methodische Grundlagen wie Unterrichtsplanung oder Spiele im DaZ-Unterricht) und die wissenschaftliche Perspektive auf das Fach (Forschungsansätze und Methoden im Fach DaF/DaZ).
Die Vorlesung gibt einen Überblick über vermittlungsrelevante Strukturen des Deutschen. Gegenstände sind: Wortform-Bedeutungsbeziehungen, Flexion, Wortarten und Wortbildung, Satz- und Phrasenstrukturen, Verbalkomplex und Grundbegriffe der Pragmatik.
Das Ziel eines jeden Sprachunterrichts ist die Fähigkeit des Lerners, sprachlich handeln zu können. Das Seminar führt ein in die Grundstrukturen sprachlichen Handelns (sprachliche Handlung, sprachliches Handlungsmuster, Diskurs, Text) und das Grundproblem unterrichtlichen sprachlichen Handelns (illokutives Paradoxon) und seiner unterrichtlichen Bearbeitung.
Das Seminar vertieft und erweitert Grundkenntnisse in den fachkonstitutiven Disziplinen und Wissensgebieten, insbesondere Strukturen des Deutschen, Zweitspracherwerb, Sprachdidaktik, Fach- und Wissenschaftssprache, Fertigkeiten sowie Testen und Prüfen.
Die Erforschung der Wissenschaftskommunikation ist ein zentrales Anliegen für DaF, da etliche Lerner einer kompetenten Vermittlung von Wissenschaftssprache und wissenschaftstypischen Text- und Diskursarten bedürfen. Themen der Vorlesung sind die Geschichte der Wissenschaftssprachen, wissenschaftlicher Sprachausbau, das Verhältnis zwischen Wissenschaftssprache, Fachsprache, Bildungssprache und Allgemeinsprache, wissenschaftstypische Text- und Diskursarten und Wissenschaftssprachkomparatistik.
KBMEHF1_F, KBInHF1_E, KBGeHF1_D, KBEwHF1_C, KBAAHF1_B, KBCMHF1_A, B_Ge__5, B_AA__3, B_Ko__5, B_Po__5, B_Po__3, KBCMHF1, KBAAHF1, KBEwHF1, KBGeHF1, KBInHF1, KBMEHF1, KBPoHF1
Beschreibung folgt.
Professur Deutsche Literatur- und Sprachgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit
„Überall ist Mittelalter“ (H. Fuhrmann). Ob auf Jahrmärkten, im Internet, in Rollenspielen, in Theater, Oper, Film und Fernsehen, in Museen, Archiven, Ausstellungen, in der Architektur und Kultur der Städte, im Kinder-, Jugend- und Erwachsenen-Buch: das sogenannte Mittelalter ist seit dem 16. Jahrhundert die beliebteste Projektionsfläche moderner Gesellschaften, die medial am meisten traktierte Epoche und die Mittelalter-Industrie einer der umsatzstärksten Märkte weltweit. Meine Einführungsvorlesung kann allenfalls versuchen, herauszufinden, warum das so ist. Vor allem aber will sie sich einigen wichtigen literarischen Zeugnissen der Mittelalter-Rezeption widmen: von Kaiser Maximilian I., Hans Sachs und Johann Fischart über die deutsche Romantik und Richard Wagner bis hin zur Rezeption in der DDR, Umberto Eco und den literarischen Grundlagen des Mittelalter-Tourismus. Dabei soll so verfahren werden, dass zunächst die rezipierten Werke vorgestellt werden, um dann das Spezifische der modernen Bearbeitungen auszuloten.
Foliensätze werden über OPAL kommuniziert. Studierende des BA Germanistik und des Lehramts Grundschule schreiben eine Klausur.
Warum heißt das Buch eigentlich „Buch“, und warum bilden wir den Plural „Bücher“? Achtlos gehen wir an solchen Selbstverständlichkeiten vorbei („Keine Ahnung, das heißt schon immer so“), als sei Sprache – wie in der Bibel dargelegt – tatsächlich etwas von Gott Gegebenes. Demgegenüber veranschaulicht die Übung, wie komplex die hinter unserem Deutsch stehenden Sprach-Geschichten sind, wie man jedes Wort mit Gewinn auf die Goldwaage legen kann (und muss). Sie führt ein in die Grundlagen der historischen Grammatik („Bücher“) und der historischen Semantik („Buch“). Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, aber ein Interesse an der deutschen Sprache wird vorausgesetzt.
Alle Unterrichtsmaterialien werden gestellt.
In diesem Seminar werden wir uns gemeinsam der Erschließung der wesentlichen Gattungen der frühneuzeitlichen Literatur widmen. Insbesondere die Kleineren Erzählformen wie Schwänke, Mirakel oder Fazetien werden dabei eine maßgebliche Rolle spielen. Besprechen werden wir auch wenigstens einen der vielen Prosaromane, die ab dem 16. Jahrhundert veröffentlicht wurden. Eine Auswahl an Primärtexten werden wir im Seminar gemeinsam zusammenstellen. Ziel ist es, die wesentlichen Merkmale und aktuellen Forschungstendenzen der jeweiligen Textsorten kennenzulernen und anzuwenden und die frühneuzeitliche Literatur (auch in Abgrenzung zur ‚mittelalterlichen‘ Literatur) in ihren Eigenheiten und Besonderheiten besser zu verstehen.
Odysseus und Aeneas verbindet die Erfahrung des Irrens, doch ihre Reisen folgen unterschiedlichen Logiken: Während Odysseus nach Ithaka zurückkehrt, um eine alte Ordnung wiederherzustellen, zieht Aeneas aus, um eine neue zu gründen. In der Vormoderne wurde diese Differenz immer wieder zum Ausgangspunkt für die Frage, wie beide Helden als Modelle für Mensch und Herrscher zu deuten seien. Warum wurde im mittelalterlichen Westen gerade Vergils Aeneis zu einem so zentralen Bezugspunkt, und welche anderen Deutungswege eröffnete demgegenüber die Odyssee?
Das Seminar untersucht die mittelalterliche und frühneuzeitliche Rezeption beider Epen im Spannungsfeld ihrer unterschiedlichen Erzähl- und Deutungsmuster. Im Mittelpunkt steht dabei insbesondere die Ambivalenz der Figur des Odysseus: Wie konnte er einerseits als Sinnbild für Klugheit, andererseits aber auch als Sinnbild für Torheit und Verirrung erscheinen? Welche unterschiedlichen Vorstellungen von Herrschaft, Tugend, Wissen und Geschichte verbinden sich mit beiden Traditionen?
Das Seminar verbindet die Auseinandersetzung mit der Rezeption antiker Stoffe mit Fragen nach der Legitimation von Macht, dem Sinn von Geschichte und den Möglichkeiten und Grenzen menschlichen Wissens.
Was macht einen Heiligen zum Heiligen? In welchen Kontexten begegnen Heilige? Woran erkennt man sie? Wann und warum werden sie verehrt? In welcher Form sind sie überliefert? Ausgehend vom Heiligenbestand der Chemnitzer Jakobikirche beschäftigten wir uns mitchristlichen Heiligen und ihrer Bedeutung für die mittelalterliche Frömmigkeitskultur, die nicht zuletzt in der vormodernen Kunst und Literatur ihren Niederschlag gefunden hat. Im Rahmen der sachkulturellen Erschließung werden neben zentralen Hilfsmitteln der christlichen Ikonographie und Hagiographie verschiedene historische Textsorten und Gattungen vorgestellt, die von Heiligen erzählen oder in denen Heilige eine prominente Rolle spielen: angefangen beiden Heiligenviten und Mirakeln der frühesten Zeit bis hin zur polemischen ‚Lügende‘ der konfessionellen Streitkultur. Die Beschäftigung mit Heiligen im Spannungsfeld von Glaube, Volksglaube und Aberglaube, von kirchlicher und außerkirchlicher, von regionaler und überregionaler Frömmigkeitskultur führt uns von den kanonischen Heiligen der römisch-katholischen Kirche bis hin zu erfundenen Heiligen wie St. Nemo oder St. Grobianus
In diesem Begleitseminar soll Ihnen dabei geholfen werden, das von Ihnen selbst erarbeitete Projekt durchzuführen, zu reflektieren und schließlich vorzustellen. Thematisch können Sie selbstständig einen Gegenstand Ihrer Wahl bearbeiten oder bekommen Anregungen durch den Dozenten. Schön wäre es, wenn Sie bereits im Lauf Ihrer Erarbeitungsphase in die Stadtgesellschaft hinausgehen und beispielsweise die technischen Möglichkeiten der Stadtbibliothek nutzen oder auf die Museumslandschaft in Chemnitz zurückgreifen.
Die Übung richtet sich an alle, die ihre Auseinandersetzung mit historischen und/oder literarischen Gegenständen „verwissenschaftlichen“ wollen, weil sie wissen oder wenigstens ahnen, dass alle Aussagen ohne Berücksichtigung wissenschaftlicher Gepflogenheiten letzten Endes nicht mehr sind als Meinungen. Wir klären, woran sich wissenschaftliches Arbeiten festmachen lässt und führen nicht nur in seine geistigen Grundlagen, sondern auch in konkrete, für das Studium unerlässliche Techniken ein.
Alle Unterrichtsmaterialien werden gestellt.
Homers Odyssee gehört zu den wirkungsmächtigsten Texten der europäischen Literaturgeschichte, was der Film Christopher Nolans, der erst kürzlich in die Kinos gekommen ist, eindrücklich beweist: eine Erzählung, die auch im Jahre 2026 unzählige Menschen ins Kino lockt und von der einige behaupten, sie sei gerade jetzt so aktuell wie nie zuvor. Vielleicht hat die Odyssee ihre Bedeutung aber auch nie verloren?
Im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit wurde der Stoff in vielfältiger Weise neu gelesen, umgedeutet und literarisch weiterverarbeitet. Das Seminar untersucht ausgewählte Stationen dieser Rezeptionsgeschichte und fragt danach, wie sich die Figur des Odysseus, zentrale Motive sowie erzählerische Strukturen unter veränderten kulturellen, religiösen und poetischen Voraussetzungen wandeln. Anhand exemplarischer Texte werden unterschiedliche Formen der Aneignung und Transformation analysiert und in ihren jeweiligen historischen Kontext eingeordnet. Ziel des Seminars ist es, die Dynamik literarischer Traditionen nachzuvollziehen und grundlegende Konzepte der Rezeptions- und Intertextualitätsforschung anzuwenden.
Hinweis: Am Ende des Semesters ist die Zusammenführung mit dem NDVL-Kurs zur Odyssee geplant. Das Ziel ist es, eine gemeinsame Podiumsdiskussion des neuen Films von Christopher Nolan vor dem Hintergrund der in den unterschiedlichen Fachbereichen erarbeiteten Erkenntnisse durchzuführen.
Beschreibung: Interkulturelle Literaturwissenschaft interessiert sich für die interkulturellen Aspekte der Literatur. Für deren Beschreibung, Analyse und Interpretation bedient sie sich eines breiten Spektrums an solchen literatur- und kulturwissenschaftlichen Konzepten, Theorien und Methoden, die sich für eine interkulturelle Perspektivierung von Literatur besonders eignen. - Ausgehend von der Frage: Was ist Interkulturelle Literaturwissenschaft und wie lässt sich ihr primärer Gegenstand, die interkulturelle Literatur, näher bestimmen?, werden Theorieansätze vorgestellt, die - wie etwa die Interkulturelle Hermeneutik oder postkoloniale Theorien - jeweils grundlegende Probleme und Fragen von Interkulturalität und damit verbundene Konstellationen (wie z.B. Kultur und Herrschaft, Identität und Differenz, das 'Eigene' und das 'Fremde'/'Andere') reflektieren und Möglichkeiten und Grenzen interkulturellen Verstehens ausloten. Der Frage, wie diese Ansätze methodisch für die Analyse und Interpretation interkultureller Literatur produktiv gemacht werden können, kommt dabei besonderes Augenmerk zu.
Die Übung "Einführung in die Interkulturelle Literaturwissenschaft" findet begleitend zur gleichnamigen Vorlesung statt. Sie dient dem vertieften Studium der Vorlesungsinhalte, insbesondere der methodischen Erprobung der in der Vorlesung vorgestellten Theorien an konkreten literarischen Texten. Selbstredend bietet sie die Möglichkeit, offen gebliebene Fragen zu klären und Vorlesungsinhalte im gemeinsamen Gespräch kritisch zu reflektieren.
Wörter haben Geschichte. Ihre Bedeutungen verändern sich, verblassen oder gewinnen neue Facetten, und mit ihnen verändern sich die Vorstellungen von den Dingen, die sie bezeichnen. Historische Semantik fragt deshalb nicht nur nach dem Wandel einzelner Wörter und Begriffe, sondern nach den historischen, kulturellen und sozialen Bedingungen, unter denen Bedeutung entsteht.
Das Seminar untersucht unterschiedliche Formen vormoderner Bedeutungsbildung. Wie werden Bedeutungen in Wörtern und Texten, aber auch in Bildern, Dingen, Räumen und Ritualen erzeugt und vermittelt? Welche kulturellen Wissens- und Deutungsordnungen werden dabei sichtbar?
Die konkreten Themen und Quellenfelder werden zu Beginn des Semesters gemeinsam ausgewählt.
Professur Germanistische Sprachwissenschaft, Semiotik und Multimodale Kommunikation
Beobachtet man, wie jemand spricht, dann bewegen sich nicht nur die Lippen, sondern auch andere Artikulatoren, wie die Hände und Arme, die Füße, der Kopf oder die Augen. Schlägt man eine Zeitschrift auf und betrachtet eine Werbeanzeige, dann tragen nicht nur Schriftzeichen, sondern auch bildliche Zeichen zur intendierten Gesamtbotschaft bei. Surft man durch das Internet, nutzt Links und Suchmaschinen, dann potenzieren sich die Medien und Modalitäten. Mit all diesen Zeichenpraktiken stellt sich auch die Frage nach den Grenzen eines Systems: Gehören bestimmte Zeichen ein und demselben Kode an, gehören sie zu verschiedenen Kodes oder sind sie als Zeichen in einen übergeordneten Matrixkode integriert? Wie wirken unterschiedliche Medien und Modalitäten zusammen? Welche Formen der Integration können wir beobachten? In dieser Vorlesung wird untersucht, wie jeweils Gestik und Rede sowie Text und Bild zusammenwirken und zur intendierten Gesamtbotschaft in der Kommunikation beitragen. Geht man davon aus, dass Rede und begleitende Gestik gegenüber Text-Bild-Beziehungen ontogenetisch und phylogenetisch primär sind, dann stellt sich zudem die Frage, ob und inwieweit Text-Bild-Relationen aus Rede-Gestik-Relationen ableitbar sind und welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede sich in der spezifischen Ausgestaltung multimodaler Integrationen feststellen lassen.
Im Rahmen dieser Einführung werden wir uns die wesentlichen Strukturen der deutschen Sprache und ihrer Verwendung erarbeiten und die Begriffe kennenlernen, die im Rahmen der germanistischen Sprachwissenschaft für ihre Beschreibung genutzt werden. Wir wenden uns dafür einerseits den klassischen Beschreibungsebenen Phonologie, Graphematik, Morphologie, Syntax, Semantik, Pragmatik zu, ergänzen diese aber um Perspektiven auf Semiotik, Medialität, Multimodalität, Kognition und Spracherwerb. Die Vorlesung ist eng verkoppelt mit der gleichnamigen Übung und dem dazugehörigen Tutorium, um die betrachteten Phänomene und die zugehörigen Begriffe anhand von Beispielen illustrieren, diskutieren und einüben zu können. So erhalten wir bspw. Einblick in die Grammatik und die damit verbundenen Strukturprinzipien menschlicher Sprache auf Laut- und Buchstabenebene sowie Wort- und Satzebene. Wir lernen kennen, wie die Bedeutung von Wörtern, Sätzen und Texten entsteht und wie das Handeln mit und durch Sprache erfasst und beschrieben werden kann. Wir beschäftigen uns mit dem geschriebenen und gesprochenen Deutsch sowie seinen Beziehungen zu nicht-sprachlichen Zeichen in unterschiedlichen Medien.
Die Übung begleitet die gleichnamige Vorlesung, die Teilnahme ist obligatorisch.
ACHTUNG: KURS ENTFÄLLT. Leider kann aufgrund von Kürzungsmaßnahmen des Rektorats diesmal nur eine Übung angeboten werden.
Beschreibung folgt
Warum sprechen wir von einem „tragbaren Fernseher“ aber nicht von einem „schlafbaren Bett“? Antworten auf derartige Fragen finden wir, wenn wir uns mit der Wortbildung beschäftigen, die als ein zentraler Teilbereich der Morphologie Gegenstand unseres Seminars ist. Im Unterschied zur Flexion, dem zweiten wichtigen Teilbereich, ist die Hauptfunktion der Wortbildung die Lexembildung und damit die Wortschatzerweiterung. Lexeme können jedoch nicht aus beliebigen Morphemen in beliebiger Weise gebildet werden, sondern diese Bildungen unterliegen gewissen Beschränkungen und Regularitäten. Wir behandeln in diesem Seminar auf der Grundlage der Basislektüre von Eisenberg (1998) unterschiedliche Wortbildungstypen (Komposition, Präfigierung, Suffigierung, Konversion). Wir erarbeiten uns Eisenbergs Analyseinstrumentarium und wenden dieses auf unterschiedliche komplexe Beispiele an. Anschließend vertiefen wir ausgewählte Problembereiche der Wortbildung auf der Grundlage ergänzender und weiterführender Forschungsliteratur.
Beschreibung folgt.
Das Internet hat unsere Kommunikation ebenso wie die mediale Öffentlichkeit in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert. Es bietet einerseits neue Kommunikationsformen an (etwa Soziale Netzwerke oder Blogs) und hat andererseits für traditionelle Genres neue Formen entwickelt (etwa Online-Nachrichtenportale). Traditionelle Unterscheidungen der Linguistik und Medienwissenschaft, etwa zwischen individueller und Massenkommunikation, greifen hier nicht mehr. Sprache spielt weiterhin eine zentrale Rolle, kann jedoch in ihren kommunikativen Funktionen nur angemessen untersucht werden, wenn ihr Zusammenwirken mit Bildern, Videos, Links, Icons usw. einbezogen wird.
Die sozialen Auswirkungen dieser Veränderungen in unseren Kommunikationsformen werden in der Öffentlichkeit intensiv diskutiert. Dabei blockieren häufig unfruchtbare Extrempositionen, die man salopp als Technikoptimismus und als Digital-Kritik bezeichnen könnte, eine differenzierte Auseinandersetzung, die jedoch nötig ist, um die Auswirkungen des Internet auf unsere kommunikativen Praktiken und letztlich unsere Gesellschaft zu verstehen.
Im Seminar werden einflussreiche Kommunikationsformen des Internets wie Online-Nachrichten, soziale Netzwerke, Blogs, Vlogs und andere mit Methoden der multimodalen Linguistik untersucht. Ein Fokus liegt auf der Entwicklung und themenspezifischen Anpassung geeigneter Analyseschemata. Thematisiert werden zudem die Diskurse darüber, wie sich das Internet auf unser kommunikatives Verhalten auswirkt.
Das Seminar widmet sich funktionalen Ansätzen der Sprachwissenschaft u.a. in den Bereichen Syntax, Pragmatik und Multimodalität.
Beschreibung folgt.
Das Seminar vermittelt grundlegende Kenntnisse zur Konzeption und Durchführung eigener Forschungsprojekte. Ausgehend von Überlegungen zur linguistischen Gegenstandskonstitution und Methodologie erarbeiten die Studierenden das Verhältnis von Empirie, Methode und Theorie. Eingeführt werden u. a. Verfahren zur Datenerhebung, Annotation und Transkription sowie der Umgang mit Korpora und Methoden der Digital Humanities. Die Studierenden wenden die Inhalte praktisch an, indem sie eigene kleine Projekte entwickeln und umsetzen.
Voraussetzung für die Teilnahme ist die Durchführung eigener empirischer Analysen in Kleingruppen.
Die Vorlesung gibt einen Überblick über klassische Theorien und Modelle der Semiotik sowie über Geschichte, Anwendungsfelder und interdisziplinäre Bezüge semiotischer Schulen und Traditionslinien. Ein weiterer Schwerpunkt wird auf Fragestellungen der aktuellen Multimodalitätsforschung liegen. Insbesondere wird herausgearbeitet, in welcher Weise eine semiotische Perspektive zur Analyse von Text-Bild-Relationen sowie Geste-Rede-Relationen beitragen kann.
Im Seminar werden die theoretischen Grundlagen der Semiotik ausgehend von Grundlagentexten und Sekundärliteratur vertieft. Klassische Theorietheorie werden auszugsweise gelesen, durch Sekundärliteratur ergänzt und in ihrem ideengeschichtlichen Kontext verortet. Anhand von Beispielanalysen entsteht ein Verständnis für die Vielfalt semiotischer Beschreibungsansätze, ihr Anwendungspotenzial und ihre Grenzen.
Seminar entfällt
Seminar entfällt
Professur Neuere Deutsche und Vergleichende Literaturwissenschaft
Die Vorlesung gibt einen Überblick über die Epochen der Literatur vom Barock bis in die Gegenwart. Im Mittelpunkt steht die deutschsprachige Literatur, deren Entwicklung im Kontext der anderen europäischen Literaturen dargestellt wird.
Der Grundkurs ist für Studienanfänger/innen Lehramt Grundschule (Studiertes Fach Deutsch) konzipiert und führt am Beispiel lyrischer, dramatischer und epischer Texte in grundlegende Fragestellungen, Analyse- und Interpretationsverfahren der Literaturwissenschaft ein. Zu diesem Grundkurs wird ein Tutorium (Tag/Zeit/Ort werden erst im Oktober festgelegt) angeboten.
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts gehört Homers Odyssee zu den produktivsten Bezugstexten der Literatur und des Films. Immer wieder werden die Irrfahrten des Odysseus, seine Heimkehr nach Ithaka und die Figuren, denen er auf seiner Reise begegnet, neu erzählt, in andere historische und kulturelle Zusammenhänge versetzt oder aus veränderter Perspektive betrachtet. Das Seminar verfolgt diese Rezeptionsgeschichte von James Joyces Ulysses über moderne Heimkehrerzählungen bis zu jüngeren Umschriften wie Bernhard Schlinks Die Heimkehr oder Madeline Millers Ich bin Circe und bezieht dabei auch filmische Adaptionen und Transformationen des Stoffes ein. Im Mittelpunkt steht die Frage, weshalb gerade die Odyssee für Literatur und Film des 20. und 21. Jahrhunderts zu einem so wandlungsfähigen Modell von Reise, Fremde, Erinnerung und Heimkehr geworden ist.
»[...] was ist eine Novelle anders als eine sich ereignete unerhörte Begebenheit. Dies ist der eigentliche Begriff, und so vieles, was [...] unter dem Titel Novelle geht, ist gar keine Novelle, sondern bloß Erzählung“ (Goethe an Eckermann, 1827). Ausgehend vom "Decameron" Boccaccios, dem „Vater und Stifter der Novelle“ (F. Schlegel), wird sich das Seminar in einem ersten Abschnitt mit historischen Vorläufern novellenähnlichen Erzählens (Exempel, Märchen, Legende etc.) beschäftigen, um sodann maßgebliche Stationen der europäischen Novellistik – u. a. Cervantes, Goethe, Kleist, Tieck, Keller, Flaubert, Hauptmann, Musil, U. Timm – ›abzuschreiten‹. In kulturhistorischer Perspektive und in detaillierten Einzelanalysen von novellistischen Erzähltexten und deren gattungstheoretischen Bestimmung wird das Seminar den Formenwandel des Genres sichtbar machen und die Abgrenzung zu anderen Prosaformen untersuchen. Und wie immer gilt: Nichts ist in Stein gemeißelt, für Vorschläge – gerade auch aus dem Bereich der KJL – bin ich jederzeit offen.
Mit der Erfindung des Käpt’n Blaubär hat Walter Moers eine Figur in der Tradition des Barons Münchhausen kreiert. Sei es das Seemannsgarn, das er seinen Enkelkindern in der “Sendung mit der Maus” erzählt, oder das Fechten von verbalen Lügenduellen mit Kontrahenten im Roman “Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär”, immer steht das Spiel um Wahrheit und Persönlichkeitskonstruktion im Zentrum. Walter Moers, der bis heute selbst kaum in der Öffentlichkeit auftritt und beispielsweise 2023 ausschließlich als vertonte Marionette ein Interview mit dem Literaturkritiker Dennis Scheck gab, tritt als Autor hinter seine Werke zurück und stellt damit das Schriftstück und die Rezeption in den Fokus. Man denke hierbei auch an Roland Barthes und sein Essay vom “Tod des Autors”. Dabei stagniert er auch nicht in einem Genre oder Stil. So begann Moers mit der Arbeit an Comis (“Das kleine Arschloch” oder “Jesus total”), bis er dann zu seinen Zamonien-Romanen überging, die sich mit ihren literarischen Merkmalen vom Märchen über den Bildungsroman bis hin zum Briefroman erstrecken. Dabei ist ein durchgängiges Charakteristikum die Ergänzung des Textes durch zahlreiche Illustrationen von beschriebenen Landschaften, grotesken Bauwerken, hypnotischer Konzertmusik oder anthropomorphisierten Tierwesen.
Ins Zentrum des Seminars sollen ausgewählte Werke aus dem Oeuvre Walter Moers’ gestellt und über die verwendeten literarischen sowie illustrativen Mechanismen diskutiert werden, die sich beispielsweise aus der Adaption des künstlerischen Werkes von Gustave Doré oder der Verwendung von Anagrammen real existierender Autoren ergeben.
Zur Einstimmung und Vorabeinführung wird die dem Seminar vorausgehende Tagung “‘Ein Leben beginnt gewöhnlich mit der Geburt – meins nicht.’ Identitätssuche und -konstruktion bei Walter Moers” vom 08.-10.10.2026 empfohlen. Podiumsdiskussion am 08.10., 19:00 in der Stadtbibliothek Chemnitz (Veranstaltungssaal); Tagung mit Vorträgen am 09.10., 09:00-19:00 und 10.10., 9:30-14:00 im Garagen-Campus Chemnitz. Das Programm ist der NDVL-Professur-Website zu entnehmen.
Interkulturelle Literaturwissenschaft interessiert sich für die interkulturellen Aspekte der Literatur. Für deren Beschreibung, Analyse und Interpretation bedient sie sich eines breiten Spektrums an solchen literatur- und kulturwissenschaftlichen Konzepten, Theorien und Methoden, die sich für eine interkulturelle Perspektivierung von Literatur besonders eignen. - Ausgehend von der Frage: Was ist Interkulturelle Literaturwissenschaft und wie lässt sich ihr primärer Gegenstand, die interkulturelle Literatur, näher bestimmen?, werden Theorieansätze vorgestellt, die - wie etwa die Interkulturelle Hermeneutik oder postkoloniale Theorien - jeweils grundlegende Probleme und Fragen von Interkulturalität und damit verbundene Konstellationen (wie z.B. Kultur und Herrschaft, Identität und Differenz, das 'Eigene' und das 'Fremde'/'Andere') reflektieren und Möglichkeiten und Grenzen interkulturellen Verstehens ausloten. Der Frage, wie diese Ansätze methodisch für die Analyse und Interpretation interkultureller Literatur produktiv gemacht werden können, kommt dabei besonderes Augenmerk zu.
Die Übung "Einführung in die Interkulturelle Literaturwissenschaft" findet begleitend zur gleichnamigen Vorlesung statt. Sie dient dem vertieften Studium der Vorlesungsinhalte, insbesondere der methodischen Erprobung der in der Vorlesung vorgestellten Theorien an konkreten literarischen Texten. Selbstredend bietet sie die Möglichkeit, offen gebliebene Fragen zu klären und Vorlesungsinhalte im gemeinsamen Gespräch kritisch zu reflektieren.
Die Phantastik verschwindet mit der Romantik nicht, sondern lebt in den Literaturen des europäischen Realismus weiter. Allerdings verändert sie ihre Form. Das Übernatürliche begegnet von nun an in einer Welt, die auf rationale Erklärbarkeit setzt und sich zunehmend durch Wissenschaft und technischen Fortschritt bestimmt sieht. Gerade daraus entsteht die für viele Texte charakteristische Verunsicherung: Was zunächst erklärbar scheint, entzieht sich so einer eindeutigen Deutung.
Das Seminar nimmt diese Entwicklung in gesamteuropäischer Perspektive in den Blick. Im Mittelpunkt stehen Texte, in denen sich realistisches Erzählen mit phantastischen Elementen verbindet. Einen Schwerpunkt bildet Theodor Storm, dessen Novellen besonders anschaulich zeigen, wie sich die Phantastik innerhalb des Realismus behauptet und welche Funktion ihr dabei zukommt.
Bereits in unserer Alltagssprache weisen die Substantive der / die / das Fremde eine Vielzahl verschiedener Bedeutungen, Verweisungskontexte und Beziehungsgefüge auf: „das Fremde als etwas Sächlich-objekthaftes oder Unbestimmt-transzendentes, z.B. das Heilige, das Böse, die Welt, das Tier, das andere Geschlecht, das Unheimliche, das Gespenst […], die Fremde als fernes Land […], der Fremde als Eingrenzung auf vorwiegend menschliche Gestalten, z.B. peregrinus, der von fern her ist oder sich in die Ferne begibt, und extraneus, der von außen kommt“, auch „Immigrant, Ausländer, Gast, Feind, Wilder“ (Wimmer 1997, 1067). Die mit dieser (hier nur in einer kleinen Auswahl präsentierten) Semantik verbundenen Ambivalenzen und Paradoxien sind auch für literarisch-poetische Inszenierungen und Repräsentationen von Figuren des Fremden charakteristisch. Dabei wird sich das Seminar auf menschliche Fremdgestalten konzentrieren und einen interkulturellen Streifzug durch die Literatur unternehmen: Mit ausgewählten Episoden aus Homers Epen (Odysee, Ilias) und der Medea-Tragödie des Euripides werden wir uns ebenso beschäftigen wie mit Dramen- und Prosa-Helden und -Heldinnen bei Defoe (Robinson Crusoe) und Goethe (Iphigenie), aber auch mit lyrischen Gestaltungen des Fremden bei Schiller und Hölderlin und nicht zuletzt mit Kamel Daouds Roman Der Fall Mersault – Eine Gegendarstellung (2017), der sich als kritische Replik auf Camus‘ Weltklassiker Der Fremde (1942) versteht. Unsere textnahen Lektüren sollen dabei auch immer von der Frage begleitet sein, ob diese Texte eine spezifische Poetik des Fremden implizieren. Die Textauswahl ist alles andere als in Stein gemeißelt, sprich: Vorschläge seitens der Seminarteilnehmer sind jederzeit willkommen.
Das Seminar begleitet die Projektarbeit.
Juniorprofessur Digital Humanities
Beschreibung folgt.
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