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Des Kaisers Kloster

875 Jahre Chemnitz: Im Schloßbergmuseum der Stadt öffnet am 26. August eine Ausstellung, zu der auch Historiker, Literaturwissenschaftler und Studierende der TU Chemnitz Beiträge lieferten

Die „Kunstsammlungen Chemnitz – Schloßbergmuseum“ zeigen vom 26. August bis zum 25. November 2018 im Rahmen des 875-jährigen Stadtjubiläums etwa 100 Exponate aus der Geschichte des benediktinischen Chemnitzer Klosters. Neben Urkunden, Handschriften und Inkunabeln aus dem 12. bis 16. Jahrhundert machen Baufragmente, archäologische Funde und Werke der bildenden Kunst die Entwicklung der Abtei greifbar.

TU Chemnitz wirkt am Jubiläumsprojekt "Des Kaiser Kloster" mit

Auch Forschende und Studierende der Technischen Universität Chemnitz waren am Jubiläumsprojektes "Des Kaiser Kloster" beteiligt. So hat das Schloßbergmuseum zunächst auf Grundlage eines Partnervertrages mit der Professur Europa im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit zusammengearbeitet: Prof. Dr. Martin Clauss war über das ganze Projekt hinweg in beratender Form tätig, er erstellte für den Katalog und die Ausstellung Textbeiträge und führte gemeinsam mit dem Schloßbergmuseum eine Seminarreihe durch. Clauss wird ebenfalls im Rahmen des Veranstaltungsprogrammes als Referent zu Fragen mediävistischer Diplomatik auftreten. Zudem führt er am 26. August um 15 Uhr in der Chemnitzer Schloßkirche im Rahmen der Ausstellungseröffnung in die Exposition ein. Ebenfalls auf Basis eines Partnervertrages zwischen dem Schloßbergmuseum und der Professur für Europäische Geschichte des 19./20. Jahrhunderts arbeitete Dr. Hendrik Thoß als Autor und Lektor am Katalog mit. Er hatte außerdem die Moderation am vorbereitenden Kolloquium 2017 inne. Und Prof. Dr. Christoph Fasbender, Inhaber der Professur Deutsche Literatur- und Sprachgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, war persönlich als Essay- und Katalogautor in das Projekt eingebunden. Zudem unterstützten Studierende des Studienganges "Rezeptionskulturen der Vormoderne" der TU das Projekt.

Kloster ist Ausgangspunkt für Besiedelung

Um das Jahr 1136 begann auf einem bewaldeten Höhenzug nahe dem Chemnitzfluss die intensive Bautätigkeit an einem Kloster, das als Ausgangspunkt für die künftige Besiedelung und für die Anlage von Dörfern und Städten entstehen sollte. Die Mönche, die mit dieser Aufgabe betraut worden waren und in die künftige Abtei einziehen sollten, kamen aus dem Kloster Pegau bei Leipzig. Sie folgten der Regel der Benediktiner. Die Initiative zur Besiedelung des Landstriches ging von den deutschen Kaisern aus. Nach dem Niedergang der mächtigen Herrschergeschlechter der Salier und Ottonen hatte die Krone viel von ihrer Macht an weltliche und geistliche Fürsten verloren. Kaiser Lothar von Supplinburg und seine Gattin Richenza waren deshalb außerordentlich um die Restitution der kaiserlichen Macht bemüht. Kaiser Lothar III. und seine Nachfolger wollten mit den bislang kaum genutzten Ländereien der Krone, die bis zum Ende des 12. Jahrhunderts zu den kaiserlichen Domänen Pleißenland, Voigtland und Egerland ausgebaut und besiedelt wurden, eine starke wirtschaftliche Machtbasis schaffen.

Die „Geburtsurkunde“ der Stadt Chemnitz

Nach Lothars Tod setzte sein Nachfolger König Konrad III., der erste Herrscher aus dem Geschlecht der Staufer, diese Politik fort: Zur nachhaltigen Unterstützung des Klosters am „lokus kameniz dictus“ (am „Chemnitz genannten Orte“) um den sogenannten Landesausbau, erteilte Konrad in einer Urkunde des Jahres 1143 den Benediktinern das Recht, nicht weit entfernt vom Klosterberg einen reichsoffenen, unter Königsschutz stehenden, Fernhandelsmarkt zu eröffnen. Dieses für die Chemnitzer Geschichte wertvolle königliche Dokument von 1143 bestätigte im Nachhinein die Gründung des Klosters durch Kaiser Lothar. Indem das Schriftstück mit dem Marktrechtsprivileg auf eine angestrebte spätere Stadtgründung zielte, stellt es darüber hinaus die „Geburtsurkunde“, die urkundliche Ersterwähnung eines „Chemnitz genannten Ortes“ vor exakt 875 Jahren dar.

Zeitreise durch die Jahrhunderte

Kloster und Stadt, die sich zum Ende des 12. Jahrhunderts hin herausbildete, wurden zu Gliedern des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Sie unterstanden damit direkt den Kaisern und Königen. Doch während das Kloster diesen Status bis in die Zeit der Reformation (16./17. Jahrhundert) beibehalten konnte, verlor ihn Chemnitz bereits zu Beginn des 14. Jahrhunderts. Nach der Schlacht von Lucka im Jahre 1307 ging das Pleißenland an das Geschlecht der Wettiner. Zwar versuchten die Kaiser Ludwig der Bayer und Karl IV. während ihrer Regierungszeit, Chemnitz als Reichslandstadt wieder unter die Krone zu bringen, doch standen den Kaisern zu dieser Zeit kaum noch Machtmittel zu Verfügung, um etwaige Machtansprüche gegen starke Fürsten durchzusetzen. Chemnitz wurde in der Folge zur meißnisch-sächsischen Landstadt.

Erstmalig in einer Ausstellung lassen zahlreiche Exponate den Glanz und die Bedeutung der Chemnitzer Abtei lebendig werden: die Urkunden von 1143 (König Konrad III.) und 1536 (Kaiser Karl V.), Handschriften (12. bis 15. Jahrhundert), Inkunabeln aus der Chemnitzer Benediktinerabtei und dem Mutterkloster Pegau (15./16. Jahrhundert), Baufragmente des Klosters von den Anfängen bis zur letzten Umbauphase (um 1527), archäologische Befunde zur Alltags- und Herrschaftsgeschichte (12. bis 16. Jahrhundert), Bildwerke aus der Cranach-Werkstatt, Gemälde, Grafiken, Skulpturen zum Kloster und seinem Herrschaftsumfeld.

(Quelle: u. a. Informationen der „Kunstsammlungen Chemnitz – Schloßbergmuseum“)

Mario Steinebach
15.08.2018

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