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Professur Kultureller und Sozialer Wandel
Universitat de Barcelona

Tag 1: Universitat de Barcelona

Am Montag, den 02.09., stand ein Besuch an der Universitat de Barcelona auf dem Programm. Dort trafen wir auf Prof. Dr. Javier Orduña, der Professor für Germanistik ist. Er erzählte uns von dem spanischen Bildungssystem und zeigte uns Unterschiede zu unserem auf. Er erklärte uns beispielsweise, dass es 50 staatliche und 30 private Universitäten in Spanien gibt. Die privaten Universitäten sind häufig von Stiftungen oder katholischen Einrichtungen geführt. Außerdem berichtete uns Prof. Dr. Orduña von verschiedenen Lehr- und Lernkulturen in Spanien und Deutschland. An spanischen Universitäten werden die Themen stärker vom Staat vorgegeben und die Veranstaltungen werden von Semester zu Semester immer wiederholt. Beispielsweise können die Dozenten die Seminarinhalte nicht wie in Deutschland selbst wählen und in Spanien herrscht im Vergleich eine deutlich geringere Diskussionskultur. Prof. Dr. Javier Orduña hat auch darauf hingewiesen, dass das spanische Schulsystem durch die immer größer werdende Jugendarbeitslosigkeit stark in Frage gestellt wird.

Nach seinem Vortrag führte uns Prof. Dr. Javier Orduña noch im wunderschönen und prunkvollen Gebäude seiner Fakultät umher. Ein Highlight dabei war sicherlich der Saal, in dem die Studierenden ins neue Semester begrüßt werden.

Nach der Mittagspause trafen wir uns erneut in der Universitat de Barcelona. Die Teilnehmer/innen der Exkursion hatten bereits im Vorfeld Referate zu geschichtlichen und aktuellen Themen in Spanien, hauptsächlich mit Bezug auf Katalonien, ausgearbeitet.

Der erste Vortrag behandelte das Thema „Flucht und Exil in Zeiten des Bürgerkriegs und der Franco-Diktatur“. Nachdem zuerst der Bürgerkrieg in den Jahren 1936 bis 1939 erläutert wurde, erhielten wir anschließend Informationen über die Franco-Diktatur zwischen 1939 und 1975. Die Franco-Diktatur war gekennzeichnet durch das Verbot der katalanischen Sprache und Kultur.

 Anschließend wurde das Thema „Flucht und Exil“ in dieser Zeit näher betrachtet. Die größte Fluchtbewegung in der spanischen Geschichte fand 1939 statt. Während der Franco-Diktatur wurden viele Exilspanier in deutsche Konzentrationslager verschleppt.[1]

Der folgende Vortrag beschäftigte sich mit der Binnenmigration innerhalb Spaniens in den 1960er Jahren, welche sich durch eine breite Wanderungsbewegung vom Land in die Städte auszeichnete. Zu diesen Städten gehörten vor allem Madrid und Barcelona. Dies hatte große Auswirkungen auf die Bevölkerungs- und Erwerbsstruktur.

Die dritte Präsentation beschäftigte sich mit dem Thema „Arbeitsmigration aus Spanien nach Europa in den 1960er Jahren“. Sowohl die Interessen der Migranten als auch das Wirtschaftswunder und die damit verbundene Anwerbung von spanischen Arbeitskräften aus dem europäischen Ausland in den 1960er Jahren führte zu einer großen Auswanderungsbewegung der Arbeiter. 

Danach machten wir einen kleinen zeitlichen Sprung in die 1990er Jahre und erhielten Informationen über die Migration nach Spanien in dieser Zeit, wobei sowohl die legale als auch die illegale Migration mit Fokus auf Katalonien angesprochen wurde. Zu den Einwanderern gehörten neben den Europäern vor allem auch Lateinamerikaner aufgrund der sprachlichen Verbundenheit und dem wirtschaftlichen Aufschwung in Spanien. Zudem wanderten auch viele Marokkaner  ein.

Der letzte Vortrag handelte von der aktuellen Emigration aus Spanien, die durch die anhaltende Wirtschaftskrise im Land ausgelöst wurde und immer noch wird. Im Jahre 2011 sind in Spanien erstmals mehr Menschen aus- als eingewandert, obwohl Spanien eigentlich bis zu dem Zeitpunkt als Einwanderungsland galt. Bevorzugt wandern die Spanier nach Deutschland oder Großbritannien aus. Dies hatte zur Folge, dass Arbeitsmarktreformen eingeführt wurden, bei denen die Unternehmen Steuervergünstigungen für die Einstellung junger Arbeitskräfte erhalten. 

Wie wir in den folgenden Tagen feststellten, waren diese Grundinformationen über die Migrationsbewegungen in Katalonien sehr hilfreich. Die folgenden Programmpunkte bauten darauf auf und vertieften das gewonnene Wissen.

                   

 

                   


[1] Seidel, C. C. (2010). Der Spanische Bürgerkrieg: Geschichte eines europäischen Konflikts. CH Beck. S. 195.

 

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