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Professur Soziologie mit Schwerpunkt Arbeit, Wirtschaft und Organisation
Forschung
Professur Soziologie mit Schwerpunkt Arbeit, Wirtschaft und Organisation 

Forschung

Die Professur beschäftigt sich mit Themen rund um folgende Forschungsschwerpunkte:

  • Digitalisierung von Arbeit (u.a. Künstliche Intelligenz, Homeoffice, Social Media)
  • Arbeits- und Geschlechterverhältnisse
  • Anforderungen, Subjektivierung und Handlungsfähigkeit im digitalen Zeitalter
  • Diskurse zur Zukunft von Arbeit und Technik
  • Kapitalismustheorie, Theorien des digitalen Kapitalismus
  • Soziologie der Gewerkschaften, Industrielle Beziehungen, Mitbestimmung, Arbeitskonflikte
  • Care/Sorgearbeit, das Verhältnis von bezahlter und unbezahlter Arbeit, unsichtbare Arbeit
  • Qualitative Sozialforschung

Laufende Forschungsprojekte

GIGG – Gig- und Crowdwork gesundheitsförderlich gestalten

Gefördert von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)

In Kooperation mit der Hochschule Aalen, Prof. Dr. Regina Kempen, Prof. Dr. Kerstin Rieder

Projektmitarbeiter: Dr. Oliver Thünken

Laufzeit: 01.05.2026–30.04.2029

Online: hier

Plattformarbeit ist eine hochflexible Arbeitsform. Es handelt sich um mobile Arbeit, die entweder ortsgebunden (Gigwork) oder ortsungebunden (in der Regel im Homeoffice, Crowdwork) erbracht wird. Auch wenn Anstellungsverhältnisse zunehmen, wird diese Arbeitsform vorwiegend von Solo-Selbständigen umgesetzt. Damit finden klassische Elemente des
Arbeitsschutzes oft keine Anwendung.
 

Erstens zeigen vorliegende Studien, dass in der digitalen Plattformarbeit häufig besonders hohe allgemeine, nicht für digitale Plattformarbeit spezifische Anforderungen auftreten. Hierzu zählen beispielsweise hohe quantitative, körperliche und emotionale Anforderungen. Zugleich fehlen oft klassische Ressourcen wie soziale Unterstützung. Zweitens weist digitale Plattformarbeit neuartige Arbeitsbedingungen auf, die mit den vorliegenden Instrumenten nicht umfassend untersucht werden können. Beispielsweise erfolgt die Leistungssteuerung in der Regel über ein algorithmisches Management. Hieraus resultieren spezifische Risiken, beispielsweise durch neuartige Formen der Überwachung. Drittens ergibt sich der Forschungsbedarf aus der Rechtslage. Mit der EU-Richtlinie zur digitalen Plattformarbeit und ihrer Umsetzung in Deutschland ist zu erwarten, dass der Trend hin zu mehr abhängiger Beschäftigung für Gig-/Crowdworker gestärkt wird. Dies macht die Entwicklung eines geeigneten Analyseinstruments für die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen bei dieser Arbeit dringlicher. Zusätzlich soll das im Projektvorhaben "GIGG" entwickelte Instrument auch für die Untersuchung der Arbeitssituation von Solo-Selbstständigen nutzbar sein. In diesem Rahmen kann es etwa für den Nachweis motivierender, guter Arbeit im Rahmen des Crowdworking Code of Conduct genutzt werden.
GIGG setzt ein Mixed-Methods-Design um. Dieses umfasst a) die qualitative und quantitative Untersuchung spezifischer Arbeitsbedingungen von Gig-/Crowdworkern, inklusive gesundheitlicher Auswirkungen, b) quer- und längsschnittliche Betrachtungen des Zusammenspiels von zielgruppenspezifischen Anforderungen und Ressourcen sowie c) die Analyse der Bedeutung des Boundary Managements von Gig-/Crowdworkern. Dabei verfolgt das Projekt einen interdisziplinären und partizipativen Forschungsansatz und bindet die Zielgruppe von Beginn an in die Planung, Erhebung und Auswertung mit ein.
Das Forschungsvorhaben GIGG analysiert die Arbeitsbedingungen von digital vermittelter Plattformarbeit und ihre Effekte auf die biopsychosoziale Gesundheit der Arbeitenden. Hieraus werden partizipativ entwickelte Empfehlungen für eine menschengerechte Gestaltung dieser Arbeitsform abgeleitet. Dabei wird angesichts der mehrdimensionalen Entgrenzung digital vermittelter Plattformarbeit ein Schwerpunkt auf die vermittelnde Rolle des Boundary Managements gelegt.
Um die Besonderheiten digitaler Plattformarbeit adäquat erfassen zu können, wird ein neues Instrument entwickelt, welches nach Abschluss des Projekts für den Einsatz in Forschung und Praxis zur Verfügung steht. Es werden Policy Briefs und praktische Leitfäden für politische Entscheidungsträger und Institutionen (z.B. Interessensvertretungen) formuliert. Diese geben Empfehlungen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Gig-/Crowdworkern, mit sowohl verhaltens- als auch verhältnisorientierten Maßnahmen und Implikationen für die Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention. Darüber hinaus werden Bildungskonzepte für Interessenvertretungen zur Verfügung gestellt.

Abgeschlossene Forschungsprojekte

2021-2022
„Gender, künstliche Intelligenz und die Arbeit der Zukunft“
Universität Hamburg, Mitarbeit: Dr. Kathrin Ganz
Hans-Böckler-Stiftung

2020-2024
Mitarbeit und Koordination: „Sorge-Transformationen“, Universität Hamburg, Leitung Prof. Dr. Almut Peukert/ Prof. Dr. Wolfgang Menz (Universität Hamburg)
LFF

2018-2020
„Wandel der Geschlechterverhältnisse durch Digitalisierung. Vereinbarkeit von Beruf und Familie, digitale Sichtbarkeit und die Bewertung von Arbeitsleistungen in der betrieblichen Praxis“
LMU München
Hans-Böckler-Stiftung

2013-2015
„Arbeit 2.0. Neue Anforderungen an Beschäftigte und ihre Interessenvertretungen im Umgang mit Social Media“
TU Hamburg-Harburg
Hans-Böckler-Stiftung

2009-2012
Teilprojekt: „Webbasierte Erwerbsarbeit“ im Verbundprojekt „Subjektkonstruktionen und digitale Kultur. Neue Subjektformen im Wechselspiel mit soziokulturellen Praktiken im Cyberspace“
TU Hamburg-Harburg
in Kooperation mit Prof. Dr. Christina Schachtner (Alpen-Adria-Universität Klagenfurt), Prof. Dr. Heidi Schelhowe (Universität Bremen), PD Dr. Raphael Beer (Universität Münster)
Volkswagen-Stiftung „Schlüsselthemen der Geisteswissenschaften“

 

Betreuung von Promotionen

Abgeschlossene Promotionen

Beatriz Casas González: The Production of Workers’ Consent. Between Freedom and Coercion (Zweitbetreuung; Erstbetreuung: Prof. Dr. Wolfgang Menz, Universität Hamburg)

Oliver Giering: Die digitale Transformation der Arbeitswelt in Deutschland. Empirische Analysen zu digitalisierten Arbeitsplätzen, Künstlicher Intelligenz und Arbeitsqualität (Zweitbetreuung; Erstbetreuung: Prof. Dr. Stefan Kirchner, BTU Cottbus)

Eva Kuschinski: Trennende Vermittlungen: Eine materialistisch-feministische Analyse der Wohnraumversorgung von Frauenhausbewohnerinnen* in Hamburg (Zweitbetreuung; Erstbetreuung: Prof. Dr. Monika Grubbauer, HCU Hamburg)


Laufende Promotionen

Karoline Bünker: #corporatehell - Eine qualitative Analyse der Narrative von Arbeit auf TikTok

Franziska Stauche: Organisationale Praktiken und fachkulturelle Spezifika: Eine Analyse geschlechtsbezogener Ungleichheit an Hochschulen (Zweitbetreuung Prof. Dr. Ramona Kusche, Hochschule Mittweida)

Melanie Trommer: Führung und Team als Möglichkeitsstruktur – Karrierewege von MINT-Akademikerinnen im Spannungsfeld sozialer Praktiken
In der Dissertation wird anhand biografischer Interviews mit (angehenden) MINT-Akademikerinnen untersucht, wie Führungskräfte und Teams durch alltägliche, oft implizite soziale Praktiken die Karriereentwicklung von MINT-Akademikerinnen beeinflussen. Im Fokus stehen dabei Onboardingprozesse, Übergänge in neue Rollen sowie Teamdynamiken. Das Projekt verbindet praxeologische Theorien mit Erkenntnissen der Ungleichheits- und Organisationssoziologie und fragt, wie Karrieren junger Frauen in strukturell geprägten Teams gestaltet, ermöglicht oder behindert werden. Besonderes Augenmerk liegt auf der Interaktion von individueller Entwicklung und kollektiven Erwartungen – und darauf, welche Rolle Führungskräfte spielen.
Nevien Kerk: Loving AI in this economy? Eine qualitative Studie zu intimen Beziehungen mit KI-Companions im digitalen Kapitalismus (Erstbetreuung: Hella von Unger, LMU München)
Meine Forschung untersucht intime Beziehungen mit KI-gestützten Companionship Apps als kritischen Zugang zum Verständnis, wie Liebe, Sexualität und emotionale Bindungen im digitalen Kapitalismus geformt werden. Nutzer:innen können Apps erwerben, die KI-gesteuerte Partner:innen generieren, mit denen Beziehungen entwickelt werden können. Nutzer:innen verstehen ihre Beziehungen oft als romantisch, sexuell und emotional. Vor diesem Hintergrund sowie vor dem Hintergrund der andauernden Transformation von Intimität, Sexualität und Beziehungen und des sogenannten „KI-Booms“ untersuche ich in meiner Dissertation, wie sich diese Beziehungen mit KI-Companions gestalten und wie sie von den kommerziellen Interessen der KI-Firmen geprägt werden. Meine Forschung zielt somit darauf ab, zu verstehen, wie sich intime Beziehungen unter den Bedingungen des digitalen Kapitalismus, seiner Kommodifizierung von Emotionen und der fortschreitenden Plattformisierung von Sexualität gestalten. Dies untersuche ich mit einem digital-ethnografischen Ansatz. Dabei erhebe ich digitale Materialien und führe teilnehmende Beobachtungen auf Online-Plattformen durch, auf denen sich Nutzer:innen über ihre Erfahrungen austauschen. Darüber hinaus führe ich Interviews mit Nutzer:innen von Companionship-Apps sowie mit Expert:innen, etwa App-Entwickler:innen. Methodologisch orientiert sich die Studie an der konstruktivistischen Grounded Theory.

Laura Künzel: Fließende (Un)Gleichheit: Erwerbsverläufe von Ingenieurinnen der Wasserinfrastruktur zwischen Tradition und Transformation (Erstbetreuung: apl. Prof. Stephan Lorenz, FSU Jena)
Das Forschungsprojekt untersucht, wie Geschlechterungleichheiten in technischen Berufen entstehen, fortbestehen oder transformiert werden – am Beispiel der Wasserinfrastruktur. Im Mittelpunkt steht die Frage, inwiefern Arbeits- und Entscheidungsprozesse in diesem zentralen Infrastrukturbereich Räume der (Re-)Produktion von Geschlechterverhältnissen darstellen. Ziel der Untersuchung ist es, die Wahrnehmungen von Ingenieurinnen in Bezug auf die strukturellen Gegebenheiten, praktischen Abläufe und Entscheidungsmechanismen ihres beruflichen Umfelds zu analysieren und zu verstehen. Dabei wird untersucht, wie sie historisch und institutionell männlich geprägte Organisationsstrukturen technischer Arbeitswelten wahrnehmen und wie diese Wahrnehmungen ihre Handlungs  und Entwicklungsmöglichkeiten beeinflussen. Empirisch basiert das Projekt auf leitfadengestützten Interviews mit Ingenieurinnen aus kommunalen Wasserbetrieben, Ingenieurbüros und ähnlichen Institutionen; ausgewertet wird das Material mithilfe qualitativer Inhaltsanalyse. Theoretisch verknüpft die Studie Ansätze der Arbeits , Technik  und Umweltsoziologie mit feministischer Organisations  und Infrastrukturforschung. Die Relevanz der Untersuchung liegt in der Verbindung ökologischer Transformationsanforderungen mit Fragen sozialer Gerechtigkeit und Geschlechtergleichstellung. Durch die Perspektive der „Female Employee Voice“ werden geschlechterbezogene Exklusionsmechanismen, aber auch Potenziale alternativer Gestaltungsprozesse sicht  und analysierbar.

Luzia Schmittmann: Haushaltsarbeiter*innen im Ruhestand? Eine lebenslauf- und geschlechtersoziologische Perspektive auf Altern in prekären Lebenszusammenhängen
(Erstbetreuung: Prof. Dr. Mona Motakef, TU Dortmund)
Siehe unter: https://ge.sowi.tu-dortmund.de/professur/promovierende/#accordion-53049-80152