Exkursion nach Brüssel im Dezember 2025
🇪🇺 Die EU vor Ort erleben – Brüssel hautnah!
Bild 1: Benjamin Höhne und Niclas Hüttemann (Professur Politische Systeme) mit Studierenden beim Besuch im Europäischen Rat in Brüssel
Bericht über die Brüssel-Exkursion der Professur
Datum: 7.12.2025 bis 11.12.2025
Dies ist der Bericht über unsere fünftägige Exkursion mitten ins politische Herz Europas, die von Prof. Dr. Benjamin Höhne in Kooperation mit ARBEIT UND LEBEN Sachsen e.V. organisiert und durch ERASMUS+ sowie die Philosophische Fakultät unserer Uni finanziell gefördert wurde. Im Folgenden wird davon berichtet, welche Erfahrung die 30 Politikwissenschaftler:innen der Technischen Universität Chemnitz bei der Exkursion nach Belgien machten, mit welchen Institutionen sich ausgetauscht wurde und welche Diskussionen geführt wurden. Thematisch lag der Fokus der Exkursion auf der Sicherheitspolitik, Autokratisierungstendenzen sowie dem Klima- und Umweltschutz.
Tag 1
Am ersten Tag stand die Anreise nach Brüssel im Mittelpunkt. Treff war um 7:45 Uhr vor der Orangerie der TU Chemnitz. Alle kamen mit Koffern und großen Taschen an, bereit und gut gelaunt für die längere Fahrt mit einem großen Reisebus. Nach der Überprüfung aller Teilnehmenden kam es zu einer kurzen Verzögerung, da ein Teilnehmer versehentlich am falschen Treffpunkt wartete und zunächst am Omnibusbahnhof Chemnitz abgeholt werden musste. Trotz der etwa halbstündigen Verspätung startete die Gruppe anschließend vollständig und gut gelaunt in Richtung Belgien.
Während der rund elf Stunden dauernden Busfahrt wurden regelmäßig Pausen eingelegt. Eine kleinere Panne beim Einparken an einer Raststätte – ohne Schaden oder Verletzte – sorgte kurzzeitig für Aufregung, wurde jedoch schnell und mit Humor gemeistert. Als wir nach dem langen Reisetag in unserem B&B Hotel Centre Louise ankamen, checkten wir alle ein und machten uns sofort gemeinsam auf den Weg in ein Restaurant, wo wir unseren großen Hunger und die Freude über das Ankommen teilten. Dort hatten wir auch die Chance, Erwartungshaltungen und unsere bisherigen Erfahrungen in der Gruppe zu besprechen. Da die meisten von uns nach dem langen Anreisetag sehr müde waren gingen wir schließlich gemeinsam ca. 22:30 Uhr vom Restaurant zu unserer Unterkunft zurück und legten uns in unseren Ein- oder Zweibettzimmern schlafen.
Tag 2
Am zweiten Tag konnten wir entspannt das leckere Frühstück des Hotels genießen. Um 10 Uhr begann der erste Programmpunkt des Tages: eine zweistündige Stadtführung durch Brüssel mit dem Politikwissenschaftler Dr. Manuel Schmitz. Er erklärte uns die Präsenz der EU in der belgischen Hauptstadt, wobei er einen Schwerpunkt auf politische Architektur legte. Mit seiner sehr erfrischenden und offenen Art bot er einen super Einstieg in die Exkursion. Wir lernten die wichtigsten Ecken der Stadt mit Europabezug kennen, erkundeten einige Viertel, Straßen und Denkmäler und erfuhren zudem interessante historische und politische Hintergründe. Anschließend hatten wir zwei Stunden Pause, in der wir gemeinsam mit dem öffentlichen Nahverkehr zum NATO-Hauptquartier fuhren. Nach umfangreichen Sicherheitskontrollen wurden wir von Dr. Jan Nemitz aus der Politischen Abteilung der Ständigen Vertretung Deutschlands bei der NATO empfangen. In einem zweistündigen Gespräch diskutierten wir unter anderem den Ukrainekrieg und den Nahostkonflikt sowie auch das Thema Waffenlieferungen am Beispiel Taurus. Ebenso wurde eine Frage einer Kommilitonin bezüglich des Umgangs der Türkei mit der kurdischen Bevölkerung und einem möglichen Handlungsrahmen der NATO erörtert. Dr. Nemitz überzeugte stets durch Offenheit, Transparenz und die Bereitschaft, auch kritische Fragen ausführlich zu beantworten. Ein Rundgang durch das Gebäude war aus Sicherheitsgründen nur eingeschränkt möglich.
Nach dem sehr interessanten Gespräch bei der NATO stand für uns um 18 Uhr ein Besuch bei den Jungen Europäischen Föderalisten an. Wir wurden herzlich empfangen und konnten einiges zur deren Geschichte und ihren Ambitionen erfahren. Leider kam das Gespräch etwas kurz, da mehrere Mitglieder aufgrund anstehender Konferenzen zeitlich unter Druck standen. Den Abend verbrachten wir gemeinsam in der Brüsseler Altstadt.
Tag 3
Am dritten Tag stand der Besuch von drei wichtigen Institutionen an. Nach dem Frühstück ging es für uns mit einem öffentlichen Bus zum Rat der Europäischen Union, kurz Ministerrat. Nach einer kurzen Sicherheitskontrolle erhielten wir eine Einführung zum Gebäude und wurden anschließend zu einem Warteraum geführt, der auch einige Informations- und Beschäftigungsmöglichkeiten bot (siehe z.B. Bild 1). Anschließend folgte ein interessanter Vortrag der Abteilungsleiterin für Wirtschaft des Rates der EU über Aufgaben, Strukturen und Kompetenzen des Rates. Erneut konnten wir eigene Fragen stellen (Bild 2). Nach dem circa einstündigen Gespräch wurden wir durch weitere Teile des Gebäudes geführt, darunter auch zum bekannten roten Teppich des Rates, welchen man durch die Auftritte prominenter Politiker:innen kennt (Bild 1).
Nach dem Mittagessen folgte der Besuch der Heinrich-Böll-Stiftung. Anders als bei den EU-Institutionen ist das Gebäude deutlich familiärer eingerichtet und ähnelt von innen eher einem modernen Start-Up. Der Programmleiter für Europäische Energiewende Jörg Mühlenhoff und der Programmleiter für Grüne Wirtschafts- und Sozialpolitik in der EU Anton Möller empfingen uns herzlich und führten uns in ihren Konferenzraum (Bild 3). Wir folgten interessiert den umfangreichen Vorträgen über die Themen erneuerbare Energien und europäische Energiewende. Besonders hervorzuheben war die intensive Diskussionsrunde, in der auch kontroverse Positionen – etwa zum Begriff des Neokolonialismus in der Rohstoffgewinnung – offen und sachlich diskutiert wurden. Alle kritischen Fragen wurden sehr transparent und äußerst professionell beantwortet. Während des zweistündigen Gesprächs konnte man viel auf diesem Gebiet lernen.
Am späten Nachmittag besuchten wir das Europäische Parlament und trafen dort den sächsischen Europaabgeordneten Matthias Ecke. In einem persönlichen Gespräch berichtete er von seiner parlamentarischen Arbeit und thematisierte insbesondere den Umgang mit rechtspopulistischen und rechtsextremen Kräften innerhalb des Parlaments. Der Besuch vermittelte einen unmittelbaren Einblick in den politischen Alltag auf europäischer Ebene (Bild 5). Er unterhielt sich sehr offen mit uns und begegnete uns auf Augenhöhe. Nach einigen Gruppenfotos vor dem Europäischen Parlament war das Programm für diesen Tag beendet (Bild 4). Wir ließen den Abend in kleinen Gruppen ausklingen. Manche gingen in Restaurants, manche in Bars und manche shoppten in der Stadt, schließlich stand Weihnachten bald vor der Tür und wer freut sich schon nicht über eine belgische Schokolade.
Bild 2 & 3: Besuch beim Rat der Europäischen Union (links) & der Heinrich-Böll-Stiftung (rechts)


Bild 4 & 5: Gruppe vor dem Europäischen Parlament (links) & Besuch bei Matthias Ecke MdEP (rechts)


Tag 4
Am vierten Tag wurde es besonders heimisch für viele Kommiliton:innen der TU Chemnitz, denn es ging um 10 Uhr zur Vertretung des Freistaates Sachsens. Empfangen hat uns zuerst der Ex-Oberbürgermeister von Bautzen und Kommunalpolitiker der SPD Alexander Ahrens. In einem offenen Gespräch berichtete er über seine Arbeit. Anchließend diskutierten wir gemeinsam mit der deutsch-französischen Politikwissenschaftlerin und Publizistin Sophie Pornschlegel Herausforderungen autokratischer Entwicklungen in Europa. Geleitet wurde diese Runde von Niclas Hüttemann von der Professur Politische Systeme. Eine anschließende Reflexionsrunde innerhalb der Gruppe bot Raum für Feedback und kritische Einordnung der bisherigen Programmpunkte. Insgesamt waren wir von 10 bis 13 Uhr in der Sächsischen Vertretung.
Am Nachmittag besuchten wir dann die Europäische Kommission (Bild 6). In zwei Vorträgen erläuterten Ulrich Trautmann (Generaldirektion Handel und wirtschaftliche Sicherheit) und Johannes Schuler (Generaldirektion Klimapolitik) die Arbeitsweise der Kommission sowie zentrale Aspekte der europäischen Handels- und Klimapolitik. Trotz des hohen fachlichen Niveaus boten beide Beiträge wertvolle Einblicke und knüpften inhaltlich an vorherige Programmpunkte an. Insgesamt gingen beide Gespräche zusammen bis etwa 17 Uhr und waren von großem Informationsinput geprägt. Den Rest des Abends hatten wir frei und konnten den Abend in kleineren Gruppen gemütlich ausklingen lassen.
Bild 6: Besuch bei der Europäischen Kommission & Brüssel am Abend


Tag 5
Am letzten Tag besuchten wir die Brüsseler Redaktionsräume des SPIEGEL. In einem Gespräch mit dem Journalisten Timo Lehmann diskutierten wir die Rolle der Medienöffentlichkeit in Europa, journalistische Recherchearbeit, den Umgang mit Anfeindungen sowie den Wettbewerbsdruck im Medienbetrieb. Die offene Atmosphäre und die praxisnahen Einblicke machten diesen Programmpunkt zu einem gelungenen Abschluss der Exkursion.
Im Anschluss traten wir gegen 11:30 Uhr die Rückreise nach Chemnitz an, wo wir noch vor Mitternacht wieder eintrafen.
Bild 7: Besuch beim SPIEGEL

Fazit
Die Exkursion nach Brüssel stellte einen äußerst wertvollen und bereichernden Bestandteil des Seminars „Party Governance in der Europäischen Union“ dar. Über fünf intensive Tage erhielten wir nicht nur einen tiefgehenden Einblick in die politischen Strukturen und Entscheidungsprozesse der Europäischen Union, sondern konnten diese auch aus erster Hand durch Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern zentraler Institutionen, politischer Stiftungen, Medien und Organisationen nachvollziehen und kritisch reflektieren.
Besonders hervorzuheben ist die Vielfalt der besuchten Institutionen, von NATO, EU-Rat, Europäischem Parlament und EU-Kommission über politische Stiftungen, bis hin zu zivilgesellschaftlichen und journalistischen Akteuren. Dadurch wurde deutlich, wie komplex, vielschichtig und zugleich miteinander verflochten europäische Politik, Sicherheit, Wirtschaft, Klima- und Medienfragen sind. Die offenen Diskussionsformate ermöglichten es uns, kritische Fragen zu stellen, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen und politische Kontroversen nicht nur theoretisch, sondern ganz praktisch zu erleben.
Neben dem fachlichen Mehrwert trug auch das gemeinsame Erleben als Gruppe wesentlich zum Erfolg der Exkursion bei. Die langen Gespräche, Diskussionen und gemeinsamen Abende stärkten den Zusammenhalt und boten Raum für Reflexion jenseits der formellen Programmpunkte. Brüssel wurde dadurch nicht nur als politisches Machtzentrum, sondern auch als lebendige europäische Stadt erfahrbar.
Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Exkursion Theorie und Praxis auf eindrucksvolle Weise miteinander verband und das Verständnis für europäische Politik nachhaltig vertieft hat. Sie hat nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch Interesse, kritisches Denken und Motivation für die weitere politikwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Europa geweckt. Wir danken Prof. Dr. Benjamin Höhne sowie ARBEIT UND LEBEN Sachsen e.V. für die hervorragende Organisation und Begleitung dieser lehrreichen und eindrucksvollen Reise.
(Bericht von Felix Krause)