Über ROLL-I
Was ist ROLL-I
Im Alltag können viele Faktoren den Weg durch die Stadt für Rollstuhlfahrer erschweren oder unpassierbar machen. Dazu gehören:
- unebene oder schwer befahrbare Oberflächen, wie Kopfsteinpflaster oder schlecht verlegte Bodenplatten,
- Schäden im Gehweg,
- Engstellen durch Poller, Laternen oder andere fest installierte Objekte,
- Stufen, Schwellen und Bordsteinkanten,
- starke Steigungen oder
- ungünstige Überquerungsstellen.
Die Folge ist häufig, dass kräftezehrende Umwege notwendig werden, gefährliche Routen gewählt oder bestimmte Orte ganz gemieden werden. Das Projekt erfasst Informationen zur tatsächlichen Passierbarkeit von Wegen, wertet sie aus und macht sie für die Routenplanung nutzbar.
- Automatisierte Erfassung der Barrierefreiheit
Eine manuelle Erfassung der Barrierefreiheit städtischer Verkehrsinfrastruktur durch einzelne Akteure ist sehr aufwändig. Um diesen Aufwand zu reduzieren, erforschen wir, wie Daten zur Straßenbeschaffenheit und zu infrastrukturellen Hindernissen großflächig und automatisiert erfasst werden können. Dazu wird im Projekt ein Crowd-Sourcing-Ansatzes mit Personen aus der Zielgruppe erprobt. Wir entwickeln ein modulares Sensorkit, das an unterschiedlichen Rollstuhltypen angebracht werden kann und im Alltag der Rollstuhlnutzer automatisiert Daten zu Hindernissen und zum Untergrund erfasst. Ergänzend bringen die Nutzer im Rahmen längerer Nutzungsstudien ihre subjektive Einschätzung der Befahrbarkeit innerstädtischer Streckenabschnitte ein, zum Beispiel in Bezug auf Komfort, Sicherheit oder Kraftaufwand. - Analyse der Streckenqualität
In einem zweiten Schritt werden Algorithmen entwickelt, mit dem Ziel eines Bewertungsmodells, das innerstädtische Bereiche hinsichtlich ihrer Barrierefreiheit und Passierbarkeit einordnet. Dieses Bewertungsmodell soll zukünftig subjektive Bewertungen ersetzen und erlaubt es, Strecken allein anhand ihrer objektiven Parameter einzuschätzen. - Routenplanung und Visualisierung
Auf Grundlage der bewerteten Streckenabschnitte entsteht eine Anwendung, die erlaubt sich über die Barrierefreiheit städtischer Infrastruktur zu informieren und barrierearme Routen planbar macht. Dabei wird auch untersucht, wie Informationen zur Streckenqualität verständlich und übersichtlich dargestellt werden können.
Im Projekt ROLL-I verfolgen wir einen nutzerzentrierten, partizipativen Ansatz. Dies bedeutet, dass wir an allen relevanten Zeitpunkten des Forschungsprozesses mit Personen aus der Zielgruppe zusammenarbeiten. So soll sichergestellt werden, dass unsere Lösung nicht nur technisch funktioniert, sondern im Alltag tatsächlich hilfreich ist.
Für wen ist ROLL-I relevant?
ROLL-I richtet sich in erster Linie an Menschen, die auf barrierearme Wege angewiesen sind. Dazu gehören insbesondere:
- Rollstuhlfahrer,
- Menschen mit Mobilitätseinschränkungen,
- ältere Menschen,
- Personen mit Kinderwagen oder Gepäck,
- Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Erschöpfungssymptomatik.
Darüber hinaus können die Projektergebnisse auch für Kommunen, Stadtplanung, Tourismus, Verkehrsverbünde, Forschung und zivilgesellschaftliche Organisationen relevant sein. Die Kartierung kann langfristig Hinweise darauf geben, wo Barrieren im Stadtraum besonders häufig auftreten und wo Verbesserungen besonders wichtig wären.