Forschung
Die Juniorprofessur „Digital Humanities“ verbindet wissenschaftstheoretische Perspektiven mit der Praxis computergestützter Forschung. Im Fokus der Forschung steht die Frage, wie geisteswissenschaftliche Theoriearbeit unter den Bedingungen von Digitalisierung und generativer Künstlicher Intelligenz produktiv weiterentwickelt werden kann. Die Juniorprofessur nimmt dazu das transformative Potenzial aktueller technischer Verfahren für die Geisteswissenschaften in den Blick. Dabei fragt die Juniorprofessur nicht nur nach den spezifischen Merkmalen geisteswissenschaftlicher Wissensproduktionen im digitalen Wandel. Vielmehr vermisst die Juniorprofessur die Rolle der Geisteswissenschaften als Reflexionsdisziplinen neu.
Ein besonderes Forschungsanliegen der Juniorprofessur ist es, die Synergieeffekte sichtbar zu machen, die sich aus der Verschränkung von Datenanalysen und algorithmischen Systemen mit geisteswissenschaftlichen Praktiken wie der Interpretation und Kritik ergeben. Damit wird die Entwicklung und Vermittlung zukunftsweisender kritischer Praktiken und reflektierter Beschreibungskategorien vorangetrieben, die für die Gestaltung einer nachhaltigen digitalen Gesellschaft relevant sind.
Die zunehmende Integration von Large Language Models (LLMs) in Forschungsprozesse wirft grundlegende Fragen für die Geisteswissenschaften auf. Welche theoretischen Annahmen sind in LLMs eingeschrieben? Wie verändern sich geisteswissenschaftliche Praktiken des Theoretisierens infolgedessen? Neben der kritischen Analyse epistemischer Vorannahmen in LLMs erarbeitet die Juniorprofessur Ansätze, die geisteswissenschaftliche Theorien als Ressource für einen reflektierten KI-Umgang fruchtbar machen. Die Arbeit knüpft hier an die Critical AI Studies an.
Statistische Methoden sind in den Digital Humanities fest etabliert. Gleichzeitig bleiben ihre theoretischen Voraussetzungen häufig unsichtbar. Während geisteswissenschaftliche Theorien explizit reflektiert werden, gelten statistische Verfahren oft als neutrale Werkzeuge. Welchen Unterschied macht es, ob in den Digital Humanities frequentistisch, bayesianisch oder mit maschinellem Lernen modelliert wird? Ziel ist es, eine reflektierte statistische Praxis in den Digital Humanities zu fördern, die theoretische Grundlagen nicht nur anwendet, sondern kritisch mitdenkt.
Geisteswissenschaftliche Theorien materialisieren sich nicht allein in Texten, sondern zunehmend auch in Datenmodellen und anderen infrastrukturellen Settings. Im Rahmen der Arbeit in der DHd-Arbeitsgruppe „Digital Humanities Theorie“ richtet die Juniorprofessur den Blick auf kollaborative und partizipative Formen des Theoretisierens in den Digital Humanities. Im Mittelpunkt stehen unter anderem die Fragen, wie theoretische Annahmen in Beschreibungsvokabularen wirksam werden und wie theoretische Inhalte vermittelt werden können („Starterkit DH Theorie“).