29.6.2026 - Vortrag auf der ICON·S-Konferenz in Dublin
Am 29. Juni 2026 hielt ich auf der Jahreskonferenz der International Society of Public Law (ICON·S) an der UCD Sutherland School of Law in Dublin einen Vortrag über das gemeinsam mit Denise Köcke verfasste Paper „From Fragments to Framework: Systemic Integration and the Judicial Function in the ICJ's Advisory Opinion on Climate Change". Die diesjährige Konferenz zum Thema „Reimagining Public Law for a Fractured World: Technology, Identity & Truth" war mit 2.088 Teilnehmenden aus 78 Ländern die größte öffentlich-rechtliche Konferenz, die je in Irland stattgefunden hat – ein eindrucksvolles Zeugnis der globalen Strahlkraft der ICON·S-Community.
Mein Vortrag fand im Panel „Courts Confronting Climate: Structural Limits and Frontiers" statt, das ich zugleich als Chair leiten durfte. Unsere These: Der Beitrag des Klimagutachtens des Internationalen Gerichtshofs vom 23. Juli 2025 liegt nicht darin, die Klimakrise zu lösen – das kann kein Gericht –, sondern im Klären, Systematisieren und Stabilisieren. Statt sich als zaghafter Hüter des Status quo oder als Avantgarde der Klimagerechtigkeit zu positionieren, versteht sich der IGH mit bemerkenswerter institutioneller Selbstreflexion als Architekt: Mithilfe des Grundsatzes der systemischen Integration (Art. 31 Abs. 3 lit. c WVK) fügt er die fragmentierte klimarechtliche Landschaft aus Vertrags- und Gewohnheitsrecht, Menschenrechtsschutz und Umweltvölkerrecht zu einer kohärenten völkerrechtlichen Architektur zusammen – doktrinell ambitioniert und institutionell zurückhaltend zugleich.
Ergänzt wurde das Panel durch Vorträge von Morten Kinander (BI Norwegian Business School) zu den strukturellen Grenzen richterlicher Klimapolitik, Kaia Turowski (London School of Economics) zur (Anti-)ESG-Klimalitigation in EU und USA sowie Y. Y. Hwang (Taiwan) zum gerichtlichen Umgang mit epidemiologischer Evidenz aus der Luftqualitätsforschung.
Die Konferenz stand zugleich im Zeichen des Gedenkens an den kurz zuvor verstorbenen Ran Hirschl, dessen Konzept der „judicialization of mega-politics" auch meinen Vortrag prägte.
