Aktuelle Forschungsprojekte
#digitalfterlife: Die Nutzung interaktiver digitaler Technologien zur Bewältigung von Sterblichkeit und Trauer
Förderinstanz: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Geplante Laufzeit: 2027–2029
Projektleitung: Prof. Dr. Jan-Philipp Stein (TUC), Dr. Fabian Hutmacher (Universität Würzburg)
Inhalt:
Seit Jahrtausenden nutzen Menschen Medien, um Erinnerungen an ihr eigenes Leben – oder das nahestehender Personen – zu dokumentieren und mit der Nachwelt zu teilen. Von Höhlenmalereien und Tagebüchern bis hin zu Fotos und Videos wurden dabei diverse Werkzeuge und Modalitäten eingesetzt. In den letzten Jahrzehnten sind zudem zahlreiche digitale Formen der mediierten Erinnerung und Trauer hinzugekommen (u. A. Social-Media-Profile, virtuelle Friedhöfe), wodurch neue Möglichkeiten zum Umgang mit der eigenen Sterblichkeit sowie dem Verlust geliebter Menschen geschaffen wurden. Doch auch diese Zugänge sind darin limitiert, dass sie weitestgehend passive und statische Artefakte einer Person umfassen.
Umso bemerkenswerter ist es, dass rasante technologische Fortschritte in den letzten Jahren einen fundamentalen Wandel eingeläutet haben: Mithilfe moderner Künstlicher Intelligenz (KI) können heute Chatbots erstellt werden, die große Datenmengen lebender oder verstorbener Personen nutzen, um später posthume Interaktionen mit dem jeweiligen Individuum zu simulieren. Auf Wunsch lässt sich derartige Afterlife AI zudem mit modernen Formen der Computer-Visualisierung und Sprachsynthese kombinieren, um für Hinterbliebene immersive „Wiederbegegnungen“ zu inszenieren.
Inspiriert von diesen Entwicklungen untersuchen wir im Forschungsprojekt #digitalafterlife die Rolle interaktiver digitaler Technologien bei der Bewältigung von Sterblichkeit und Trauer. Das entwickelte Programm folgt dabei einer klaren Struktur: Nach der Einordnung bereits verbreiteter digitaler Technologien im Zusammenhang mit Sterblichkeit und Trauer – basierend auf systematischen Reviews und Surveys – eruieren wir in einer späteren Projektphase emergente KI-Innovationen mithilfe von qualitativen Interviews sowie experimentellen Methoden.
Die Binnenstruktur des Projekts umfasst dabei zwei Säulen: In Projektcluster A („The Self“) wird erforscht, wie Personen digitale Technologien nutzen, um mit dem Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit umzugehen. Psychologische Erkenntnisse zu menschlichem Coping sowie das Generativity-Framework stellen dabei zentrale Theoriebausteine dar.
Projektcluster B („Loved Ones“) wiederum beschäftigt sich mit technologiegestützten Bewältigungsmaßnahmen im Rahmen von Trauerfällen nach dem Tod nahestehender Personen. Erneut werden hier zunächst etablierte digitale Technologien wie Social-Media-Apps in ihrer Rolle als Coping-Tools eruiert, bevor abermals das Konzept posthumer Simulation via KI aufgegriffen und in experimenteller Form beleuchtet wird.