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Professur Politische Theorie und Ideengeschichte
Jahrbuch E & D

Jahrbuch Extremismus & Demokratie

Das Jahrbuch fördert die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem politischen Extremismus und den Debatten um die moderne Demokratie. Es dient als Bestandsaufnahme, Nachschlagewerk oder Orientierungshilfe, und bietet so gleichermaßen Perspektiven für politische Praktiker. Auch in seiner 29. Ausgabe werden anhand der drei Kategorien Analysen, Daten, Dokumente, Dossiers sowie Literatur die Spannungsfelder des demokratischen Verfassungsstaates in Deutschland und Europa beleuchtet. Zu den Herausforderungen gehört die Krise im europäischen Einigungsprozess und zwischen den EU-Partnern, nicht nur anhand der Frage, wie die Flüchtlinge in die europäischen Gesellschaften aufgenommen und integriert werden können. Peter Ulrich gewichtet in seinem Literaturbericht Diagnosen und Lösungsansätze unter der Frage „Quo vadis, Europa“.

Religiös motivierter Fundamentalismus bleibt ein Dauerthema: Zwar befinden sich die Kämpfer des Islamischen Staates im Rückzug, gleichwohl stehen salafistische Ideen, Prediger oder Gruppen weiter unter Beobachtung von Politik und Sicherheitsbehörden. Christine Schirrmacher untersucht die Attraktivität des Dschihadismus besonders für Jugendliche, betrachtet dabei Rolle und Sinngebung religiöser Inhalte, und verfolgt allgemein die persönlichen wie ideologischen Triebkräfte für extremistische Überzeugungen.

Darüber hinaus wurde das Berichtsjahr von den wachsenden Erfolgen der Alternative für Deutschland (AfD) sowie einem erstarkenden Populismus von links und rechts geprägt. Dass „Immigration und Sicherheit“ die strategisch leitenden Themenfelder rechtspopulistischer Parteien sind, resümiert Klaus von Beyme in seiner international angelegten Analyse zum Rechtspopulismus. Das wieder aufgenommene NPD-Verbotsverfahren ordnet Uwe Backes in die internationale Diskussion von Parteiverboten ein, während Alexander Gallus das Nicht-Verbots-Urteil des Bundesverfassungsgerichts präsentiert und kommentiert.

Zeithistorische Jubiläen werfen ihren Schatten voraus: Der Historiker Peter Brandt schreibt in seiner Analyse eine Geschichte des Trotzkismus in Deutschland, dem innerhalb vielfältiger linker Gruppen jedoch kein Schwergewicht zukam, auch wenn er eine Hochzeit um 1968 und in der Studentenbewegung erlebte. Eckhard Jesse unternimmt eine historische Rückschau zum „Deutschen Herbst“ 1977 in einem biographischen Porträt Gudrun Ensslins.

Wachsende und vor allem gewaltbereite Gruppen oder Einzelpersonen, die staatliche Akteure von den Kommunen bis zum Bund immer mehr beschäftigen, sind die sogenannten „Reichsbürger“. Gerade da sich unter diesem Begriff eine Vielzahl an Fraktionen und Positionen verbergen, ist ihre Analyse so schwierig. Während Verwaltungsbehörden weiter nach Handlungsempfehlungen suchen, nähern sich Jan Freitag, Michael Hüllen und Yasemin Krüger in ihrem Beitrag der Ideologie und dem Gefahrenpotenzial dieser Bewegung. Hans-Gerd Jaschke wiederum beleuchtet in seiner Sammelrezension die Strahlkraft einer „Neuen Rechten“ anhand ausgewählter Neuerscheinungen ihrer intellektuellen Vordenker, da diese sich um eine Neubestimmung rechtskonservativen Denkens bemühen. Aufgrund der engen Verbindung zum rechten Flügel der AfD kommt der Zeitschrift Sezession des „Instituts für Staatspolitik“, welche Armin Pfahl-Traughber porträtiert, eine politisch integrierende Wirkung innerhalb der Neuen Rechten zu.

Und nicht zuletzt widmen sich die Beiträgerinnen und Beiträger des Jahrbuchs einer breiten Literaturschau zu den wichtigsten Neuerscheinungen des Jahres 2016.