Kooperative Lehrforschungsprojekte
Kooperatives Lehrforschungsprojekt
„Bildungsorientierungen zwischen Institutionen und Lebenswelt“
(WS 2025/2026)
Für BA Pädagogik im Modul VM-AEW Diskurse und Forschungsfelder der Allgemeinen Erziehungswissenschaft und ZM 1 "Studienprojekt im Studienschwerpunkt"
Zusammen mit Dozentinnen der Ruhruniversität Bochum (Dr. Catharina Keßler) und der Universität Duisburg-Essen (Prof. Dr. Nicolle Pfaff) arbeiten Studierende der Pädagogikstudiengänge in Chemnitz und Bochum sowie der Lehramtsstudiengänge Essen zum Thema Bildungserfahrungen und Bildungsorientierungen von jungen Menschen. Gemeinsam mit Studierenden aus Bochum und Essen wird die Vielfalt von bildungsbezogenen Orientierungen von Pädagogik- und Lehramtsstudierenden in einem universitätsübergreifenden Projekt sichtbar gemacht und durch gegenseitige Interviews ein überregionaler Studierendenaustausch ermöglicht.
Kooperation mit dem Oral-history-Projekt des NSU-Dokumentationszentrums Offener Prozess: Baseballschlägerjahre
Für BA Pädagogik im Modul VM-AEW "Diskurse und Forschungsfelder der Allgemeinen Erziehungswissenschaft"
SoSe 2026
Seminarkonzept
Dieses Seminar ist ein Lehrforschungsprojekt in Kooperation mit offener-prozess.de, einem Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex in Chemnitz, das sich der Aufarbeitung rechter Gewalt in Ostdeutschland widmet. Die Studierenden analysieren Zeitzeug:inneninterviews mit Opfern rechter Jugendgewalt in den 1990er Jahren und leiten daraus aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive Konsequenzen für professionelles pädagogisches Handeln ab.
Der Mauerfall markierte eine tiefgreifende Zäsur auch für die Jugendarbeit in Ostdeutschland. In diesem Umbruch gewannen rechte Jugendkulturen rasch an Dominanz. Das Desintegrationstheorem von Heitmeyer et al. (1992) wird im Seminar als zeitgenössischer Erklärungsversuch kontextualisiert, jedoch kritisch eingeordnet. Seine Tendenz zur Individualisierung struktureller und politischer Ursachen von Rechtsextremismus ist heute zu Recht Gegenstand fachlicher Kritik.
Als pädagogische Reaktion auf rechte Jugendgewalt etablierte sich in den 1990er Jahren das Konzept der akzeptierenden Jugendarbeit, das durch das „Aktionsprogramm gegen Aggression und Gewalt" (1991) bundesweit gefördert wurde. Die erziehungswissenschaftliche Analyse zeigt jedoch die Grenzen dieses Ansatzes: Eine „anbiedernde Parteilichkeit" (Cloos et al. 2009, S. 24) begünstigte rechte Hegemonien im pädagogischen Raum, während Macht- und Herrschaftsdynamiken unreflektiert blieben (Bruns 2025). Die Fokussierung auf männliche Täter und gewalttätiges Handeln ließ die Perspektiven Betroffener weitgehend außer Acht und machte zudem rechte Täterinnen unsichtbar.
Als konzeptionelle Grundlage für die Entwicklung professionsbezogener Kompetenzen dient das Konzept der reflexiven Parteilichkeit (Bitzan/Winter 2022), das sozialpädagogische, genderreflektierende sowie rassismus- und diskriminierungskritische Perspektiven verbindet. Soziale Arbeit als „Menschenrechtsprofession" (Dietrich 2020, S. 93) erfordert die Analyse gesellschaftlicher Machtasymmetrien sowie die Anerkennung der „doppelten Unsichtbarkeit" rechter Mädchen und Frauen. Im Seminar sollen mithilfe des Konzepts Prinzipien und Methoden erarbeitet werden, wie sowohl mit Jugendlichen, die sich rassistisch und diskriminierend verhalten, umgegangen werden kann, als auch wie betroffene Jugendliche geschützt und unterstützt werden können.
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