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Institut für Physik
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Nachruf für Univ.-Prof. Dr. Heinrich Solbrig

Nachruf Univ.-Prof. Dr. Heinrich Solbrig

Bild Univ.-Prof. Dr. Heinrich Solbrig

Nachruf Univ.-Prof. Dr. Heinrich Solbrig

* 29.06.1940      12.03.2026

Die Fakultät für Naturwissenschaften der Technischen Universität Chemnitz trauert um Prof. Heinrich Solbrig, der am 12. März 2026 nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 85 Jahren verstorben ist. Wir verlieren mit ihm einen Freund und exzellenten Wissenschaftler, einen geschätzten Kollegen, sowie einen Mentor, der die theoretische Physik in Chemnitz über Jahre maßgeblich mitgeprägt hat.

Heinrich Solbrig wurde 1940 in Schwarzenberg im Erzgebirge geboren. Sein akademischer Weg begann an der TU Dresden, wo er bei Wilhelm Macke und Richard Lenk Physik studierte. Er folgte Richard Lenk 1964 an die damalige TH Karl-Marx-Stadt und wurde dessen Assistent. In den Seminaren setzt er neue Maßstäbe, indem er den „Dresdner Stil” etablierte: (jede Aufgabe musste von den Studierenden an der Tafel vorgerechnet und diskutiert werden). Trotz seiner sprichwörtlichen Strenge war er bei den Studierenden hochgeachtet, da ihm die tiefe Diskussion des Stoffes wichtiger war als bloßes Auswendiglernen. 1971 promovierte er in Theoretischer Physik mit summa cum laude über „Vielfachstreuung thermischer Neutronen durch den Idealkristall” ein Thema, das seine Expertise für komplexe Vorgänge in Materialien begründen sollte. Im Jahr 1982 erfolgte seine Habilitation (Verteidigung der Dissertation B). Nach der politischen Wende wurde er 1992 zum C3-Professor für „Struktur und Elektronenstruktur nichtkristalliner Materialien” ernannt, eine Position, die er bis zu seinem Ruhestand 2005 innehatte.

Wissenschaftlich widmete er sich vorwiegend dem „Harten Problem“ der Bildung von Strukturen in angeblich ungeordneten (amorphen, flüssigen) Systemen und den Quasikristallen. Die Komplexität dieser Vielteilchensysteme gilt als unüberwindbar. Auch rechnerische Wege (Simulationen) dazu gelten prinzipiell als unlösbar. Doch Heinrich Solbrig gelangen mittels ab-initio-Methoden verschiedene Durchbrüche, die ihm weltweite Anerkennung einbrachten. Seine Leidenschaft für die Physik endete nicht mit der Emeritierung; bis zuletzt forschte und publizierte er über weite Bereiche im Periodensystem der Elemente zu deren Strukturen.

Auch abseits des Hörsaals war Heinrich Solbrig ein Mann der klaren Prinzipien und ein Naturfreund. Als erklärter „Autofeind” (und Besitzer eines legendären, durch die Wende entwerteten Trabant-Gutscheins seiner Ehefrau und seiner Studenten) bestritt er seine Wege konsequent zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Seine Fitness, die ihn öfters den Fichtelberg mit dem Fahrrad bezwingen ließ, führte ihn mit seiner Frau mehrfach zu Fuß auch auf ausgedehnte Trekkingtouren durch die europäischen Gebirge bis in den Kaukasus, aber auch durch die kargen Landschaften Islands – die Kamera stets im Gepäck.

Wir werden Heinrich Solbrig als einen scharfsinnigen Diskussionspartner, Freund und aufrechten Menschen in Erinnerung behalten. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Frau und seiner Tochter, sowie den Enkelkindern.

Univ.-Prof. em. Dr. Peter Häußler, 08.04.2026