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Universitätsarchiv

1914-1933

Die Königliche Gewerbeakademie im Ersten Weltkrieg

Wie vielerorts wurde der Kriegsbeginn 1914 auch von den Chemnitzer Lehrern und Schülern überwiegend gutgeheißen und begrüßt. Von den Lehrern meldete sich ein Drittel, zumeist freiwillig, zur Front. Bei den Schülern waren es sogar zwei Drittel, von denen fast jeder sechste nach Kriegsende 1918 nicht mehr zurückkehren sollte.

Das Angebot der Einrichtung war dementsprechend eingeschränkt. Vom Herbst 1915 an bot die Einrichtung unentgeltliche Kurse für Kriegsbeschädigte in Maschinenbau, Elektrotechnik und Bauwesen an. Ein Teil des Gebäudekomplexes wurde als Versorgungs- und Übernachtungsmöglichkeit für Leichtverletzte genutzt, die den nahen Hauptbahnhof als Umsteigepunkt nutzten.

Weimar – Von den Königlichen zu den Technischen Lehranstalten

Das Jahr 1918 sollte eine tiefe Zäsur in der deutschen Geschichte darstellen. Mit dem Verschwinden der deutschen Monarchie und der Errichtung der ersten deutschen Demokratie stellten sich auch an der Chemnitzer Bildungseinrichtung gravierende Veränderungen ein. Noch 1919 wurde der Zusatz „Königlich“ der in den Technischen Staatslehranstalten zusammengeschlossenen Schulen gestrichen und durch „Staatlich“ ersetzt. Angesichts der innenpolitischen Wirren der frühen Weimarer Zeit verbot die sächsische Regierung im Folgejahr an den Schulen des Landes jegliche politische Betätigung.

Gleichwohl war das Gros der Schüler- und Lehrerschaft der Technischen Staatslehranstalten allerhöchstens als „Vernunftrepublikaner“ –  als überwiegend monarchistisch oder nationalistisch einzustufen. So wurde 1921 bei einem Zusammenstoß zwischen deutsch- nationalen Schülern der Technischen Staatslehranstalten und linksgerichteten Chemnitzer Arbeitern anlässlich einer „Sedan-Feier“ ein Arbeiterführer getötet. Synonym für den demokratiefeindlichen Tenor an den Lehranstalten bleibt der Name Herrmann Fischer, einer der Mörder des Außenministers Walter Rathenau. Fischer, Schüler der Chemnitzer Einrichtung, wurde 1936 von der Institution sogar ein Denkmal gesetzt.

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