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Kleiner Ball mit großem Potenzial

Golf bereichert an der TU Chemnitz nicht nur Sportangebot und studentische Ausbildung, sondern bietet auch Forschungsansätze

Golf ist ein Sport für alte Herren. Dieses Vorurteil steckt wohl noch in vielen Köpfen. Dabei finden sich unter den inzwischen etwa 600.000 Golfern in Deutschland immer mehr junge Sportbegeisterte. Auch Wissenschaftler der Technischen Universität Chemnitz wollen zu dieser Entwicklung beitragen und die Popularität des Golfsports hierzulande steigern.

Bereits seit Sommersemester 2010 bietet der Chemnitzer Universitätssport für Studierende und TU-Mitarbeiter Golfkurse an, die von Beginn an auf großes Interesse trafen. "Das Uniangebot ist sehr gut angelaufen. Auch im vergangenen Semester waren die Kurse wieder komplett voll. Es hatten sich sogar über 90 Studenten in die Warteliste eingetragen", sagt Frank Joachim Seidel, Golflehrer, Schulsportbeauftragter des Golfverband Sachsen und Thüringen sowie Gründer der studentischen Fachgruppe "Ictus Academicus". Neben den seit zwei Jahren angebotenen Anfängerkursen mit Platzreifeprüfung konnten TU-Golfer im vergangenen Semester erstmals an Fortgeschrittenenkursen teilnehmen, bei denen in kleinen Gruppen ein intensiveres Training stattfand. Während der Platzreifekurs ausschließlich im Sommersemester möglich ist, sind technikforcierte Fortgeschrittenentrainings auch im Winter denkbar. So überlegen die Organisatoren derzeit, das Rasenspiel im kommenden Wintersemester in die Halle zu verlegen. "Dort arbeitet man mit Videoanalyse-Systemen. Man nimmt also mit Highspeed-Funktionen der Kamera den Ist-Zustand der Studenten auf und versucht diesen durch gezielte Bewegungsschulungen zu verbessern", erklärt Seidel und fügt hinzu: "Vielleicht wird es auch einen Schnupperkurs in der Halle geben, bei dem jeder testen kann, ein paar Bälle zu schlagen. Aber für Fortgeschrittene werden wir ab Januar 2012 bestimmt etwas anbieten."

Eine Deutschlandpremiere feierte im vergangenen Jahr ein an der TU Chemnitz eingeführtes Seminar zur Theorie und Praxis des Golfsports am Institut für Sportwissenschaft. Das mit Unterstützung vom Golfverband Sachsen und Thüringen und dem Deutschen Golf Verband, initiierte und gemeinsam mit Prof. Dr. Thomas L. Milani, Inhaber der Professur Bewegungswissenschaft an der TU Chemnitz, gestaltete Lehrkonzept wurde vom Deutschen Golfverband bundesweit an alle Geschäftsstellen der Golfverbände geschickt. Seidel, als Verfasser des Lehrkonzeptes, freut sich über diese Entwicklung und ist gespannt auf die kommenden Schritte. In drei Bundesländern finden zurzeit Gespräche mit interessierten Universitäten statt.

Auch an der TU Chemnitz wird das Seminar, unter der Leitung von Dr. Günther Schlee und Frank Joachim Seidel, im Wintersemester erneut als fakultative Lehrveranstaltung angeboten. Die erste Veranstaltung zum Seminar startet ab dem 25. Oktober 2011 und findet immer in der Kurszeit von 15.30 bis 17 Uhr statt. "Interessierte Sportstudenten können sich noch um Teilnahme am Seminar bewerben", so Seidel. Im vergangenen Jahr waren die 20 Plätze schnell vergriffen. Das Seminar teilt sich in zwei Bereiche. Den ersten Teil absolvieren die Studenten im Winterhalbjahr, wo es allein um die Theorie der aufkommenden Trendsportart geht. Wenn dieser Teil erfolgreich bestanden ist, sind die Türen offen für das Praxisseminar im Sommersemester. Die gesamte Ausbildung ist für die Studenten kostenfrei und ermöglicht es ihnen neben dem Erwerb der Scheine im Rahmen der universitären Ausbildung auch die Platzreife des DGV abzulegen. Aus dem Jahrgang 2010 haben von 20 Absolventen 16 im Notenbereich 2,7 bis 1,3 abgeschnitten und 14 davon haben die Platzreife bestanden.

Für die Zukunft streben die Golfer an der TU eine feste Integration ihres Lehrkonzeptes in das Uni-Lehrangebot an. Auch ein Fortgeschrittenenseminar ist geplant, dessen Abschluss die C-Trainerlizenz Schul- und Breitensport bilden soll. Diese ermöglicht es den Absolventen beispielsweise Golf AGs an Schulen anzubieten. "Der Golfsport will natürlich in die Breite und Breite geht nur über eine attraktive und qualitative Nachwuchsarbeit", sagt Seidel. Er selbst entdeckte seine Begeisterung für den Golfsport beim "Abschlag Schule" Projekt an seiner damaligen Schule. Seit sieben Jahren arbeitet er als DGV C-Trainer ebenfalls mit Kindern, wie beim Pilotprojekt "Kids for Golf", und weiß, wie viel Spaß schon die Jüngsten beim Spiel mit dem kleinen weißen Ball haben.

Auch für die Forschung bietet Golf an der TU Chemnitz viele Anknüpfungspunkte. Ein vom Bewegungswissenschaftler Robert Hecht geleitetes Blockseminar vermittelte Sports-Engineering-Studenten im Master diesen Sommer bereits detailliertes Wissen zur Materialkunde des Golfsports. Gerade auf dem Gebiet der Materialentwicklung kann und muss laut Frank Joachim Seidel noch einiges getan werden: "Es gibt so viel auf dem Markt, was Golfmaterialien betrifft. Und es gibt fast keine wissenschaftlich fundierten Studien darüber, welches Material förderlich für den individuellen Golfspieler oder einfach gut ist. Das könnte im Rahmen von Forschungsprojekten hier an der TU Chemnitz untersucht werden." Neben Ball und Schlägern bietet sich vor allem der Golfschuh für die Materialforschung an. "Es gibt sehr viele Spieler die nicht mit ihrem Golfschuh zufrieden sind. Die meisten Golfschuhe kosten eine Menge Geld, aber halten nicht immer das, was sie versprechen. Das Problem haben viele Hersteller und daran muss man einfach arbeiten und sehen, was noch für Potenzial versteckt ist", meint Seidel. Vielleicht sorgen TU-Wissenschaftler mit der Entwicklung optimal abgestimmter, personalisierter Fußbekleidung ja in Zukunft dafür, dass den Golfern der Schuh nicht mehr drückt.

Weitere Informationen erteilt Frank Joachim Seidel, Telefon 0151 15309454, E-Mail info@unigolf-klaffenbach.de, http://www.unigolf-klaffenbach.de.

(Autorin: Anett Michael)

Katharina Thehos
24.10.2011

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