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Deutsche Literatur- und Sprachgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit
Professur Deutsche Literatur- und Sprachgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit
Deutsche Literatur- und Sprachgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit 

Lexikon der mittelalterlichen Literatur in Sachsen

Konzept

An der TU Chemnitz wird auf der Basis von Vorarbeiten (2001-2004) seit 2009/10 ein einbändiges Lexikons der mittelalterlichen Literatur in Sachsen von den Anfängen bis etwa 1520 erarbeitet.

Das Vorhaben ist Teil eines umfassenden Projekts, das an mehreren Standorten lokalisiert ist.
Es steht im Kontext eines erneuerten Interesses am regionalen Aspekt der Entstehung, Überlieferung und Rezeption volkssprachlicher Literatur des Mittelalters, wie es sich in den vergangenen Jahren in einer Reihe systematischer Beiträge (Siller 1991; Haustein 2002; Haustein/Tervooren 2003), regionaler Literaturgeschichten (Knapp 1994ff.; Tervooren; Hahn 2012) und regional fokussierter Sammelbände (etwa Hellgardt u. a. 2002; Brunner 2004; Pfau/Slámová 2006; Schubert u. a. 2008; Schilling 2012) niedergeschlagen hat. Sie alle haben unsere Kenntnisse der Entstehungsbedingungen mittelalterlicher Literatur wesentlich bereichert, sei es, indem sie punktuell Wissen (zu Autoren, Sammlern, Skriptorien usw.) vermehrten, sei es, indem sie die literarische Produktion ganzer Regionen aufarbeiteten. Bei unstrittigen Verdiensten fehlte ihnen jedoch zumeist eine umfassende heuristische Grundlage, die eine Darstellung nicht nur der regionalen Hervorbringung, sondern auch der Überlieferung von Literatur ermöglichte. Die enge Verschränkung von Produktions- und Distributionsvorgängen ist freilich ein Spezifikum vormoderner Literatur, das sich anhand eines neuzeitlichen Begriffsinstrumentariums  ("Autor" vs. "Handschrift") nur mehr bedingt beschreiben läßt. Sie kann im Prinzip nur auf der Basis eines intentional vollständigen Verzeichnisses aller im Raum zu verortenden Schriftlichkeit angemessen dargestellt werden.

Das in seiner Makrostruktur alphabetisch, in seiner Mikrostruktur systematisch organisierte Lexikon orientiert sich aus heuristischen Gründen an den modernen Grenzen des Freistaats. Es bündelt und vermehrt das vorhandene Forschungswissen über die mittelalterliche Literatur Sachsens anhand ihrer Zuordnung zu konkreten geographischen Orten (von Annaberg bis Zwickau) und, in zweiter Instanz, den vor Ort befindlichen Institutionen und Personen, die ihre Entstehung, Überlieferung oder Rezeption veranlasst oder gefördert haben. Ausformulierte Artikel von sach- bzw. typenbezogener Ausführlichkeit ermöglichen eine diskursive Darstellung der gesicherten oder zweifelhaften Zuschreibungen von Autoren, Werken und Handschriften an Klöster, Kirchen, Höfe, Stadtverwaltungen, Lateinschulen, Universitäten oder Einzelpersonen. Ein notwendiges Verweissystem trägt den spezifischen medialen Bedingungen vormoderner Literatur, den mitunter komplexen Zusammenhängen zwischen Institutionen, den Wanderwegen der Texte und Handschriften und der Mobilität der Personen, die ihre Verbreitung im Raum förderten, Rechnung.

Die Chancen, die eine lexikalische organisierte, institutionsorientierte Aufarbeitung aller verfügbaren Daten für unsere Kenntnis der mittelalterlichen Literatur Sachsens bietet, liegen auf der Hand. Bereits in der ersten Phase der Heuristik (tabellarische Auflistung) ergaben sich in der Zuordnung von Autoren und Handschriften zu Institutionen und Personen wiederholt Zusammenhänge, die der Forschung bisher nicht geläufig waren. Darüber hinaus lassen sich bereits erste Tendenzen zu einem Profil der literarischen Produktion und Rezeption im mittelalterlichen Sachsen aufzeigen, die man vorsichtig mit dem Begriff "Wissenslandschaft" (in Abgrenzung etwa von einer "Frömmigkeitslandschaft" wie Thüringen) umreißen kann. Notwendige monographische Darstellungen, die ohne das Lexikon eine Utopie blieben, werden dieses Profil zu präzisieren haben.
Musterartikel:   Glauchau   Großenhain   Löbau

Tagungen

Publikationen zur regionalen Literaturgeschichte aus dem Umfeld der Professur

Monographien, Sammelbände und Kataloge

Gesine Mierke, Die Crescentia-Erzählung aus der Leipziger Kleinepikhandschrift Ms 1279. Chemnitz 2013 (Saxofodina 1) [im Druck].
Christoph Fasbender, Der 'Wigelis' Dietrichs von Hopfgarten und die erzählende Literatur des Spätmittelalters im mitteldeutschen Raum. [Habil.-Schrift masch. Jena 2006]. Stuttgart 2010 (Beiheft zur Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 10).
bescheidenheit. Deutsche Literatur des Mittelalters in Eisenach und Erfurt. Katalog zur Ausstellung der Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha in der Universitätsbibliothek Erfurt vom 22. August bis 13. Oktober 2006, hg. von Ch. F. Gotha 2006.
Conradus Mutianus Rufus und der Humanismus in Erfurt. Katalog zur Ausstellung der Forschungsbibliothek Gotha auf Schloss Friedenstein, hg. von CH. F. Gotha 2009.

Aufsätze

Gesine Mierke, Zcu dem grabe clagende kam wir alle gegangen - Osterspiele in Zwickau, in: Lateinschulen im mitteldeutschen Raum, hg. von CH. F. und Gesine Mierke. Würzburg 2013 (Euros. Chemnitzer Beiträge zur Literaturwissenschaft 4) [in Vorbereitung].
Christoph Fasbender, Die Jenaer Liederhandschrift und ihr Umfeld im 16. Jahrhundert. Mit einem Rückblick auf das 15. Jahrhundert, in: Die Jenaer Liederhandschrift. Text und Notation, Geschichte und Überlieferungsumfeld. Unter Mitarbeit von Wolfgang Beck und Christoph Fasbender hg. von Jens Haustein und Franz Körndle. Berlin/New York 2010, S. 163-179.
Christoph Fasbender, Zum literarischen Profil Frankfurts am Ausgang des Mittelalters, in: Frankfurt im Schnittpunkt der Diskurse, hg. von Robert Seidel und Regina Toepfer. (= Zeitsprünge. Forschungen zur Frühen Neuzeit 14) Frankfurt am Main 2010, S. 23-40.
Christoph Fasbender, Zur Datierung des 'Buchs der Makkabäer'. Zugleich eine Vorstudie zur Rezeption der 'Postilla litteralis' des Nikolaus von Lyra im Deutschordensstaat Preußen, in: Mittelalterliche Kultur und Literatur im Deutschordensstaat in Preußen: Leben und Nachleben, hg. von Jaroslaw Wenta, Sieglinde Hartmann und Gisela Vollmann-Profe. Torun 2008 (Sacra Bella Septentrionalia 1), S. 423-440.
Christoph Fasbender, Der Erfurter Discissus der 'Kaiserchronik'. Zeitschrift für deutsches Altertum und Deutsche Literatur 135 (2006), S. 435-449.
Christoph Fasbender, Die Ziegeler von Erfurt, in: Mittelalterliche Sprache und Literatur in Eisenach und Erfurt. Beiträge der Erfurter Tagung 2006 anläßlich des 70. Geburtstages von Rudolf Bentzinger, hg. von Martin Schubert u. a. Frankfurt am Main u. a. 2008 (Kultur - Wissenschaft - Literatur), S. 68-85.
Christoph Fasbender, Über die Selbstverortung der Literatur in der mittelalterlichen Literaturgeschichte, in: Regionale Literaturgeschichtsschreibung. Aufgaben, Analysen und Perspektiven, hg. von Jens Haustein und Helmut Tervooren. Berlin 2003 (Zeitschrift für deutsche Philologie 122. Sonderheft), S. 143-157.

Lexikonartikel

Gesine Mierke, Römer von Zwickau, in: Deutsches Literaturlexikon. Das Mittelalter. Band 4: Lyrik (Minnesang - Sangspruch - Meistergesang) und Dramatik, hg. von Wolfgang Achnitz. Berlin und Boston 2012, Sp. 955f.
Gesine Mierke, Sächsische Weltchronik, in: Deutsches Literaturlexikon. Das Mittelalter. Band 3: Reiseberichte und Geschichtsdichtung, hg. von Wolfgang Achnitz. Berlin und Boston 2011, Sp. 247-250.
Christoph Fasbender, Lang, Paul, in: Deutscher Humanismus 1480-1520. Verfasserlexikon. Ergänzungsband 2, hg. von Franz Josef Worstbrock, Berlin/New York 2009, Sp. 3-12.
Christoph Fasbender, Boger, Heinrich, in: Deutscher Humanismus 1480-1520. Verfasserlexikon, hg. von Franz Josef Worstbrock. Bd. 1/1, Berlin/New York 2005, Sp. 217-225.

Rezensionen

Christoph Fasbender, Die Anfänge des Schrifttums in Oberschlesien, hg. von G. Kosellek. Jahrbuch für Internationale Germanistik 31 (2000), S. 166-168.
Christoph Fasbender, Literatur und Macht im mittelalterlichen Thüringen, hg. von E. Hellgardt, S. Müller und P. Strohschneider. Das Mittelalter 8 (2003), S. 202f.
Christoph Fasbender, Die Handschriften der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena. I: Die mittelalterlichen Handschriften der Electoralis-Gruppe, beschr. von B. Tönnies. ZVThG 57 (2003), S. 306-308.
Christoph Fasbender, Elisabeth Wunderle, Die Handschriften der Forschungsbibliothek Gotha. I: Katalog der mittelalterlichen lateinischen Papierhandschriften. ZVThG 58 (2004), S. 250-252.
Christoph Fasbender, Betty Bushey, Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar. Die lateinischen Handschriften bis 1600. I: Fol max, Fol und Oct. ZVThG 58 (2004), S. 252-254.
Christoph Fasbender, Schatzhaus der Überlieferung. Stiftsbibliothek und Stiftsarchiv Zeitz. Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte 59/60 (2006), S. 421f.
Christoph Fasbender, Renate Schipke, Skriptorium und Bibliothek des Benediktinerklosters Bosau bei Zeitz. Die Bosauer Handschriften in Schulpforte. Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte 59/60 (2006), S. 418-420.